Inhaltsverzeichnis
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Botschaften und Briefe des Jahres 1998 5 20. Februar 1998 Bildung neuer Nationaler Geistiger Räte 6 08. März 1998 Förderung der Lehrarbeit in Griechenland 7 26. März 1998 Hinscheiden von Hugh Chance 7 21.April 1998 Ridván-Botschaft 155 8 02. Mai 1998 Zur achten Internationalen Tagung 13 03. Juni 1998 Zur Nationalen Lehrkonferenz 14 08. Juni 1998 Hinscheiden von Peter Vuyiya 14 15. Oktober 1998 Kinder bestätigen ihren Glauben 15 Botschaften und Briefe des Jahres 1999 19 13. Januar 1999 Richtlinien zur Inneneinrichtung des Hauses der Andacht 20 21. April 1999 Ridván - Botschaft 156 21 25. Mai 1999 Bedürfnisse des Internationalen Bahá’í-Fonds 26 25. Mai 1999 Informationen über die internationalen Fond 27 24. August 1999 Erdbeben in der Türkei 28 16. September 1999 Eröffnung der Terrassen auf dem Berg Karmel 28 05. Oktober 1999 Märtyrertod eines Bahá’í in Tadschikistan 30 26. November 1999 Fortschritte des Göttlichen Planes 32 28. Dezember 1999 Bahá’í-Gesetze in Kraft gesetzt 34 28. Dezember 1999 Anwendung der Gesetze und Verordnungen des Kitáb-i-Aqdas 35
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Botschaften und Briefe des Jahres 2000 39 19. Januar 2000 ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum ins Abha-Königreich abberufen 40 27. Januar 2000 Hinscheiden von Adib Taherzadeh 41 20. Februar 2000 Hinscheiden von Mildred Mottahedeh 41 9. März 2000 Übertragung der administrativen Verantwortung für den Kosovo und Mazedonien 42 16. April 2000 Beteiligung der Bahá’í-Gemeinde an der Weltausstellung 43 21. April 2000 Ridván-Botschaft 157 44 18. Juli 2000 Bahá’í Ordnung und Demokratie 56 13. August 2000 Funktionsweise der Bahá´í Verwaltungsordnung 61 12. September 2000 Zur Verwendung des Größten Namen 61 24. September 2000 Drei wichtige Konferenzen von globaler Bedeutung „zur Morgendämmerung des neuen Milleniums“ 62 29. Oktober 2000 Ernennung von Mitgliedern der Kontinentalen Beraterämter 65 28. November 2000 Fragen zum Pflichtgebet 67 Botschaften und Briefe des Jahres 2001 69 9. Januar 2001 Konferenz der Kontinentalen Berater 70 16. Januar 2001 Zum Abschluss der Konferenz der Kontinentalen Beraterämter und der Hilfsämter 76 19. April 2001 Zur Frage des Geringeren Friedens 78 19. April 2001 Das Erreichen der Einheit der Nationen und der Geringere Frieden 80 21. April 2001 Ridván – Botschaft 158 (2001) 91 27. April 2001
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Arabische Ausgabe des Heiligsten Buches 95 22. Mai 2001 Erklärung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit anlässlich der offiziellen Eröffnung der Terrassen am Schrein des Báb 96 24. Mai 2001 An die Gläubigen, die zu den Ereignissen aus Anlass der Vollendung der Projekte am Berg Karmel versammelt sind 98 01. Juni 2001 Erfolg der Feierlichkeiten zur Einweihung der Terrassen am Schrein des Báb 101 19. Juni 2001 Grabmal Rúhíyyih Khánums 101 29. Juli 2001 Erfolgreiches Finanzierungskonzept wird fortgeführt 102 05. August 2001 Zur Lage des Internationalen Fonds 103 05. August Gestiegene Anforderungen 104 19. September 2001 Definition und Rahmen von "Andachtsversammlungen" 105 12. November 2001Maßnahmen zur Verringerung der Ausgaben 108 12. November 2001Gestiegene Anforderungen 109 Botschaften und Briefe des Jahres 2002 113 01. Januar 2002 Aufruf zum Pionieren nach Zypern 114 10. Januar 2002 Die Bedeutung und Notwendigkeit des Pionierens 114 05. Februar 2002 Pionierziele für den Fünfjahresplan 116 10. Februar 2002 Was ist das Symbol der Bahá’í-Religion? 116 14. Februar 2002 Spendengelder angesichts der leidenden Menschheit 117 27. Februar 2002 Märtyrertod zweier Bahá’í in Tadschikistan 118 01. April 2002 An Die Religiösen Führer Der Welt 119 21. April 2002 Eindrucksvolle Höhepunkte in der Entfaltung des Planes 126 11. Juni 2002 Erläuterungen zur Botschaft an die religiösen Führer der Welt 128
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
22. August 2002 Fehlen einer deutlichen Zunahme der Anzahl der Bahá‘í 130 11. November 2002 Rücktritt geliebter Mitglieder 132
Botschaften und Briefe des Jahres 1998
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
20. Februar 1998 Bildung neuer Nationaler Geistiger Räte
Schreiben des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an alle Nationalen Geistigen Räte vom 20. Februar 1998 Liebe Bahá’í-Freunde,
seit dem Beginn des Vierjahresplanes hat uns die stete Verbreitung des Glaubens in vielen Re-gionen der Erde und der fortgesetzte Reifeprozeß von Bahá’í-Gemeinden auf der ganzen Welt sehr ermutigt. Mit freudigen Herzen geben wir bekannt, daß im kommenden Mai drei neue Na-tionale Geistige Räte gebildet und ein weiterer Nationaler Geistiger Rat wiedererrichtet werden können: Der Geistige Rat der Bahá’í von Sabah mit Sitz in Kota Kinabalu; die erste Nationaltagung wird vom Geistigen Rat der Bahá’í von Malaysia vorbereitet. Der Geistige Rat der Bahá’í von Sarawak mit Sitz in Kuching; die erste Nationaltagung wird vom Geistigen Rat der Bahá’í von Malaysia vorbereitet. Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í der Slowakischen Republik mit Sitz in Preßburg; die erste Nationaltagung wird vom Regionalen Geistigen Rat der Bahá’í der Tschechischen und Slowakischen Republiken vorbereitet. Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í von Liberia, dessen Neubildung wegen der seit 1992 gegebenen Umstände bisher nicht möglich war, mit Sitz in Monrovia. Die Nationaltagung wird von dem Bahá’í- Verwaltungsausschuß von Liberia vorbereitet. Der Regionale Geistige Rat der Bahá’í der Tschechischen und Slowakischen Republiken mit Sitz in Prag wird zum künftigen Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í der Tschechischen Republik. In diesem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit hoffen wir, daß Bahá’í auf der ganzen Welt von der fortschreitenden Entwicklung der Gemeindeordnung in die-sen Ländern und Regionen inspiriert werden. Mögen sich die Freunde in einem jeden Land der vor ihnen liegenden Möglichkeiten bewußt werden und mögen sie sich erheben, um die Sache Gottes mit Begeisterung und Liebe zu lehren. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Das Universale Haus der Gerechtigkeit
08. März 1998 Förderung der Lehrarbeit in Griechenland
08. März 1998 Förderung der Lehrarbeit in Griechenland
Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen Rat in Deutschland Liebe Bahá’í-Freunde,
Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat entschieden, daß es zu diesem äußerst wichtigen Zeitpunkt des Vier- Jahres-Plans dringend notwendig ist, das Tempo der Lehraktivitäten in Griechenland zu erhöhen, so daß sich mehr Menschen unter dem Banner Bahá’u’lláhs in diesem Land zusammenfinden mögen. Um diesen wichtigen Prozess zu fördern, hat das Universale Haus der Gerechtigkeit be-schlossen, alle Nationalen Geistigen Räte in der Europäischen Union dazu aufzurufen, im Be-zug auf Lang- und Kurzzeitpioniere und Reiselehrer Griechenland besondere Aufmerksamkeit zu schenken, zumal es in der Europäischen Union keinerlei Beschränkungen in der Mobilität von Reisenden oder Erwerbstätigen gibt. Aus diesem Grunde sollte Ihr Nationaler Geistiger Rat in Ihrem Land die Freunde dazu ermutigen, an diesem Projekt teilzunehmen. Vor allem befän-den sich Bahá’í, die griechisch sprechen oder griechischer Herkunft sind, in der Lage, die Her-zen in diesem Land zu berühren. Darüberhinaus könnten führende Bahá’í, die Vorträge über soziale und wissenschaftlische Themen halten können, das Bild der griechischen Bahá’í-Ge-meinde in den Augen der Öffentlichkeit verbessern. Es wird gehofft, daß in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Berateramt und unter der Koordination des Nationalen Rates in Griechenland die Freunde in Deutschland, die dazu in der Lage sind, sich erheben und diese kostbare Möglichkeit ergreifen, um die Interessen des Glau-bens in Griechenland zu fördern. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen, die Sekretariatsabteilung
26. März 1998 Hinscheiden von Hugh Chance
Botschaft vom Universalen Haus der Gerechtigkeit Die Herzen sind mit großer Trauer erfüllt wegen dem für die Bahá’í-Welt tiefgreifenden Verlust von Hugh Chance, unserem geliebten ehemaligen Kollegen, getreuem, weitblikkenden Anhän-ger der Sache Bahá’u’lláhs. Konstanter Optimismus, unerbittlicher Glaube und eiserner Wille charakterisierten seine denkwürdigen Dienste über drei Jahrzehnte als Mitglied des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Anschluß an seine Mitgliedschaft im Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten. Seine mannigfaltigen Beiträge zur Organisation des Glaubens im Weltzen-trum, seine unermüdlichen Bemühungen, die Interessen der Sache zu fördern insbesondere in fernen ostasiatischen und pazifischen
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Gebieten, sein kraftvoller Beistand in der Entwicklung von Angelegenheiten externer Aktivitäten der internationalen Bahá’í-Gemeinde haben unver-gängliche Errungenschaften hinterlassen. Leidenschaftlich flehen wir die heiligen Schwellen an, daß seine edelmütige Seele reiche Belohnungen im Abhá-Königreich ernten möge, daß er mit seiner Ehefrau Margaret glücklich wiedervereint werde und daß die Herzen seiner liebsten Tochter und anderer Familienmitglieder getröstet werden mögen. Wir empfehlen, zu seinen Ehren Gedenkveranstaltungen in allen Häusern der Andacht und in Bahá’í-Gemeinden weltweit durchzuführen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
21.April 1998 Ridván-Botschaft 155
Bahá'í-Weltzentrum An die Bahá'í der Welt Innig geliebte Freunde!
Freudigen Herzens bestätigen wir zu dieser Halbzeit des Vier-Jahres-Planes, daß die weltweite Bahá'í-Gemeinschaft in dieser dynamischen Etappe ihrer Entwicklung dabei ist, neue Wege zu bahnen. Der Prozeß des Beitritts in Scharen, auf den sich ihre Energien konzentrieren, macht deutliche Fortschritte. Drei Entwicklungen geben unseren Erwartungen Zuversicht. Die eine besteht in den soliden Ergebnissen, die überall dort, wo Bahá'í-Institute arbeiten, hervorgerufen werden. Zehntausende Freunde haben während der letzten zwei Jahre wenigstens einen Institutskurs abgeschlossen. Die unmittelbaren Auswirkungen auf sie waren ein deutlich gefestigter Glaube, ein größeres Bewußtsein ihrer geistigen Identität und ein stärkeres Engagement im Dienst an der Bahá'í-Sache. Die zweite betrifft eine bemerkenswerte Verbesserung der Bedingungen bei der Bildung und Wiederbildung von örtlichen Geistigen Räten. 1997 wurde die Entscheidung wirksam, diese Institutionen nur noch am ersten Ridván-Tag und hauptsächlich auf Initiative der Gemeinde selbst zu bilden. Obgleich die Zahl der örtlichen Räte weltweit daraufhin abnahm, was nicht unerwartet war, blieb doch der Rückgang gering, in einigen Ländern wurde sogar eine Zunahme verzeichnet. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, daß der Reifeprozeß dieser göttlich verordneten Institutionen in den richtigen Bahnen verläuft. Die dritte Entwicklung besteht darin, daß ein neues Vertrauen in die Lehrarbeit die Freunde beseelt, was in verschiedenen Gegenden beeindruckende Ergebnisse zeitigt. Das Potential für einen stetigen und ständig zunehmenden Zustrom von neuen Gläubigen war immer vorhanden, und wir können vertrauensvoll sagen, daß die Fähigkeit es zu verwirklichen mit der Umsetzung des gegenwärtigen Planes mehr denn je methodisch entwickelt wird. Zusätzlich zu diesen Zeichen des Fortschritts freuen wir uns über die bewundernswerte Geschwindigkeit, mit der die Bauprojekte am Berge Karmel vorangeschritten sind, um den
21.April 1998 Ridván-Botschaft 155
für das gerade vergangene Jahr gesteckten Zeitplan zu erfüllen. Die Bildung von drei neuen Nationalen Geistigen Räten - Sabah, Sarawak und Slowakei - sowie die Wiedererrichtung des Nationalen Geistigen Rates von Liberia steht im Mai bevor. Damit erhöht sich die Zahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 179. Während wir über die göttlichen Gnadengaben nachsinnen, die unserer Gemeinde verliehen werden, anerkennen wir mit tiefster Dankbarkeit die beständigen Dienste, die von den einzelnen Händen der Sache Gottes, dem Internationalen Lehrzentrum, den Beratern und ihrer Hilfsämter auf allen Kontinenten geleistet werden. Die zunehmende Stärke von Nationalen Geistigen Räten festigt unsere Gewißheit über das unmittelbare Eintreten überwältigender Siege. Vor dem chaotischen Hintergrund eines Planeten, der mit sich selbst uneins ist, hebt sich dieses erfreuliche Bild der Zukunftsaussichten der Gemeinde ab. Und doch ist offensichtlich, daß inmitten der verbreiteten Trostlosigkeit des menschlichen Geistes sich in irgendeiner Schicht des Bewußtseins unter den Völkern der Welt ein wachsendes Gefühl dafür regt, daß die Bewegung in Richtung auf globale Einheit und Frieden unwiderstehlich ist. Dieses Gefühl wird in dem Maße geweckt, wie die materiellen Schranken zwischen den Völkern faktisch durch die atemberaubenden Fortschritte in den Wissenschaften und ihren Anwendungen beseitigt werden. Trotzdem bleibt die Menschheit durch eine Serie von welterschütternden Heimsuchungen und weltgestaltenden Entwicklungen gegenwärtig noch benommen und verwirrt. Was an Sturm und Ungestüm das soziale Gewebe zur Zeit aufpeitscht, ist für alle unverständlich außer für jene relativ wenigen Bewohner des Planeten, die Gottes Absicht für diesen Tag erkannt haben. Überall sind unsere Mitmenschen, ohne sich dessen gewahr zu sein, zur gleichen Zeit widersprüchlichen Emotionen unterworfen, hervorgerufen von den fortgesetzten Auswirkungen simultaner Prozesse "des Aufstiegs und des Verfalls, des Zusammenschlusses und der Auflösung, der Ordnung und des Chaos". Shoghi Effendi hat sie als Aspekte des Größeren und Geringeren Planes Gottes bezeichnet, die zwei bekannten Wege, durch die sich Seine Absicht für die Menschheit vollzieht. Zum Größeren Plan gehören Umbruch und katastrophale Erschütterungen und er schreitet mit scheinbar planloser Willkür voran, aber in Wirklichkeit treibt er die Menschheit unerbittlich zur Einheit und Reife. Das bewirken zum größten Teil Menschen, die seine Bahn nicht kennen und seinem Ziel sogar feindlich gegenüberstehen. Shoghi Effendi hat schon darauf hingewiesen, daß Gottes Größerer Plan "in Seinem die Welt gestaltenden Spiel sowohl die Mächtigen wie die Niedrigen als Figuren benutzt, um Seinen unmittelbaren Zweck zu erreichen und schließlich Sein Königreich auf Erden zu errichten." Die durch ihn erzeugte Beschleunigung der Prozesse gibt Entwicklungen neuen Schwung, die bei allem anfänglichen Schmerz und Kummer wir Bahá'í als Anzeichen dafür erkennen, daß der Geringere Frieden in Erscheinung tritt. Anders als Sein Größerer Plan, der auf geheimnisvolle Weise wirkt, ist Gottes Geringerer Plan klar aufgezeichnet, er vollzieht sich über systematische und uns bekannte Prozesse und wurde uns zur Ausführung übertragen. Sein Endziel ist der Größte Friede. Der vierjährige Feldzug, dessen Halbzeit wir erreicht haben, stellt die gegenwärtige Phase des Geringeren Planes dar. Auf das Erreichen seiner Ziele müssen wir daher unsere ganze Aufmerksamkeit und Energie richten.
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Gelegentlich mag es scheinen, daß der Verlauf des Größeren Planes eine Störung im Ablauf des Geringeren Planes bewirkt, aber die Freunde haben allen Grund, unverzagt zu bleiben. Denn sie erkennen den Ursprung des in der Welt wiederholt auftretenden Aufruhrs und "bejahen", wie schon Shoghi Effendi sagte, "seine Notwendigkeit, beobachten zuversichtlich seinen geheimnisvollen Verlauf, flehen um Milderung seiner Strenge, mühen sich einsichtig um eine Abschwächung seines Wütens und richten ihren ungetrübten Blick voraus auf das Ende der Schrecknisse und die Hoffnungen, das es zwangsläufig zeitigen muß." Auch eine flüchtige Betrachtung der Weltszenerie in den letzten Jahren kann nur zu solchen Beobachtungen führen, die für einen Bahá'í-Betrachter besonders bedeutungsschwer sind. Zum einen kann man selbst im Getöse einer im Aufruhr befindlichen Gesellschaft eine unmißverständliche Tendenz in Richtung auf den Geringeren Frieden erkennen. Einen faszinierenden Hinweis liefert das größere Engagement der Vereinten Nationen an überfälligen drängenden Weltproblemen, wobei sie von mächtigen Regierungen unterstützt werden; ein weiterer ergibt sich in allerletzter Zeit aus der Tatsache, daß führende Politiker in dramatischer Weise erkennen, was die enge Verknüpfung aller Nationen auf dem Gebiet des Handels und der Finanzen tatsächlich bedeutet - eine Vorbedingung, die Shoghi Effendi schon lange als einen wesentlichen Aspekt für eine organisch geeinte Welt erkannt hatte. Aber eine für die Bahá'í-Gemeinschaft noch viel bedeutsamere Entwicklung besteht darin, daß eine beachtliche Zahl von Menschen jetzt nach geistiger Wahrheit sucht. Mehrere kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studien sind diesem Phänomen gewidmet. Ideologien, die den größten Teil dieses Jahrhunderts beherrschten, haben sich erschöpft; mit ihrem Schwinden in den letzten Jahren des Jahrhunderts wächst ein Hunger nach Sinn, eine Sehnsucht der Seele. Dieser geistige Hunger ist durch Ruhelosigkeit und durch eine sich steigernde Unzufriedenheit mit dem moralischen Zustand der Gesellschaft gekennzeichnet. Er zeigt sich auch in einem aufbrechenden Fundamentalismus bei verschiedenen religiösen Sekten und einer Vervielfachung von Bewegungen, die sich als Religionen ausgeben oder deren Platz einzunehmen streben. Dies sind Beobachtungen, durch die man die Interaktion zwischen den zwei auf dem Planeten am Werk befindlichen göttlich vorangetriebenen Prozessen klar erkennen kann. Die durch die Vorsehung gebotenen vielfältigen Gelegenheiten, die Botschaft Bahá'u'lláhs suchenden Seelen zu übermitteln, schaffen für den Bahá'í-Lehrer Situationen voller Möglichkeiten. Die Folgerungen für die vor uns liegende Aufgabe sind ungeheuer ermutigend. Unsere Hoffnungen können erfüllt, unsere Ziele erreicht und unsere Möglichkeiten des Fortschritts können verwirklicht werden, wenn wir unsere Bemühungen auf das Hauptziel des Göttlichen Planes in seiner gegenwärtigen Phase richten: einen bedeutenden Fortschritt beim Prozeß des Beitritts in Scharen zu erreichen. Dieser Herausforderung können wir begegnen, indem wir uns geduldig und ausdauernd bemühen. Der Beitritt in Scharen liegt für unsere Gemeinschaft in greifbarer Nähe. Beharrlicher Glaube, Gebet, die Eingebungen der Seele, Göttlicher Beistand - diese gehören als wesentliche Bestandteile zu jeder Bahá'í-Unternehmung. Um den Beitritt in Scharen zu erreichen, sind jedoch eine realistische Vorgehensweise und systematisches Handeln von gleicher Wichtigkeit.
21.April 1998 Ridván-Botschaft 155
Auf diesem Weg gibt es keine Abkürzungen. Systematisches Vorgehen stellt sicher, daß die Handlungslinien folgerichtig sind und auf wohldurchdachten Plänen basieren. Allgemein gesagt, bedeutet es, in allem, was Bahá'í-Dienst anbetrifft, methodisch vorzugehen, ob es sich um das Lehren oder die Administration, um individuelles oder gemeinschaftliches Bemühen handelt. Während individuelle Initiative und Spontaneität ihren Platz haben, legt doch die Notwendigkeit nahe, eine klaren Kopf zu behalten, methodisch, effizient, beständig, ausgewogen und harmonisch zu sein. Systematisierung ist eine notwendige Funktionsweise, die von der Dringlichkeit zum Handeln beseelt ist. Um eine systematische Entwicklung der Gemeinde sicherzustellen, besteht eine der Aufgaben der Bahá'í-Institutionen darin, den Prozeß der Entwicklung von menschlichen Hilfsquellen zu organisieren und aufrecht zu erhalten, durch den Bahá'í - neue und altgediente in gleicher Weise - die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben können, eine ständige Ausbreitung und Festigung der Gemeinde zu unterstützen. Zu diesem Zweck ist die Errichtung von Bahá'í-Instituten entscheidend, da sie Zentren sind, durch die eine große Anzahl von Personen ihre Fähigkeit, den Glauben zu lehren und zu verwalten, erwerben und verbessern können. Allein ihr Bestehen unterstreicht die Wichtigkeit, Wissen über den Glauben zu haben als eine Kraftquelle, um das Leben der Bahá'í-Gemeinde und der sie bildenden Menschen anzuregen. Die vorliegenden Fakten bestätigen, daß der Vier-Jahres-Plan dort funktioniert, wo ein systematisches Vorgehen verstanden und angewandt wird. Die gleichen Fakten zeigen auch, daß die Institutionen des Glauben in ihren vereinten Bemühungen auf nationaler, regionaler und örtlicher Ebene sich eindeutig an diese Bedingungen gehalten haben. Bei den einzelnen jedoch, auf denen der schließliche Erfolg des Planes beruht, ist dieses Verständnis weniger ausgeprägt. Aus diesem Grunde müssen wir unseren Mitgläubigen gegenüber betonen, wie wichtig dieses Erfordernis für ihre persönlichen Bemühungen ist, um Erfolge beim Lehren und bei anderen Unternehmungen zu haben. In dem Maße wie er von nationalen und örtlichen Institutionen in Programme und Projekte umgesetzt wird, gibt der Plan u.a. die Richtung an, bezeichnet Ziele, regt zu Bemühungen an und liefert eine Vielzahl von benötigten Gelegenheiten und Materialien, aus denen die Arbeit der Lehrer und Administratoren Nutzen ziehen kann. Das ist für ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Gemeinde natürlich notwendig, aber es bleibt ohne Folgen, wenn nicht die einzelnen Mitglieder durch eine aktive Beteiligung darauf reagieren. Indem er oder sie so reagiert, muß auch jeder einzelne eine bewußte Entscheidung treffen, was er oder sie im Dienst an dem Plan tun wird und wie, wo und wann dieses Tun erfolgen soll. Diese Entscheidung macht es dem einzelnen möglich, den Fortschritt seines Tuns zu überprüfen und - falls nötig - die zu unternehmenden Schritte teilweise abzuwandeln. Wenn er sich an ein solches Verfahren des systematischen Bemühens gewöhnt, verleiht jeder Bahá'í seinem Leben Bedeutung und Erfüllung. Der einzelne muß nicht nur auf den Aufruf der Institutionen reagieren, er ist darüber hinaus von Bahá'u'lláh Selbst mit der heiligen Pflicht betraut, Seine Sache zu lehren, was von Ihm als "die verdienstvollste aller Taten" bezeichnet wird. Solange es noch Seelen gibt, die der Erleuchtung bedürfen, bleibt diese Pflicht sicherlich die ständige Beschäftigung jedes Gläubigen. Was ihre Erfüllung anbetrifft, so ist jeder einzelne direkt
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Bahá'u'lláh gegenüber verantwortlich. "Laßt ihn nicht", rät Shoghi Effendi dringend, "auf irgendwelche Anweisungen warten oder irgendeine Ermutigung von seiten der gewählten Vertreter seiner Gemeinde erwarten, noch sollte er durch die Hindernisse abgeschreckt werden, die seine Verwandten oder Mitbürger geneigt sein mögen, ihm in den Weg zu legen, noch sollte er den Tadel seiner Kritiker oder Feinde beachten." Die Schriften der Zentralgestalten und unseres Hüters sind überreich an Ratschlägen und Ermahnungen, was die unersetzliche Rolle des einzelnen beim Fortschritt des Glauben betrifft. Es ist daher unvermeidlich, daß wir uns an diesem besonderen Zeitpunkt im Leben der gesamten Menschheit dazu gedrängt fühlen, an jedes einzelne Mitglied unserer Gemeinde zu appellieren und es zu bitten, die dringliche Situation zu bedenken, der wir uns alle als Helfer der Abhá-Schönheit gegenübersehen. Es ist unser Schicksal, liebe Brüder und Schwestern, daß wir bewußt an einem ungeheuren historischen Prozeß beteiligt sind, dergleichen noch nie von irgendeinem Volk erlebt wurde. Als eine Weltgemeinschaft haben wir bisher einen einzigartigen und großartigen Erfolg errungen, indem wir - dank der unschätzbaren Opfer von Leben, Mühen und Wertvollem, die viele Tausende unserer geistigen Vorfahren willig dargebracht haben - das ganze Spektrum der Menschheit repräsentieren. Es gibt keine andere menschliche Vereinigung, die beanspruchen kann, ein System errichtet zu haben, das die Fähigkeit unter Beweis gestellt hat, Gottes Kinder in einer weltumspannenden Ordnung zu vereinen. Diese Leistung verleiht uns nicht nur eine Position unvergleichlicher Stärke, sondern legt uns auch eine unausweichliche Verantwortung auf. Hat nicht daher jeder von uns eine göttliche Verpflichtung wahrzunehmen, eine heilige Pflicht zu erfüllen gegenüber jedem anderen, der sich des Rufes Gottes jüngster Offenbarung noch nicht bewußt ist? Die Zeit bleibt nicht stehen und wartet nicht. In jeder verrinnenden Stunde ereilt eine neue Heimsuchung eine aufgewühlte Menschheit. Wagen wir es da zu zaudern? In nur zwei Jahren geht der Vier-Jahres-Plan zu Ende, nur wenige Monate vor dem Abschluß eines unvergeßlichen Jahrhunderts. Eine zweifache Begegnung mit dem Schicksal steht uns bevor. Indem Er das beispiellose Potential des 20. Jahrhunderts pries, bekräftigte der geliebte Meister, daß es auf ewig Spuren hinterlassen werde. Im Besitz einer solchen Vision müssen sich im Geist eines achtsamen Anhängers der Gesegneten Schönheit zweifellos bange Fragen regen, welche Rolle er oder sie in diesen dahinschwindenden Jahren spielen wird und ob er oder sie am Ende dieser zukunftsträchtigen Zeit unter den dauerhaften Spuren, die der Meister vorhersah, ein Zeichen hinterlassen haben wird. Um einer die Seele befriedigenden Antwort sicher zu sein, ist vor allem eines nötig: handeln, jetzt handeln und beständig handeln. Wir beten innig an der Heiligen Schwelle für uns alle, daß wir in allem was wir tun, um die dringlichen Ziele des Göttlichen Planes in einem so schicksalsträchtigen Augenblick der Menschheitsgeschichte zu erfüllen, göttliche Hilfe und reiche Bestätigung erhalten. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
02. Mai 1998 Zur achten Internationalen Tagung
02. Mai 1998 Zur achten Internationalen Tagung
Das Universale Haus der Gerechtigkeit Ridván 155 - 2. Mai 1998 An die Mitglieder der zur achten Internationalen Tagung versammelten Nationalen Geistigen Räte
Herzlich geliebte Mitarbeiter,
in wenigen Monaten werden 130 Jahre vergangen sein, seit der Verheißene aller Zeiten als ein Gefangener in dieses Land verbannt wurde. Die gegen Ihn aufgebotenen machtvollen Gegner planten dies als letzte Tat, um Seinen göttlichen Auftrag auszulöschen. Sie konnten aber nicht das triumphale Versprechen wahrnehmen, das Ihm göttlich verheißen wurde, als - nach Seinem eigenen Zeugnis - „Banner aus Licht“ Seine Ankunft in Akká begrüßten und „die Stimme des Geistes laut rief und sprach: ‘Bald werden alle, die da auf Erden wohnen, unter diesen Bannern vereint sein’“. Als eine bedeutsame neue Etappe auf dem Wege zur Erfüllung dieser großen Erwartung erweist es sich, daß Sie in genau diesem Land zu diesem feierlichen Anlaß als Vertreter der aufblühenden Gemeinden versammelt sind, die in Seinem Namen in der Welt errichtet werden. Erhobenen Herzens begrüßen wir feierlich, was Sie hier getan haben. Denn durch Ihre Beteiligung an einem Wahlvorgang von einzigartiger Planung haben Sie den Schlußstein dieser weltumspannenden Verwaltungsstruktur gefestigt, für die Ihre Räte die unerläßlichen Säulen bilden; und Sie haben durch Klarheit, Beweiskraft und Disziplin bei ihrer Beratung Perspektiven für die Fortschritte eröffnet, die in kurzer Zeit erreicht werden müssen. Aber noch mehr hat uns beeindruckt, daß Ihr Verhalten ein Maß an Liebe und Einheit widerspiegelt, das bei einer so vielfältigen Versammlung von Menschen, wie Sie sie darstellen, wirklich selten ist. Wir sind unendlich ermutigt durch diese Anzeichen einer schnell zunehmenden Reife bei den Mitgliedern von Institutionen, die zu gegebener Zeit bei der Leitung der Geschicke von Nationen eine führende Rollen spielen müssen. Wenn man alles bedenkt, was in diesen ereignisreichen Tagen geschehen ist – kann man diese Erfahrung nicht als die entscheidende Stunde für den Vier-Jahres-Plan ansehen, als den Wendepunkt, an dem man anfangen muß, das volle Ausmaß seiner Ziele und Möglichkeiten zu erfassen? Wenn nicht jetzt, auf welche andere Gelegenheit sollen wir noch warten? Ganz sicher sind die Freunde zu Hause, die sich schon sehnsüchtig auf Ihre Rückkehr freuen, begierig, ihre rückhaltlose Unterstützung den kühnen Maßnahmen zu leihen, die Sie jetzt in Angriff werden nehmen wollen. Jetzt ist die Zeit, da Sie Ihren gottgegebenen Pflichten noch hartnäckiger und wirkungsvoller werden nachgehen wollen, denn man erkennt in Ihnen Anzeichen für eine neue Zuversicht, eine verstärkte Energie, einen Geist voll erneuter Hingabe. Dies alles wird Ihre Fähigkeit steigern, die Freunde um sich zu scharen, um zu lehren und ihre anderen wichtigen Verantwortungen in einer nie gekannten Weise zu übernehmen. Möge die Einheit, welche die Tagung durchdrungen hat, ihren Einfluß ausüben auf alle Nationalen Räte – die Generäle der Armee des Lichts. Möge diese Einheit mit einer Macht der Liebe von ihnen ausstrahlen, die ihre nationalen Einrichtungen, die örtlichen
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Institutionen und die in ihren nationalen Zuständigkeitsbereichen wohnenden einzelnen umfängt und anspornt und die auch die Ratschläge und Bemühungen der Kontinentalen Berater und ihrer Hilfsämter einschließt. So möge in jedem Land sichtbar werden, daß – im Gegensatz zu der streitsüchtigen Einstellung der Welt – die Einheit der Bahá’í- Gemeinde eine äußere Widerspiegelung jener inneren Wirklichkeit ist, die diese göttlich verordnete Institution beseelt. Sie hat den Auftrag, die Angelegenheiten der Gemeinde zu leiten und zu koordinieren. Geliebte Freunde, Sie genießen zu dieser Zeit das beneidenswerte Vorrecht, einen Beitrag zu der systematischen Mobilisierung zu leisten, welche die menschlichen Hilfskräfte erwecken kann. Die wiederum sind in der Lage, die Aufnahme einer immer weiter anschwellende Schar neuer Mitglieder unter das Banner des Größten Namens zu bewirken. Der Plan ist aufgestellt, der Pfad ist vorgezeichnet. Also voran, mit Zuversicht, mit Nachdruck und Eile! Das Universale Haus der Gerechtigkeit
03. Juni 1998 Zur Nationalen Lehrkonferenz
E-Mail des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, 3. Juni 1998 Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat Ihre eMail- Nachricht vom 9. April 1998, in der Sie über die erfolgreiche Nationale Lehrkonferenz in Langenhain berichtet haben, mit herzlichem Dank erhalten. Es war erfreut über die große Vielfalt des dargebotenen Programms und die Einbeziehung der Künste, um Herz und Geist der Anwesenden zu begeistern. Mit besonderem Interesse wurde zur Kenntnis genommen, daß die durch die Zusammenkunft gewonnenen Erkenntnisse und Begeisterung sofort in Form von Lehrprojekten in die Tat umgesetzt wurden. Seien Sie der Gebete des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Heiligen Schreinen für alle bei der Konferenz anwesenden Freunde versichert, daß die Urewige Schönheit Ihre Bestätigungen für deren ergebene Bemühungen zur Förderung der wesentlichen Belange der Sache Gottes ausgießen möge. Sekretariatsabteilung
08. Juni 1998 Hinscheiden von Peter Vuyiya
E-Mail des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, 8. Juni 1998 (Wir sind) tief betrübt (über das) Hinscheiden (von) Peter Vuyiya, (einem) edlen, geistig motivierten, ergebenen Diener Bahá’u’lláhs. Seine jahrzehntelangen treuen Dienste, (die)
15. Oktober 1998 Kinder bestätigen ihren Glauben
aufeinanderfolgend (die) Mitgliedschaft (im) Nationalen Geistigen Rat (von) Kenia, (dem Kontinentalen) Berateramt (von) Afrika und (dem) Internationalen Lehrzentrum (im) Heiligen Land einschließen, legen beredtes Zeugnis ab (von der) hervorragenden Qualität, welche (die) hochgeschätzten Bemühungen dieses ausgezeichneten Förderers (des) Glaubens (der) Gesegneten Schönheit kennzeichnete. (Wir) beten (an den) Heiligen Schreinen (für den) Fortschritt seiner strahlenden Seele (im) Abhá- Königreich. (Wir) bitten dringend alle nationalen Gemeinden Afrikas, ihm (zu) Ehren Gedenkveranstaltungen abzuhalten. (Der) Nationale Geistige Rat (von) Uganda (wird) aufgerufen, im Haus der Andacht (eine) Gedenkandacht abzuhalten. Möge (die) afrikanische Bahá’í-Jugend (dem) Beispiel seines selbstlosen Dienstes (an der) geliebten Sache nacheifern. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
15. Oktober 1998 Kinder bestätigen ihren Glauben
Zusammenstellung aus Schreiben des Universalen Hauses der Gerechtigkeit Von der Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen Rat von Kanada - 15. Oktober 1998 In Bezug auf Ihre E-Mail vom 22. September 1998 an das Universale Haus der Gerechtigkeit wurden wir gebeten zu bestätigen, dass Ihre Auffassung korrekt ist: Die Verfahrensweise, dass Kinder im Alter von 15 Jahren ihren Glauben zu bestätigen haben, wurde nicht geändert. Die beigefügten Auszüge aus einem Brief, geschrieben im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, mögen Ihnen zusätzlich helfen, dem betreffenden Geistigen Rat dieses Verfahren zu erläutern.
Auszüge aus einem Schreiben über Kinder, die ihren Glauben bestätigen
In Antwortbriefen auf Fragen zur Registrierung von Kindern und Jugendlichen hat das Universale Haus der Gerechtigkeit vermeiden wollen, weltweit verbindliche Regelungen vorzuschreiben. Es stellt jedoch den Nationalen Geistigen Räten die folgende Zusammenfassung von bereits gegebenen Richtlinien und Erläuterungen als Beratungshilfe zur Verfügung. Es ist zu betonen, dass keine starren Vorschriften aufgestellt werden sollen und dass Verfahrensfragen auf keinen Fall das geistige Wesen des Glaubens, das eine höchst persönliche Verbindung zwischen der Seele und ihrem Schöpfer darstellt, überschatten dürfen.
Bahá’í-Kinder
Bahá’í-Kinder erben nicht wie in manchen anderen Religionen automatisch den Glauben ihrer Eltern. Die Eltern sind jedoch für die Erziehung und das geistige Wohl ihrer Kinder verantwortlich, und die Geistigen Räte haben die Aufgabe, den Eltern,
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
wenn nötig, beim Erfüllen dieser Verpflichtung zu helfen, so dass die Kinder im Lichte der Offenbarung Bahá’u’lláhs erzogen werden und von frühester Kindheit an lernen, Gott und Seine Manifestationen zu lieben und ein dem Gesetz Gottes entsprechendes Leben zu führen. Deshalb kann man die Kinder von Bahá’í-Gläubigen selbstverständlich als Bahá’í betrachten, es sei denn es gibt einen Grund, das Gegenteil anzunehmen. Es ist ein Irrtum zu glauben, Bahá’í-Kinder befänden sich in einer Art geistigen Vakuums bis sie 15 Jahre alt werden, das heisst bis zu jenem Zeitpunkt, zu dem sie Bahá’í „werden” können. Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte kann man Folgendes feststellen:
• Die Kinder eines Bahá’í-Ehepaares werden von Anbeginn ihres Lebens als Bahá’í betrachtet und ihre Geburt sollte vom Geistigen Rat registriert werden. • Bekommt ein Ehepaar, von dem nur ein Partner Bahá’í ist, ein Kind, sollte dessen Geburt ebenfalls registriert werden, außer der Nicht-Bahá’í-Elternteil widerspricht. • Ein Geistiger Rat kann die Glaubenserklärung eines Kindes, dessen Eltern nicht Bahá’í sind, annehmen und es unter der Voraussetzung als Bahá’í-Kind registrieren, dass die Eltern ihr Einverständnis geben. • In Fällen von Kindern, deren Eltern Bahá’í werden, hängt viel vom Alter und der Reaktion der betreffenden Kinder ab. Sie werden viel Liebe und Verständnis brauchen, und jeder Fall muss für sich beurteilt werden. Dies gilt natürlich in weit höherem Maße, wenn nur ein Elternteil den Glauben angenommen hat. In diesem Fall spielt das Verhalten des anderen Elternteils eine wichtige Rolle. Das Ziel der Bahá’í sollte sein, die Einheit der Familie zu fördern. Es kommt vor allem darauf an, den Kindern, ob als Bahá’í registriert oder nicht, das Gefühl zu geben, dass sie in Bahá’í-Kinderklassen und bei sonstigen Gemeindetreffen willkommen sind.
Es liegt im Ermessen des Geistigen Rates, Bahá’í-Kinder um die Übernahme von Aufgaben zu bitten, die sie im Dienste des Glaubens ausführen können, wie z.B. die Mitarbeit in geeigneten Ausschüssen.
Bahá’í-Jugend
Fünfzehn Jahre ist das Alter, in dem ein Kind geistige Reife erlangt, und deshalb übernimmt ein Bahá’í-Kind in diesem Alter von 15 Jahren die Verantwortung, Gesetzen wie Fasten und Beten zu gehorchen und durch eigenen Willen seinen Glauben an Bahá’u’lláh zu bestätigen. Zum jetzigen Zeitpunkt zieht das Universale Haus der Gerechtigkeit es vor, jedem Nationalen Geistigen Rat die Entscheidung zu überlassen, nach welchem Verfahren die Einstellung von Bahá’í-Kindern, die 15 Jahre alt werden, zu ermitteln ist; dabei muss klar sein, dass ein Bahá’í-Kind in diesem Alter nicht Bahá’í wird, sondern selbständig seinen Glauben bestätigt. Ein Geistiger Rat schickt z.B. jedem Bahá’í-Kind in seiner Gemeinde zu seinem 15. Geburtstag einen sehr freundlichen Brief (natürlich nur, wenn er keine be-
15. Oktober 1998 Kinder bestätigen ihren Glauben
gründeten Zweifel am Bahá’í-Sein des betreffenden Kindes hat), in dem er die Bedeutung des Reifealters erläutert und die guten Wünsche des Rates für seine künftigen Dienste an der Sache zum Ausdruck bringt. Darauf müssen nicht alle Kinder antworten, aber jedes Kind bekommt die Gelegenheit, seinen Standpunkt darzulegen, wenn es will. Ein Nationaler Geistiger Rat muss bei jedem Verfahren, dem er zustimmt, mit Weisheit einen Mittelweg verfolgen, der einerseits am Glauben eines Kindes, das als ergebener Bahá’í erzogen wurde, keinerlei Zweifel zeigt, andererseits aber nicht den Eindruck erweckt, dass ein Kind gegen seinen Willen zur Mitgliedschaft in der Bahá’í- Gemeinde genötigt wird. Wenn der Rat feststellt, dass ein Jugendlicher tatsächlich nicht mit dem Glauben einverstanden ist, obwohl er in einer Bahá‘í-Familie aufgewachsen ist, sollte er ihn nicht als Bahá‘í-Jugendlichen registrieren. Weil solch ein Jugendlicher nun das Reifealter erlangt hat und für sein Handeln selbst verantwortlich ist, muss für ihn das gleiche gelten wie für jeden Nicht- Bahá‘í-Jugendlichen, der in engem Kontakt zur Bahá‘í- Gemeinde steht. Man sollte liebevoll und freundschaftlich mit ihm umgehen. Es kann vorkommen, dass ein Bahá‘í-Kind, wenn es 15 Jahre alt wird, selbst noch keine feste Meinung hat. Das ist gut möglich, wenn ein Elternteil nicht Bahá‘í ist oder die Eltern erst kurz vorher den Glauben angenommen haben. In einem solchen Fall sollte der Rat nicht automatisch davon ausgehen, dass es kein Bahá‘í ist. Wenn der Jugendliche an den Festen teilnehmen möchte und damit einverstanden ist, dass er wie zuvor als Kind weiterhin als Bahá‘í betrachtet wird, sollte ihm dies gestattet sein; aber während sein Verständnis für den Glauben vertieft wird, sollten seine Eltern und der Rat ihm klar machen, dass er in eigener Verantwortung bald Stellung beziehen sollte. Glaubenserklärungen von Nicht-Bahá‘í-Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren, deren Eltern nicht Bahá‘í sind, können ohne die Zustimmung der Eltern angenommen werden, wenn dies nicht gegen das bürgerliche Recht verstößt. Die große Bedeutung der Achtung vor den Eltern darf jedoch nicht übergangen werden, und solchen Jugendlichen sollte empfohlen werden, die Wünsche ihrer Eltern zu beachten, soweit das Ausmaß ihres Einsatzes für den Glauben berührt ist, und sogar eine zeitlang völlig inaktiv zu sein, falls die Eltern starken Widerstand leisten.
Administrative Reife
In der Satzung eines Nationalen Geistigen Rates steht, dass ein Bahá‘í, wenn er das Alter von 21 Jahren erreicht hat, wahlberechtigt und in Ämter wählbar ist. Früher und selbst jetzt noch haben einige Nationale Geistige Räte von den Bahá‘í-Jugendlichen verlangt, ihr Wahlrecht von sich aus ausdrücklich anzufordern, sobald sie 21 Jahre alt werden. Das Haus der Gerechtigkeit möchte hierzu keine allgemeine Regel aufstellen, nachdem dies unter gewissen Umständen zum Schutz des Glaubens erforderlich sein kann. Es rät jedoch davon ab, dass Nationale Räte solche Anforderungen stellen, es sei denn, sie halten sie für unbedingt notwendig.
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Botschaften und Briefe des Jahres 1999
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
13. Januar 1999 Richtlinien zur Inneneinrichtung des Hauses der Andacht
Im Zuge der Renovierung des Hauses der Andacht hatte sich der Nationale Geistige Rat an das Universale Haus der Gerechtigkeit gewandt mit der Bitte um Führung bezüglich der Inneneinrichtung des europäischen Mashriqu’l-Adhkár. Unter anderem wurde angefragt, ob es möglich wäre, den Standort der Leser bzw. Sänger hinter die Sitzreihen zu verlegen. Nachstehend ist die Weisung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 13. Januar 1999 abgedruckt.
An den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í von Deutschland Liebe Bahá’í-Freunde!
Ihr E-Mail vom 17. November 1998 an die Forschungsabteilung wurde von dort an das Universale Haus der Gerechtigkeit weitergeleitet, da in Ihren Fragen Teile enthalten waren, die nicht aus den existierenden autoritativen Schriften beantwortet werden konnten. Das Haus der Gerechtigkeit hat uns nun angewiesen, Ihnen folgende Antwort zu übermitteln. Bezüglich der Sitzreihen und der Stellung der Leser zu ihnen ist das Universale Haus der Gerechtigkeit, nachdem es die verschiedenen Mitteilungen des geliebten Hüters zu diesem Thema studiert hat, der Ansicht, daß die Sitze im Tempel in Langenhain auf die Qiblih ausgerichtet sein sollten, während der Leser dort stehen sollte, wo er oder sie von allen am besten gesehen und gehört werden kann. Es befürwortet den Vorschlag nicht, daß die Leser hinter den Sitzreihen stehen. Die Position der oder des Sängers ist eine Angelegenheit, die von Ihrem Rat entschieden werden kann. Es sollte kein festes architektonisches Merkmal geben, das den Standort der Leser oder Sänger kennzeichnet. Ein bewegliches Lesepult kann verwendet werden. In Bezug auf Schmuck im Auditorium des Mashriqu’l- Adhkár ergibt sich aus den Briefen des Hüters eindeutig, daß Portraits oder Statuen völlig ausgeschlossen sind. Das Haus der Gerechtigkeit möchte keine weitergehenden Regelungen in Bezug auf die Verwendung von Blumen treffen, vorausgesetzt daß diese der Schlichtheit, Würde und Schönheit des Tempels entspricht. Obgleich in den Heiligen Schriften nichts über die Verwendung von Kerzen im Mashriqu’l-Adhkár gefunden wurde, hat das Haus der Gerechtigkeit entschieden, dass es zur jetzigen Zeit nicht weise wäre, Kerzen im Europäischen Bahá’í-Haus der Andacht zu verwenden. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Für die Sekretariatsabteilung
21. April 1999 Ridván - Botschaft 156
21. April 1999 Ridván - Botschaft 156
An die Bahá’í der Welt Innig geliebte Freunde,
Während wir betrachten, was in dem Jahr erreicht wurde, das dem schicksalsschweren, letzten Zeitraum der Erfüllung des Vierjahresplanes vorausgeht, glühen unsere Herzen vor Hoffnung. Seit dem schwungvollen Jahresbeginn mit der Achten Internationalen Bahá’í- Tagung hat die Bahá’í-Welt das Tempo ihrer Aktivitäten beschleunigt und aufrechterhalten, das deutlich den Prozeß des Beitritts in Scharen gefördert hat. Unsere Gemeinde ist beträchtlich gewachsen, ihre menschlichen Hilfsquellen wurden gestärkt. Von Expansionsprojekten bis zu Festigungsbemühungen, von sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung bis zur Öffentlichkeitsarbeit und den Außenbeziehungen, von Diensten der Jugend bis zu Ausdrucksformen in den Künsten, vom Weltzentrum des Glaubens bis zu abgelegenen Dörfern und Städten – von welchem Blickwinkel aus man die Gemeinde auch betrachtet – es wurden Fortschritte gemacht. Die Aussichten für den Plan spornen an. Der Impuls, der von der Internationalen Tagung ausging, durchzog auch die unmittelbar folgende Konferenz des Berateramts, gab den unermüdlichen Teilnehmern weiteren Auftrieb und beflügelte die im Mai abgehaltenen Nationaltagungen, inklusive der in Sabah, Sarawak und der Slowakei, die auf ihrer ersten Tagung ihre Nationalen Geistigen Räte bildeten. Dieselbe Energie erfüllte das Internationale Lehrzentrum, das in der kurzen Zeit seiner sechsten Amtsperiode, die mit dem Jahrestag der Erklärung des Báb begann, eine bemerkenswerte Kraft gezeigt hat. Auf die Vervollkommnung und Festigung ihrer Organisation konzentriert, haben die Mitglieder des Lehrzentrums auf ihre üblichen Reisen während dieses ersten Jahres verzichtet; nach dieser Phase ist jedoch zu erwarten, daß sie ihre Besuche in den verschiedenen Teilen der Welt wieder aufnehmen, um ihren belebenden Einfluß auf die erfolgreiche Beendigung des Vierjahresplanes zu verstärken. Zusätzlich zu jenen Ereignissen im Heiligen Land schreiten die Bauprojekte auf dem Berg Karmel, die von den Delegierten auf der Internationalen Tagung mit solch freudigem Erstaunen betrachtet wurden, weiter voran bis zu ihrer planmäßigen Vollendung zum Ende des Jahrhunderts. Mit dem Beginn aller übrigen Baumaßnahmen seit letztem Ridván hat das Arbeitstempo einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Zentrum für das Studium der Schriften und die Erweiterung des Archivgebäudes werden in den nächsten Wochen bezugsfertig sein; die Außenfassade des Internationalen Lehrzentrums ist mit Marmor verkleidet und die abschließenden Innenarbeiten schreiten auf allen Ebenen voran. Das Absenken der Hatzionut Avenue zur Einpassung der Brücke, die jetzt die Terrassen des Schreins des Báb zu beiden Seiten der Straße miteinander verbindet, wurde fertiggestellt und der normale Stadtverkehr wieder aufgenommen. Die sich entfaltende Pracht der Terrassen hat derartige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden, daß die neunzehnte Terrasse auf dem Gipfel des Berges bereits täglich für Besucher geöffnet wurde und begeisterte Reaktionen einer dankbaren Bevölkerung hervorgerufen hat. Als Teil einer Kampagne mit dem Ziel, internationale Aufmerksamkeit auf die Stadt zu zie-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
hen, hat die Stadtverwaltung von Haifa eine bebilderte Broschüre des Schreins des Báb und der Terrassen herausgebracht, die neben Hebräisch in fünf weiteren Sprachen erhältlich ist. Wir fühlen uns veranlaßt, noch zwei weitere Entwicklungen im Weltzentrum zu erwähnen, die ganz anderer Art sind: Erstens, die Entscheidung, die Anzahl der Pilger für jede Gruppe von 100 auf 150 zu erhöhen; diese wird in Kraft treten, wenn die derzeitige Renovierung des neu erworbenen Gebäudes, das sich gegenüber dem Weg zur Ruhestätte des Größten Heiligen Blattes befindet, vollendet ist und dort ein Pilgerraum sowie andere Einrichtungen zum Abhalten eines erweiterten Pilger- Programms zur Verfügung stehen. Zweitens ist der bedeutende Fortschritt zu nennen, der - trotz der unvermeidlichen Langsamkeit des Prozesses - in dem Vorhaben gemacht wird, Texte der Schriften Bahá’u’lláhs zu übersetzen, mit der Absicht, einen neuen englischen Band Seiner Werke herauszugeben. Es werden Anstrengungen unternommen, vollständige Versionen solch bedeutender Tablets wie der Súriy-i-Mulúk und der Súriyi-Haykal, sowie die vollständigen Texte von Tablets an einzelne Könige und Herrscher bereitzustellen. Auch die Súriy-i-Ra’ís, das Lawh-i-Ra’ís und das Lawh-i-Fu’ád sollen darin enthalten sein. Die Sache Bahá’u’lláhs schreitet unablässig voran, gestärkt durch die zunehmende Anwendung eines systematischen Ansatzes zur Entfaltung und Nutzung menschlicher Hilfsquellen. Die weitere Einrichtung von nationalen und regionalen Bahá‘í-Instituten, jetzt 344 an der Zahl, hat diese Entwicklung vorangetrieben, mit dem Ergebnis, daß - abgesehen von Nordamerika und Iran, wo zahlreiche Kurse gegeben wurden - etwa 70.000 Personen bereits zumindest einen Institutskurs abgeschlossen haben. All dies trägt zu einer wachsenden Zahl von gefestigten, aktiven Anhängern der Sache bei. Das unermeßliche Potential dieses Fortschritts wird durch Berichte wie dem aus dem Chad illustriert, wo in einem mit einem Institut ausgestatteten Gebiet mehr als 1000 Menschen durch die individuellen Bemühungen der Institutsteilnehmer den Glauben annahmen. Das Verständnis für die Notwendigkeit der systematischen Entwicklung menschlicher Hilfsquellen etabliert sich überall. Zeitgleich mit der erwiesenen Wirksamkeit der Institute ent stehen, pragmatisch begründet, Regionale Bahá’í-Räte in ausgewählten Ländern, in denen die Umstände die Einrichtung dieser Institutionen notwendig und realisierbar gemacht haben. Wo es enge Interaktionen zwischen einem Regionalen Rat und einem Institut gibt, ist die Bühne frei für eine stimulierende Verknüpfung der Prozesse, welche effektive Ausbreitung und Festigung in einer Region bewirken, und für ein praktisches Anpassen der Institutsausbildung an die Entwicklungsbedürfnisse der örtlichen Gemeinden. Außerdem lassen die Richtlinien, über die das Kontinentale Berateramt und die Regionalen Räte direkten Zugang zueinander haben, eine weitere institutionelle Beziehung aufkommen, die unter Einbeziehung der Verbindung der Regionalen Räte mit den Nationalen und örtlichen Geistigen Räten zu einer dynamischen Integration der Funktionen auf regionaler Ebene führt. Die sich ständig ausweitende soziale und wirtschaftliche Entwicklungsarbeit profitiert ebenfalls von der Arbeit solcher Bahá’í-Institute, die Themen wie Alphabetisierung, grundlegende Gesundheitsfürsorge und Förderung von Frauen Aufmerksamkeit schen-
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ken. Die mehr in die Breite gehenden Bemühungen des Büros für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung, einen weltweiten Prozeß des Lernens und Erfahrens über relevante Bahá’í-Prinzipien voranzutreiben, werden sowohl durch die Arbeit solcher Institute, als auch durch das Entstehen von Bahá’í-inspirierten Organisationen, die über den ganzen Planeten verstreut sind, verstärkt. Sicherlich wird damit die institutionelle Fähigkeit, solche Entwicklungsprogramme durchzuführen, an Stärke gewinnen. Dies tritt in Projekten zutage, die von Bahá’í-Institutionen getragen oder von einzelnen durch die Inspiration des Glaubens initiiert wurden. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das Unity College, das erste und seit Ende 1998 das einzige private College des Landes, das von einer Familie in Äthiopien gegründet wurde und dessen Studentenzahl während des letzten Jahres auf über 5.000 anstieg. Ein weiteres Beispiel, viel kleiner aber nichtsdestotrotz bedeutend, ist die Initiative einer Familie in Buffalo, New York; in ihrem Haus helfen sie Dutzenden Kindern und Jugendlichen aus der Innenstadt dabei, durch die geistigen und ethischen Bahá’í-Lehren Verhaltensweisen zu entwickeln, die sie befähigen werden, auf Armut und Rassismus gewachsene selbstzerstörerische Einstellungen zu überwinden. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen wurden die nachdrücklichsten Aktionen von zwei tragischen Ereignissen im Iran ausgelöst. Die plötzliche Hinrichtung von Rúhu’lláh Rawhání in Mashhad Ende Juli, die erste offizielle Aktion solcher Art seit sechs Jahren, war ein Schock, der einen weltweiten und unvorhergesehenen Schrei der Empörung seitens Regierungen und Organisationen der Vereinten Nationen hervorrief. Ende September lancierte der Iranische Geheimdienst einen geplanten Angriff auf die Bahá’í-Hochschule, in dessen Verlauf 36 Mitglieder des Lehrkörpers inhaftiert und mehr als 500 Häuser im ganzen Land geplündert wurden. Letzterer Vorfall rief eine weltweite, immer noch andauernde Protestkampagne hervor, an der akademische Institutionen und Einrichtungen, Lehrer und Studentengruppen teilgenommen haben und an der die Presse ein spezielles Interesse zeigte, was sich im Erscheinen bedeutender Artikel in Le Monde, The New York Times und anderen großen Zeitungen niederschlug. Die erfolgreiche Verabschiedung einer weiteren Resolution zum Iran durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen im letzten Dezember, in der die Bahá’í besonders erwähnt werden, war sicherlich beeinflußt von diesen zwei auffallenden Beispielen einer unvermindert fortdauernden religiösen Verfolgung. So intensiv die Anforderungen an die Freunde in allen Teilen der Welt auch waren, unsere bedrängten Mitgläubigen zu verteidigen, wurde zugleich doch viel Aufmerksamkeit einem breiten Spektrum von anderen Öffentlichkeitsaktivitäten gewidmet. Die viermonatige Reise eines Entsandten des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Herrn Giovanni Ballerio, zu den Pazifischen Inseln, wo er mit 22 Staatsoberhäuptern, 5 Regierungsoberhäuptern und über 40 hochrangigen Beamten zusammentraf, die Bemühungen einer Anzahl Nationaler Geistiger Räte, sich auf die Aufforderung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen hin für die Menschenrechtserziehung einzusetzen, die Teilnahme von Repräsentanten der dazu eingeladenen Bahá’í-Gemeinde Südafrikas an der Arbeit der südafrikanischen Wahrheitskommission, in der sie ihre unerschrockene Unterstützung der Einheit der Rassen während der Jahre der Apartheid darstellen konnten, der kürzliche Erfolg der Gemeinden in Australien, Brasilien, Finnland
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
und Portugal im Einholen der Erlaubnis von Erziehungsbehörden, Kurse über den Bahá’í- Glauben in die Lehrpläne von Grund- und Realschulen zu integrieren, - diese, und nicht zuletzt die Projekte, die eine Bekanntmachung in allen Mediensparten bewirkten, sind Beispiele für die breit angesetzten Unternehmungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Außenbeziehungen, welche die Energien der Gemeinden gebunden haben. Eine begleitende Flut an Aktivitäten berücksichtigte den Einsatz der Künste; darunter stellten die musikalischen und anderen künstlerischen Präsentationen während der Feierlichkeiten in Paris zum hundertjährigen Bestehen des Glaubens in Europa ein herausragendes Ereignis dar. Der Voices-of-Bahá-Chor, mit 68 Mitgliedern aus Europa, Nordund Südamerika, begeisterte das Publikum in acht europäischen Städten und machte den Glauben vielen bekannt. „Light and Fire”, der vollendete Teil einer Oper mit Ballett, geschrieben von dem Bahá’í-Komponisten Lasse Thoresen aus Norwegen, wurde auf einem weithin angesehenen Musik-Festival in Polen, bekannt als Warschauer Herbst, das von der Königin von Schweden eröffnet wurde, im letzten September erfolgreich aufgeführt. Das Werk basiert auf dem heroischen Verhalten der Märtyrer im Iran in jüngster Zeit und brachte somit das Publikum mit dem Glauben in Berührung. Bezeichnend für Europas offensichtliche Führerschaft bei solcherart Bestrebungen war auch das österreichische Kammermusik- Festival, auf dem das Österreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Künste - die höchste Auszeichnung dieser Art in Österreich - an Herrn Bijan Khadem-Missagh, einen Bahá’í-Violinisten und Dirigenten, durch den Bundespräsidenten der Republik Österreich verliehen wurde. In einem Programmpunkt desselben Festivals wurden Auszüge aus den Bahá’í-Schriften und anderen Heiligen Schriften rezitiert. Es muß aber auch ein Wort der Anerkennung ausgesprochen werden für die herausragende Rolle, die von der Jugend auf der ganzen Welt bei der Einbeziehung der Künste in die Lehrarbeit gespielt wird. Insbesondere die Auftritte ihrer Tanzgruppen haben sich einen Namen innerhalb wie außerhalb der Bahá’í-Gemeinde erworben. Deshalb betreten wir diese Ridván-Zeit als eine Gemeinde in einem dynamischen Stadium der Transformation, die sich einer Geschlossenheit der Vision und Aktivität erfreut, die in Einklang mit dem Ziel der Förderung des Prozesses zum Beitritt in Scharen steht. Und wir beginnen das letzte Jahr des Planes mit einem Schub an administrativer Stärke, denn drei europäische Länder – Lettland, Litauen und Mazedonien1 – halten ihre ersten Nationaltagungen zur Bildung von Nationalen Geistigen Räten ab und erhöhen somit die Anzahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 1822 . Aber nach diesem festlichen Moment bricht eine zeitliche Abfolge von Erwartungen an, an deren erster Stelle zunächst der Abschluß des Vierjahresplanes zu Ridván 2000 steht. Dem folgt mit dem Tag des Bundes in jenem Jahr der Beginn einer neuen Amtsperiode für das Kontinentale Berateramt, deren Mitglieder bald danach zu einer Konferenz ins Weltzentrum gerufen werden, auf der – neben anderen Themen – die Grundzüge des nächsten weltweiten Verbreitungs- und Festigungsplanes erörtert werden. Die Konferenz der Berater wird den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen dauerhaften Amtssitz kennzeichnen, ein Anlaß, zu dem die Hilfsamtsmitglieder auf der ganzen Welt eingeladen werden, sich den Beratern im Heiligen Land anzuschließen. Die Projekte am Berg Karmel werden bis dahin abgeschlossen sein und die Vorbereitungen zu den Einweihungsfeiern, geplant für
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den 22. und 23. Mai 2001, zu denen eine Anzahl von Vertretern aus jeder nationalen Bahá’í-Gemeinde eingeladen werden, sind dann schon weit fortgeschritten. Einzelheiten zu diesen Ereignissen werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben. Diese Vorausschau auf gewichtige Ereignisse führt über die Zeitenteilung zwischen dem - gemäß der allgemeinen Zeitrechnung - 20. Jahrhundert und dem neuen Jahrtausend hinweg. Es ist eine Vorausschau, die den Kontrast zwischen der zuversichtlichen Vision, die eine erleuchtete Gemeinde zu konstruktiven Vorhaben beflügelt, und den verwirrten Ängsten unterstreicht, die Millionen über Millionen ergriffen haben, die sich des Tages, an dem sie leben, nicht bewußt sind. Echter Führung beraubt, verweilen sie in den Schrecken des Jahrhunderts, in Verzweiflung darüber, was diese für die Zukunft bedeuten könnten, kaum wahrnehmend, daß eben dieses Jahrhundert ein Licht enthält, das auf zukünftige Jahrhunderte scheinen wird. Schlecht ausgerüstet für das Verständnis der sozialen Umwälzung, die den gesamten Planeten erfaßt hat, hören sie auf die Experten des Irrtums und sinken immer tiefer in einen Sumpf der Hoffnungslosigkeit. Beunruhigt von den Voraussagen des Untergangs, kämpfen sie mit den Phantomen falsch genährter Vorstellungen. In Unkenntnis der verwandelnden Vision, die der Herr des Zeitalters gewährt hat, stolpern sie vorwärts, blind gegenüber der Einzigartigkeit des neuen Tages Gottes. Die beklagenswerten Verhältnisse, die solch ein Herzens- und Geisteszustand nach sich zieht, müssen uns zwangsläufig zum Handeln bewegen, zu unablässigem Handeln, um die Absicht eines Planes zu erfüllen, dessen Hauptziel es ist, die Prozesse zu beschleunigen, die es einer wachsenden Zahl der Weltbevölkerung ermöglichen, das Ziel ihrer Suche zu finden und ein Leben in Einheit, Frieden und Wohlergehen zu führen. Liebe Freunde, die Tage vergehen so schnell wie das Aufblitzen eines Sterns. Setzen Sie jetzt Ihr Zeichen, an diesem kritischen Wendepunkt einer Zeit, dergleichen niemals wiederkehren wird. Setzen Sie dieses Zeichen mit Taten, die Ihnen himmlische Segensgaben bringen werden – sichern Sie sich und der ganzen Menschheit eine Zukunft, die über jegliche irdische Vorstellung hinausreicht. Das Universale Haus der Gerechtigkeit ______________________________ 1 Mit Schreiben vom 15. April 1999 teilte das Universale Haus der Gerechtigkeit seine Entscheidung mit, aufgrund der derzeitigen Bedingungen in Mazedonien die Bildung des Nationalen Geistigen Rates von Mazedonien zu verschieben. 2 Ohne den Nationalen Geistigen Rat von Mazedonien 181
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
25. Mai 1999 Bedürfnisse des Internationalen Bahá’í-Fonds
Bahá’í-Weltzentrum – Sekretariatsabteilung An ausgewählte Nationale Geistige Räte
Liebe Bahá’í-Freunde, wir fügen die Kopie eines Briefes bei, der jetzt im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an alle Nationalen Geistigen Räte gesandt wird und sie über die Bedürfnisse des Internationalen Bahá’í-Fonds unterrichtet. Es ist die zuversichtliche Erwartung des Hauses der Gerechtigkeit, daß die Freunde in allen Teilen der Welt positiv darauf antworten werden und daß der Fortschritt in Richtung auf das Ziel universeller Beteiligung am Spenden für die Fonds des Glaubens weitergehen wird. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat uns gebeten Sie darüber zu informieren, daß Ihre Bahá’í-Gemeinden in seinen Augen eine besondere Rolle spielen, die darüber hinausgeht, daß die Menge der Gläubigen sich in breitem Umfang an der Unterstützung des Fonds beteiligt. Ein nennenswerter Teil der Mitglieder des Glaubens in ihrem Gebiet verfügt über Mittel, welche die der lieben Freunde in anderen Teilen der Welt, die unter Verhältnissen materieller Entbehrungen zu kämpfen haben, bei weitem übertreffen. Ohne Druck oder Bitten ausgesetzt zu sein, sollte ihnen geholfen werden, den Grad ihrer Verantwortung zu erkennen, in beträchtlichem Umfang mit ihren Spenden den internationalen Bedarf des Glaubens zu decken. Zu dieser Zeit, da die Beanspruchung des Bahá’í-Fonds auf allen Ebenen seiner Tätigkeit die verfügbaren Beträge bei weitem übersteigt, ist ein gutes Urteilsvermögen bei der Zuteilung der finanziellen Mittel des Glaubens besonders gefragt. Zwei Extreme müssen vermieden werden: erstens dort, wo die Aufmerksamkeit gänzlich auf den internationalen Bedarf gerichtet ist und die Entwicklung an der Heimatfront gelähmt wird. Das andere Extrem entsteht, wenn örtlichen und nationalen Bedürfnissen, wie dem Ankauf teurer Bahá‘í-Zentren, eine übermäßige Priorität eingeräumt und internationale Verantwortung außer acht gelassen wird. Durch Ihre weise Führung der Bahá‘í-Gemeinde und durch die fortwährende Entwicklung eines Weltbewußtseins in den Gläubigen kann das rechte Gleichgewicht gefunden und aufrecht erhalten werden. Es ist sicherlich für jeden Beobachter von Weltereignissen offensichtlich, daß menschliche Angelegenheiten zur Zeit unbeständig und Gegenstand plötzlicher, unvorhersehbarer Veränderungen sind. Die Freunde haben die Möglichkeit sicherzustellen, daß ihre Mittel zum dauerhaften Besten des Glaubens eingesetzt werden, durch ihre aufopferungsvollen und großzügigen Anstrengungen bei der Unterstützung seiner globalen Aktivitäten zu dieser Zeit, da ihre finanziellen Umstände so günstig sind. Die demütigen Gebete des Hauses der Gerechtigkeit werden in ihrem Namen an der Heiligen Schwelle dargebracht. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Für die Sekretariatsabteilung
25. Mai 1999 Informationen über die internationalen Fond
25. Mai 1999 Informationen über die internationalen Fond
Bahá’í-Weltzentrum Sekretariatsabteilung An alle Nationalen Geistigen Räte
Liebe Bahá’í-Freunde, während der Vierjahresplan rasch seinem Abschluß entgegengeht, hat das Universale Haus der Gerechtigkeit beschlossen, daß es erforderlich ist, Ihnen Informationen über die internationalen Fonds des Glaubens zu übermitteln. Wir wurden beauftragt, folgendes mitzuteilen. Als ein Ergebnis der aufopferungsvollen Spenden von Gläubigen überall her über ein Jahrzehnt hinweg bewegt sich das gewaltige Bauprojekt auf dem Berg Karmel mit beispielloser Geschwindigkeit auf seinen Abschluß zu. Das Haus der Gerechtigkeit ist davon überzeugt, daß Bahá’í auf der ganzen Welt weiterhin den in seinem Brief vom 20. Juni 1995 an Sie zum Ausdruck gebrachten Bedarf an Spenden von 10 Millionen Dollar jährlich bis zum Ende des Jahrhunderts dekken werden. Eine neue Herausforderung ist als Ergebnis des Fortschritts des Glaubens sowohl am Weltzentrum als auch auf dem gesamten Planeten zum Vorschein gekommen. Es wird offensichtlich, daß die Höhe der Aufwendungen, die dem Internationalen Bahá’í-Fonds abverlangt werden, aufgrund einer Kombination nachfolgender Faktoren steil ansteigt. Die Gebäude und Terrassen auf dem Berg Karmel müssen auf einem Niveau erhalten werden, das ihrem Charakter und der Würde des Glaubens entspricht. Auch müssen Maßnahmen ergriffen werden, um in angemessener Weise mit der zu erwartenden stark ansteigenden Zahl von Menschen umzugehen, die die Terrassen besuchen werden, und den Schutz vor Schäden zu gewährleisten. Das Entstehen des administrativen Weltzentrums in all seinem Glanz auf dem Berg Gottes zieht zunehmende Aufmerksamkeit auf den Glauben und schafft so neue Möglichkeiten zur Ausweitung des Einflusses der Sache. Die Errungenschaften derjenigen, die den Vierjahresplan in allen Teilen des Planeten energisch und hingebungsvoll durchführen und dabei neue Institutionen des Glaubens errichten und seine menschlichen Hilfsquellen ausweiten, haben das Tempo der administrativen Aktivitäten am Weltzentrum erhöht und erfordern die Zuteilung weiterer Mittel um sicherzustellen, daß die Arbeit effizient und schnell ausgeführt wird. Die Notwendigkeit, in den Regionen Haifa und ´Akká zur Sicherung der ruhigen Umgebung der Heiligen Stätten Gelände zu erwerben, auf die in einem früheren Brief Bezug genommen wurde, bleibt dringlich, da sich der Prozeß der städtischen Entwicklung in diesen Gebieten beschleunigt. Das Haus der Gerechtigkeit lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit der verstärkten Unterstützung der Bahá’í- Fonds auf internationaler Ebene, in der festen Überzeugung, daß der beeindruckende Nachweis an aufopferungsvollen Anstrengungen seitens der Gläubigen durch ihre Antwort auf die hier beschriebene Situation aufrechterhalten wird. Die Aufstellung von Budgets auf nationaler und örtlicher Ebene sollte im Lichte dieser Voraussetzungen durchgeführt werden. Vor allem sollte es keine Unterbrechung Ihrer anhaltenden Bemühungen geben, den Freunden Ihres Gebiets dabei zu hel-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
fen, ein tieferes Verständnis für die geistige Verpflichtung des Spendens für die Bahá’í- Fonds zu erwerben, die für alle, ungeachtet ihrer finanziellen Verhältnisse, bindend ist. Besonders diejenigen Gläubigen, die mit materiellen Mitteln gesegnet wurden, die die wesentlichen Lebensbedürfnisse übersteigen, sollten tief über die Verantwortung nachdenken, die zu dieser Zeit, da die Erfordernisse der Sache so dringlich sind, auf ihnen liegt. Die Gebete des Universalen Hauses der Gerechtigkeit für die Bestätigung ihrer Bemühungen, den Fortschritt des Glaubens zu unterstützen, werden an den Heiligen Schreinen dargebracht. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Für die Sekretariatsabteilung
24. August 1999 Erdbeben in der Türkei
E-Mail des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 24. August 1999 An alle Nationalen Geistigen Räte
Liebe Bahá’í-Freunde, die historische Verbindung der Sache Bahá’u’lláhs mit der Türkei als einem Land, das den Herzen der Bahá’í heilig ist, macht aus dem vom jüngsten Erdbeben verursachten Unglück ein Ereignis unaussprechlichen Kummers für die Bahá’í- Welt. Während wir darüber erleichtert sind, daß gemäß den erhaltenen Berichten das Leben unserer Glaubensgenossen verschont blieb, trauern wir mit all jenen, die sowohl durch den Tod Tausender ihrer Mitbürger als auch durch die ausgedehnten Zerstörungen von Eigentum unendliche Verluste erlitten haben. Zusätzlich zu unseren inbrünstigen Gebeten an den Heiligen Schreinen für die Hinterbliebenen und Bekümmerten haben wir veranlaßt, daß eine Spende für Hilfsmaßnahmen getätigt wird. Außerdem wurde der Vertreter der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen gebeten, im Namen unserer Weltgemeinde dem Präsidenten der Türkei seine herzliche Anteilnahme zu übermitteln. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
16. September 1999 Eröffnung der Terrassen auf dem Berg Karmel
Wir freuen uns, untenstehend die deutsche Übersetzung der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 16. September 1999 zur geplanten offiziellen Eröffnung der Terrassen auf dem Berg Karmel bekanntzugeben. 19 Freunde aus Deutschland werden die unbeschreibliche Ehre haben, unsere nationale Bahá’í-Gemeinde bei diesem historischen Ereignis zu repräsentieren. Der Nationale Geistige Rat hat ein Verfahren
16. September 1999 Eröffnung der Terrassen auf dem Berg Karmel
bestimmt, durch das diese 19 Freunde ausgewählt werden. Es beruht zunächst auf Vorschlägen und einer abschließenden geheimen Wahl, wobei das Berateramt, das Hilfsamt und der Nationale Geistige Rat in das Verfahren einbezogen sind. Mitglieder dieser Institutionen selbst stehen nicht zur Auswahl, da sie bereits zu anderen Gelegenheiten die Ehre hatten bzw. haben werden, an Feierlichkeiten am Weltzentrum teilzunehmen. Hierdurch sollen auf eine möglichst gerechte Weise die Vertreter der deutschen Bahá’í-Gemeinde bestimmt werden. Sobald die Auswahl getroffen ist, wird die Gemeinde darüber informiert. Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland
Bahá’í-Weltzentrum / Sekretariatsabteilung / 16. September 1999 An alle Nationalen Geistigen Räte
Offizielle Eröffnung der Terrassen auf dem Berg Karmel
Liebe Bahá’í-Freunde, es ist vorgesehen, die letzten Arbeiten an den laufenden Bauprojekten auf dem Berg Karmel im Dezember 2000 abzuschliessen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat daher beschlossen, mit den Vorbereitungen für die offizielle Eröffnung der Terrassen des Schreines des Báb für die Öffentlichkeit fortzufahren. Die im Mai 2001 stattfindenden Feierlichkeiten werden die Vollendung aller dieser Projekte kennzeichnen. Wir wurden gebeten, die folgenden Informationen und Bitten für Ihre Überlegungen und Maßnahmen zu übermitteln.
Veranstaltungsprogramm
Die Veranstaltungen vom 21. bis 25. Mai 2001 werden Folgendes umfassen:
21.Mai: Besuch des Heiligsten Schreines in Bahjí. 22.Mai: Morgens: Eine vorbereitende Konferenz. Bei Einbruch der Dunkelheit: Eine öffentliche Feier, deren zwei Hauptpunkte die Erleuchtung der Terrassen und ein Musikkonzert sein werden. 23.Mai: Ein Andachtsprogramm am Morgen, hauptsächlich für Bahá’í – gefolgt von einem Aufstieg über die Terrassen, einer Umschreitung des Heiligen Schreines und einem Besuch von Gebäuden am Bogen. Mit Ausnahme des Andachtsprogramms werden diese Aktivitäten an den folgenden zwei Tagen, dem 24. und 25. Mai: fortgesetzt, so dass ausreichend Zeit für die Teilnahme aller Besucher vorhanden sein wird.
Teilnahme
Da es bei den Veranstaltungen am Bahá’í-Weltzentrum nicht möglich sein wird, so viele Freunde unterzubringen, wie eventuell teilnehmen möchten, hat das Haus der Gerechtigkeit beschlossen, die Teilnahme der Gläubigen auf der Grundlage von Kontingen-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
ten zu bewilligen: 19 aus dem Zuständigkeitsbereich eines jeden Nationalen Geistigen Rates und 9 aus allen anderen Gebieten, die vom Haus der Gerechtigkeit noch festgelegt werden. Jeder Nationale Geistige Rat wird gebeten, Folgendes zu tun:
• Wählen Sie auf einer gerechten Grundlage 19 Teilnehmer Teilnehmer aus, wobei Sie die allgemeine Erwartung des Hauses der Gerechtigkeit berücksichtigen sollten, dass eine möglichst große Zahl von ethnischen Gruppen und Volksstämmen vertreten ist. Bitte beachten Sie, dass es wichtig ist, eine Anzahl von Jugendlichen einzubeziehen. • Senden Sie die Namen der Ausgewählten bis zum 31. Mai 2000 an das Weltzentrum.
Die Freunde sollten einplanen, bis zu sechs Nächte im Bereich von Haifa/Akká zu verbringen, nicht vor dem 20. Mai anzukommen und vor Sonnenuntergang des siebten Tages, dem 26. Mai, abzureisen. Sie können aber vor oder nach ihrem Aufenthalt im Gebiet von Haifa/Akká andere Teile Israels für einen zusätzlichen Zeitraum von 10 Tagen besuchen. Weitere Einzelheiten, einschließlich Informationen über Hotels und andere Unterkünfte sowie Reiseinformationen, werden Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt zugesandt. Die Freunde sollten den Erhalt dieser Informationen abwarten, bevor sie ihre Reisepläne machen. Ihre rechtzeitige Beachtung dieser Angelegenheit würden wir sehr begrüßen. Mit herzlichen Bahá’í-Grüßen Für die Sekretariatsabteilung
05. Oktober 1999 Märtyrertod eines Bahá’í in Tadschikistan
Pionier wurde Opfer fanatischen Überfalls Vom Universalen Haus der Gerechtigkeit erhielt der Nationale Geistige Rat untenstehende Nachricht über den kürzlichen Märtyrertod eines Bahá’í-Pioniers in Tadschikistan. Den Kindern und Enkeln von Herrn Abdullah Mogharrabi, die zum Teil auch unserer deutschen Gemeinde angehören, gilt unser aller Mitgefühl. Mag das standhafte Beispiel dieses lieben und geschätzten Bahá’í- Freundes alle Bahá’í in ihrem Dienst für Bahá’u’lláh beflügeln. Auf Wunsch des Weltzentrums wird diese bestürzende Nachricht vorerst nicht an die Presse oder Medien weitergeleitet.
05. Oktober 1999 Märtyrertod eines Bahá’í in Tadschikistan
Bahá’í-Weltzentrum - E-Mail vom 5. Oktober 1999 an alle Nationalen Geistigen Räte.
Liebe Bahá’í-Freunde,
das Universale Haus der Gerechtigkeit hat uns gebeten, Ihnen den Märtyrertod von Herrn Abdullah Mogharrabi bekanntzugeben, einem standhaften und ergebenen Pionier des Glaubens in Tadschikistan, der durch einen Mordanschlag ums Leben kam. Nachdem er den größten Teil seines Lebens in der Wiege des Glaubens verbracht hatte, wo er in vielfältiger Funktion auf den Gebieten des Lehrens und der Administration tätig war, verließ er auf Anraten der Institutionen Iran, da sein Leben in Gefahr war, und ließ sich anderswo nieder. Er wohnte einige Jahre in Großbritannien in der Nähe seiner Tochter, bevor er nach Tadschikistan pionierte, wo er seit Bildung des Nationalen Geistigen Rates 1994 eine kraftvolle Stütze für diese Bahá’í-Gemeinde war. Mit Ausnahme eines Jahres war er die ganze Zeit seines Aufenthaltes in Tadschikistan Sekretär dieser Institution. Die Weise, wie er getötet wurde, lässt keinen Zweifel daran, dass der Überfall von Fanatikern dieses Landes ausgeführt wurde. Es ist bemerkenswert, dass 1993 eine iranische Zeitung seinen Namen in herabsetzender Weise erwähnte und ihn anti-islamischer Aktivitäten beschuldigte, mit denen er die Muslime in Tadschikistan täuschen wolle. Er wurde am Freitagabend, 24. September 1999, ermordet. Die Bahá’í-Freunde, die an den Untersuchungen der Behörden über seinen Tod beteiligt waren, berichteten, dass Herrn Mogharrabis Hände auf seinem Rücken zusammengebunden waren, er war geknebelt worden und man hatte ihn gezwungen, sich mit dem Gesicht nach unten hinzulegen; sein Körper wies Spuren von Folter auf. Ihm war in den Rücken geschossen worden, die Kugel hatte sein Herz durchbohrt. Sein Zimmer war unberührt geblieben und das Geld, das er in verschiedenen Währungen besaß, war nicht gestohlen worden. Die Haustür war offen geblieben, was die Aufmerksamkeit von Nachbarn schon wenige Stunden später auf sich zog. Sein Opfer wird gewiss neue Bestätigungen auf die Bemühungen der Bahá’í-Gemeinde in Tadschikistan und der Nachbarländer anziehen. Trotz seines fortgeschrittenen Alters von 88 Jahren leistete er den Menschen und der Bahá’í-Gemeinde jenes Landes unermüdliche Dienste und war damit für uns alle ein wahres Beispiel für Ergebenheit im Glauben. Vor einiger Zeit hatte er in einem seiner Briefe an das Weltzentrum seinem Wunsch Ausdruck verliehen, mit seinem letzten Atemzug ein Märtyrer des Glaubens zu werden. Herrn Mogharrabis glanzvolles Leben erinnert uns alle an die Aussagen der Gesegneten Schönheit in den Verborgenen Worten:
O Sohn des Menschen! Denke nach und überlege wohl: Willst du in deinem Bette sterben oder als Märtyrer dein Blut im Staube auf Meinem Pfad vergießen, als Künder Meines Befehls und als Offenbarung Meines Lichtes im erhabensten Paradiese? Entscheide dich richtig, o Diener!
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Das Haus der Gerechtigkeit betet für den Fortschritt seiner Seele und spricht den Mitgliedern seiner Familie sein liebevolles Mitgefühl aus. Es wird auch für die Gläubigen in Tadschikistan beten, einem Land, in dem Herrn Mogharrabi die Krone des Märtyrertums gewährt wurde. Mit liebevollen Bahá’í-Grüssen Sekretariatsabteilung
26. November 1999 Fortschritte des Göttlichen Planes
Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, 26. November 1999 Innig geliebte Freunde,
an diesem besonderen Tag, da unsere Herzen und Gedanken auf das unsterbliche Beispiel gerichtet sind, das durch das Leben des Mittelpunktes des Bundes gesetzt wurde, halten wir inne; mit Gefühlen tiefer Dankbarkeit bemerken wir die gegenwärtigen Fortschritte des Göttlichen Planes, den Er entwarf, und werfen einen Blick auf die Zukunft jenseits der Vier-Jahres-Etappe, die sich nun rasch dem Ende zuneigt. Die Errungenschaften dieser Zeitspanne sind in der Tat ermutigend. Ein beeindruckendes Netz an Bahá’í-Instituten wurde weltweit errichtet, in einem Ausmaß, das wir uns zu Beginn des Planes nur vage vorstellen konnten. Diese sich entfaltenden Studienzentren haben bedeutsame Schritte bei der Entwicklung formaler Programme und der Errichtung wirkungsvoller Systeme zum Abhalten von Kursen gemacht. Berichte zeigen, dass die Zahl der Gläubigen, die direkt von Institutskursen profitiert haben, auf beinahe 100.000 angestiegen ist. Ohne Frage hat sich die Fähigkeit der weltweiten Gemeinde, ihre menschlichen Hilfsquellen zu entwickeln, deutlich gesteigert. Die Auswirkungen dieses systematischen Vorgehens zur Entwicklung menschlicher Hilfsquellen machen sich im Leben aller drei Hauptakteure des Planes bemerkbar: des einzelnen Gläubigen, der Institutionen und der örtlichen Gemeinden. Es hat einen Aufschwung bei den Lehraktivitäten gegeben, die auf Initiative des Einzelnen unternommen wurden. Geistige Räte, Regionale Bahá’í-Räte und Ausschüsse haben an Fähigkeit gewonnen, den Gläubigen in ihren persönlichen und ihren gemeinsamen Bemühungen Führung zu geben. Und das Gemeindeleben ist aufgeblüht, sobald neue Denk- und Verhaltensweisen aufkamen - sogar in Orten, die lange Zeit schlummerten. Wenn wir die Bahá’í-Welt überblicken, erkennen wir eine beträchtlich gestärkte Gemeinde, innerlich gesund und merklich gefestigt. Beachtlich sind ihre Leistungen, die Öffentlichkeit, Regierungen sowie gesellschaftliche Organisationen zu erreichen und das Vertrauen dieser Kreise zu gewinnen. Einrichtungen, die sich auf auswärtige Angelegenheiten spezialisierten und einer wohldurchdachten Strategie gefolgt sind, haben national und international den Rahmen des Einflusses des Glaubens erweitert. Projekte der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung, die den geistigen und materiellen Auftrieb ganzer Gemeinschaften anstreben, durchdringen die Gesellschaft an der Basis.
26. November 1999 Fortschritte des Göttlichen Planes
Die beiden Etappen in der Entfaltung des Göttlichen Planes, die unmittelbar vor uns liegen, werden ein Jahr und fünf Jahre dauern. Zu Ridván 2000 wird die Bahá’í-Welt aufgefordert werden, sich auf die erste dieser zwei Etappen zu begeben: ein Unterfangen von zwölf Monaten, das darauf abzielt, die Kräfte, Fähigkeiten und Einsichten zu konzentrieren, die sich jetzt so deutlich abgezeichnet haben. Der Fünf-Jahres-Plan, der darauf folgt, wird eine Reihe von weltweiten Unternehmungen einleiten, die die Bahá’í–Gemeinde durch die letzten zwanzig Jahre des ersten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters führen werden. Diese globalen Pläne werden sich weiterhin darauf konzentrieren, den Prozess des Beitritts in Scharen voranzutreiben und ihn systematisch zu beschleunigen. Während dieser einjährigen Anstrengung ist es notwendig, dass nationale und regionale Institute überall die Programme und Systeme, die sie jetzt entwickelt haben, zur vollen Anwendung bringen. Nationale Gemeinden sollten den Fünf-Jahres- Plan im Vertrauen darauf beginnen, dass der Erwerb von Wissen, Qualitäten und praktischen Fähigkeiten des Dienstes seitens einer großen Zahl von Gläubigen mit Hilfe aufeinander aufbauender Kursfolgen ungehindert fortgesetzt wird. Große Aufmerksamkeit muss auch der weiteren Systematisierung der Lehranstrengungen zukommen, ob sie von Einzelnen unternommen oder von Institutionen geleitet werden. In diesem Zusammenhang hat das Internationale Lehrzentrum bestimmte Muster der systematischen Verbreitung und Festigung für relativ kleine geographische Regionen benannt, die aus einer überschaubaren Zahl von Ortschaften bestehen. Durch die Zusammenarbeit von Beratern und Nationalen Geistigen Räten werden jetzt auf jedem Kontinent mehrere Programme für Regionales Wachstum erstellt. Im Zwölf-Monats-Plan wird man sie sorgfältig überwachen und ihre Methoden verfeinern, so dass dieser Ansatz in die folgenden Pläne integriert werden kann. Strategien, die den Prozess des Beitritts in Scharen vorantreiben sollen, dürfen Kinder und Junioren nicht übersehen, wenn die in einer Generation gewonnenen Siege nicht im Laufe der Zeit verloren gehen sollen. Es ist daher unabdingbar, dass zum jetzigen Zeitpunkt im Systematisierungsprozess der Lehrarbeit klare Schritte unternommen werden, damit die Vision der Gemeinde auch ihre jüngeren Mitglieder umfasst. Die Erziehung der Kinder, eine Verpflichtung sowohl der Eltern als auch der Institutionen, erfordert besonderen Nachdruck, damit sie gänzlich in den Prozess der Gemeindeentwicklung eingegliedert wird. Diese Arbeit sollte in den nächsten zwölf Monaten deutlich intensiviert und in den folgenden Jahren noch weiter fortgesetzt werden. Dass die Programme der meisten Institute in der Welt auch die Ausbildung von Kinderklassenlehrern vorsehen, stellt ein Element der Stärke dar. Geistige Räte und Hilfsamtsmitglieder werden diese neu ausgebildeten menschlichen Potentiale mobilisieren müssen, damit sie den geistigen Bedürfnissen und Anforderungen der Kinder und Junioren gerecht werden. Der Zeitraum des Zwölf-Monats-Plans wird mit dem zu Ende gehenden 20. Jahrhundert durch umfassende Aktivitäten in der gesamten Gesellschaft gekennzeichnet sein. Führende Denker zeigen bereits ein lebhaftes Interesse am Schicksal der kommenden Generation, und wir hoffen, dass die Glut und Ernsthaftigkeit der Bahá’í–Gemeinde – sowohl bei ihren internen Aktivitäten als auch in ihrem Austausch mit der Gesellschaft - ein Gefühl der Zuversicht und des Vertrauens in die Zukunft der Menschheit vermitteln wer-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
den. Wir werden inbrünstig in den Heiligen Schreinen beten, dass Bahá’u’lláh Ihre Anstrengungen segnen möge, den Vier-Jahres- Plan zu einem großartigen Abschluss zu bringen. gez. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
28. Dezember 1999 Bahá’í-Gesetze in Kraft gesetzt
Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, 28. Dezember 1999 An die Bahá’í der Welt Geliebte Freunde,
Im Verlauf des Vier-Jahres-Planes haben wir jene Gesetze des Kitáb-i-Aqdas durchgesehen, die noch nicht weltweit angewendet werden, um zu entscheiden, für welche es an der Zeit wäre, sie jetzt in Kraft zu setzen. In jedem Land nehmen wir die zunehmende Sehnsucht nach geistigem Leben und einer klaren ethischen Linie wahr. Es wird erkannt, dass Pläne und Programme zur Besserung des menschlichen Daseins wirkungslos sind, wenn sie nicht auf einem Leben geistigen Bewusstseins und ethischer Werte gründen. Wer sollte besser gerüstet sein, diese Sehnsucht zu stillen, als jene, die bereits von den Lehren Bahá’u’lláhs beseelt und durch Seine Macht unterstützt werden? Wir haben daher entschieden, dass es für alle Gläubigen unerlässlich ist, ihr Bewusstsein der Segnungen zu vertiefen, die durch jene Gesetze vermittelt werden, welche unmittelbar das geistige Leben des Einzelnen und damit das der Gemeinde fördern. Diese Gesetze sind in ihren Grundzügen allen Bahá’í bekannt; aber das Erlangen tieferer Einsicht in ihre Bedeutung bedingt, dass alle göttlich offenbarten Aspekte, die zu ihrer Beachtung gehören, eingehalten werden. Dies betrifft die Gesetze zum Pflichtgebet, zum Fasten und zum Sprechen des Größten Namens fünfundneunzig Mal am Tage. Bahá’u’lláh versichert: „Wer weder gute Werke vollbringt noch seine Andachten verrichtet, der gleicht einem Baum, der keine Früchte trägt, und einem Tun, das keine Spuren hinterlässt. Wer die heilige Verzückung des Gebets kennt, wird nicht bereit sein, Andacht und Gotteslob für alle Schätze der Welt einzutauschen. Fasten und Pflichtgebete sind wie zwei Flügel für des Menschen Leben. Selig, wer sich mit ihrer Hilfe emporschwingt in den Himmel der Liebe Gottes, des Herren aller Welten.” Die Freunde sind schon lange mit der großen Bedeutung vertraut, die Bahá’u’lláh dem täglichen Pflichtgebet und der Beachtung des Fastens beimisst. Aber eine Anzahl von Aspekten des Gesetzes, wie etwa jene, die Waschungen, das Reisen oder den Ersatz für versäumte Gebete betreffen, mussten noch für weltweit anwendbar erklärt werden. Dieser Schritt wurde jetzt getan. Damit sind alle Teile der Gesetze betreffend die Pflichtgebete und das Fasten ohne jede Ausnahme jetzt anzuwenden. Wir haben zudem beschlossen, dass die Zeit gekommen ist, da die Bahá’í in jedem Lande sich die Worte aus
28. Dezember 1999 Anwendung der Gesetze und Verordnungen des Kitáb-i-Aqdas
dem Kitábi- Aqdas zu Herzen nehmen sollen: „Jedem, der an Gott, den Herrn des Gerichts, glaubt, ist geboten, sich täglich, nachdem er die Hände und dann das Gesicht gewaschen hat, niederzusetzen, sich Gott zuzuwenden und fünfundneunzig Mal ›Alláh-u- Abhá‹ zu sprechen. Also befahl der Schöpfer der Himmel, als Er sich voll Macht und Majestät auf dem Thron Seiner Namen niederließ.” Mögen alle die geistige Bereicherung erfahren, die ihren Seelen durch diesen einfachen Akt der andächtigen Meditation geschenkt wird. Das durch individuelle Andacht erzeugte geistige Wachstum wird verstärkt durch das liebevolle Zusammensein der Freunde an jedem Ort, durch Andacht in der Gemeinde und durch Dienst am Glauben und für unsere Mitmenschen. Diese gemeinschaftlichen Aspekte des gottgefälligen Lebens beziehen sich auf das Gesetz des Mashriqu’l-Adhkár, das sich im Kitáb-i-Aqdas findet. Obgleich die Zeit für den Bau von örtlichen Mashriqu’l- Adhkár noch nicht gekommen ist, sind das Abhalten von regelmäßigen, allen offen stehenden Andachtsversammlungen und die Beteiligung der Bahá’í-Gemeinden an Projekten humanitären Dienstes Ausdruck für diesen Teil des Bahá’í-Lebens und ein weiterer Schritt in der Erfüllung des Gesetzes Gottes. Bahá’u’lláh schreibt: „Zum Zeichen Unserer Gnade schmückten Wir den Himmel der Rede mit Sternen göttlicher Weisheit und mit heiligen Geboten. Wahrlich, Wir sind der Immervergebende, der Großmütigste. O Freunde Gottes in allen Landen! Erkennt den Wert dieser Tage und haltet euch an alles, was von Gott, dem Größten, dem Erhabensten, herabgesandt ward. Er wahrlich gedenkt euer in Seinem Größten Gefängnis und lehrt euch, was euch einer Stufe nahen läßt, welche die Augen derer erfreut, die reinen Herzens sind. Ruhm sei euch und allen, die zum Springquell des Lebens kamen, der sich aus Meiner wundersamen Feder ergießt.” Unser Gebet an der Heiligen Schwelle erfleht, dass die größere Beachtung des in diesen Gesetzen zum Ausdruck kommenden geistigen Kerns der Lehren die Hingabe der Freunde an die Quelle aller Gnadengaben stärken werde und die empfänglichen Seelen unter Seinen geistig ausgehungerten Kindern zur Sache Gottes anziehen möge. gez. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
28. Dezember 1999 Anwendung der Gesetze und Verordnungen des Kitáb-i-Aqdas
An alle Nationalen Geistigen Räte Liebe Bahá’í-Freunde,
am 9. Mai 1993 wurde allen Nationalen Geistigen Räten die Kopie eines Schreibens vom 9. Juni 1974 gesandt, das an den Nationalen Geistigen Rat von Island gerichtet war und in dem jene Gesetze aufgeführt waren, die zu jener Zeit für die Freunde im Westen noch nicht bindend waren. Der Begleitbrief wies darauf hin, dass das Gesetz der Huqúqu‘lláh zu Ridván 1992 universelle Gültigkeit erhalten hat. Am 28. Dezember 1999 richtete sich das Universale Haus der Gerechtigkeit an die Bahá‘í der Welt und informierte sie, dass
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
jetzt auch die verbliebenen Aspekte der Gesetze zu Gebet und Fasten universelle Anwendung finden. Um die Information auf den neuesten Stand zu bringen, wurden wir daher gebeten, Ihnen die beigefügte Liste der Gesetze zuzusenden, die noch keine universelle Gültigkeit erlangt haben und welche die Liste, die im Mai 1993 gesandt wurde, ersetzt. Mit herzlichen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Bestimmungen des Kitáb-i-Aqdas, die noch nicht weltweit in Kraft gesetzt wurden, 28. Dezember 1999
Nachdem die Bestimmungen zu den Pflichtgebeten, über das Fasten und das Sprechen des Größten Namens allgemein in Kraft gesetzt wurden, stellte das Universale Haus der Gerechtigkeit folgende Liste mit Bestimmungen der „Inhaltsübersicht und systematischen Darstellung der Gesetze und Gebote des Kitáb-i-Aqdas” zur Verfügung, die für die Freunde noch nicht allgemein verbindlich sind. Zur Erleichterung werden die Nummern der jeweiligen Abschnitte angegeben.
IV.C.1.i Die Bestimmungen zum Verlöbnis. IV.C.1.j Die Bestimmung über die Zahlung der Morgengabe durch den Bräutigam an die Braut. IV.C.1.l & m Die Bestimmungen über Reisen eines Mannes ohne Begleitung seiner Ehefrau. IV.C.1.n & o Die Bestimmungen zur Jungfräulichkeit der Ehefrau. IV.C.2.b Der Teil des Scheidungsrechts, der die Zahlung von Geldstrafen an das Universale Haus der Gerechtigkeit vorsieht. IV.C.3 Das Erbrecht. Die Erbfolge im Intestatsfall wird derzeit zumeist vom jeweiligen bürgerlichen Recht geregelt. IV.D.1.a Die Bestimmungen über die Pilgerfahrt. IV.D.1.d Die Bestimmungen über den Mashriqu’l-Adhkár werden schrittweise in Kraft gesetzt. IV.D.1.f Die Bahá’í-Feiertage werden von den Gläubigen im Westen so lange entsprechend dem Gregorianischen Kalender gefeiert, bis das Universale Haus der Gerechtigkeit es für geboten hält, den Badí‘-Kalender im Wege der Gesetzgebung allgemein einzuführen. IV.D.1.j Gegenwärtig bezieht sich das „Reifealter” lediglich auf die religiösen Pflichten des Bahá’í. In allen anderen Fragen bestimmt sich seine Volljährigkeit nach dem staatlichen Recht. Die administrative Volljährigkeit wurde vorläufig auf 21 Jahre festgesetzt. IV.D.1.k Von den Bestimmungen für die Bestattung der Toten gelten im Westen bislang lediglich die Pflicht zur Erdbestattung (keine Feuerbestattung); das Verbot, den Leichnammehr als eine Stunde vom Sterbeort zu transportieren; die Pflicht, das Totengebet zu sprechen, sofern der verstorbene Bahá’í das 15. Lebensjahr vollendet hat-
28. Dezember 1999 Anwendung der Gesetze und Verordnungen des Kitáb-i-Aqdas
te. IV.D.1.p Die Bestimmungen über den Zehnten (Zakát). IV.D.1.r Die Bestimmungen über die Jagd. IV.D.1.t,u,v & w Die Bestimmungen betreffend Fundsachen, Verfügungen über gefundene Schätze oder treuhänderisch verwaltete Gegenstände, sowie Schadenersatz bei fahrlässiger Tötung sind für eine künftige Gesellschaft vorgesehen. Diese Rechtsfolgen werden zumeist vom staatlichen Recht geregelt. IV.D.1.y, XIV,XV,XVI & XVII Brandstiftung, unehelicher Beischlaf, Tötung mit Vorsatz und Diebstahl sind dem Bahá’í verboten. Die dafür im Kitábi- Aqdas festgesetzten Strafen sind jedoch für eine künftige Gesellschaft vorgesehen. Insoweit gilt bis dahin das staatliche Recht. IV.D.1.y, XXV, XXX, XXXI & XXXII Das Verbot der Benutzung öffentlicher Becken, wie sie früher in persischen Bädern zu finden waren, das Verbot, die Finger ins Essen zu tauchen, das Verbot der Rasur des Hauptes und der Haartracht des Mannes bis über das Ohrläppchen.
Alle Weisungen und Ermahnungen, die unter IV.D.3 aufgeführt sind, können generell von den Freunden befolgt werden, sofern dies möglich ist. So kann etwa der Auftrag, seine Kinder zu lehren, die heiligen Verse im Mashriqu’l-Adhkár zu singen, derzeit nur in geringem Umfang buchstäblich erfüllt werden; jedoch sollten die Freunde ihre Kinder in den heiligen Schriften unterweisen, so weit sie dazu imstande sind.
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Botschaften und Briefe des Jahres 2000
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
19. Januar 2000 ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum ins Abha-Königreich abberufen
E-Mail-Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit An die Bahá’í der Welt
In den frühen Stunden des heutigen Morgens wurde die Seele von Amatu’l-Bahá Rúhíyyih-Khánum – Shoghi Effendi’s geliebte Gefährtin und das letzte Bindeglied der Bahá’í-Welt mit der Familie ‘Abdu’l- Bahás – von den Begrenzungen dieses irdischen Daseins befreit. Inmitten unserer Trauer hält uns die Gewissheit aufrecht, dass sie nun zur Herrlichkeit der Himmlischen Heerscharen in die Gegenwart der Abhá-Schönheit gerufen wurde. Für all jene, deren Herzen sie so tief berührte, wird der Schmerz, den dieser unersetzliche Verlust zufügt, zu Gottes gegebener Zeit gelindert, wenn sie sich der Freude bewusst werden, die ihr gebührt durch die Wiedervereinigung mit dem Hüter und dem Meister; Dieser selbst hatte im Heiligsten Schrein dafür gebetet, dass ihre Eltern mit einem Kind gesegnet würden. Im Laufe der kommenden Jahrhunderte werden die Anhänger Bahá’u’lláhs mit Staunen und Dankbarkeit über die hohe Qualität ihrer Dienste nachsinnen, die sie – innbrünstig, unbezwingbar und einfallsreich – für den Schutz und die Förderung der Sache erbrachte. Bereits in ihrer Jugend hatte sich Amatu’l-Bahá durch ihre Aktivitäten in Nord-Amerika ausgezeichnet; sowohl mit ihrer lieben Mutter als auch alleine erwies sie später dem Glauben in Europa wertvolle Dienste. Zwanzig Jahre innigster Verbindung mit Shoghi Effendi ließen seine Feder solche Ehrungen be- zeugen wie „meine Hilfe und Gefährtin“, „mein Schutzschild“, „meine unermüdliche Mitarbeiterin bei den großen Aufgaben, die auf mir lasten“. Diesen Tributen fügte er 1952, nach dem Tod ihres herausragenden Vaters, seine Entscheidung hinzu, sie zum Rang einer Hand der Sache Gottes zu erheben. Der niederschmetternde Schock des Hinscheidens des geliebten Hüters stählte ihre Ent-schlossenheit, gemeinsam mit den anderen Händen der Sache Gottes ihren Anteil zum Triumph des Zehnjahres- Kreuzzuges beizutragen und anschließend, mit der ihr eigenen Beherztheit, ihre historischen weltweiten Reisen zu unternehmen. Ein Leben, das seiner Herkunft nach so edel, für die Bewahrung der Unversehrtheit des Glaubens so entscheidend, und in seinem ergebenen, ununterbrochenen und selbstlosen Dienst so reich war, bewegt uns zu würdigen Gedenkveranstaltungen der Bahá’í- Gemeinden auf nationaler wie örtlicher Ebene aufzurufen, als auch zu besonderen Zusammenkünften in ihrem Gedenken in allen Häusern der Andacht. Mit sehnsuchtsvollen Herzen erflehen wir an der Heiligen Schwelle, dass unendliche himmlische Gnadengaben ihre Seele umgeben mögen, während sie die ihr gebührende und wohlverdiente Stellung unter den erhabenen Gefährten des Königreichs Abhá einnimmt.
27. Januar 2000 Hinscheiden von Adib Taherzadeh
27. Januar 2000 Hinscheiden von Adib Taherzadeh
An die Bahá’í der Welt
Der Heimgang unseres innig geliebten Mitarbeiters, Adib Taherzadeh, hat unsere tiefe Trauer verstärkt. Voll Bewunderung gedenken wir seiner ergebenen und unermüdlichen Dienste, die er der Sache Gottes über ein halbes Jahrhundert erwies. Mit seinem beispielhaften Enthusiasmus für das Lehren und seiner Fähigkeit, die Gläubigen zu begeistern, gewann er die Liebe und Zuneigung aller, die ihn kannten. Als aufopfernder Pionier, als ein Verteidiger des Bundes, als Mitglied der Nationalen Geistigen Räte der Britischen Inseln und der Republik Irland, als Mitglied des Kontinentalen Berateramtes in Europa und als Mitglied des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bewies er völlige Hingabe, unerschütterlichen Glauben und unbeugsame Entschlossenheit. Zu einem frühen Zeitpunkt in seinem Leben ergriff ihn der Wunsch, seinen Mitgläubigen im Westen den Reichtum der Geschichte und der Lehren des Glaubens zugänglich zu machen. Es war diese Sehnsucht, die in dem umfassenden Werk an Schriften ihren Ausdruck fand, das auf immer mit seinem Gedenken verbunden bleiben wird. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner hinterbliebenen Familie, insbesondere seiner lieben Frau und seinen geliebten Kindern. Wir versichern sie unserer inbrünstigen Gebete in den Heiligen Schreinen, dass ihm ein reicher Lohn im Königreich Abhá zuteil werden möge. Alle Nationalen Räte werden gebeten, Gedenkveranstaltungen in seinem Namen abzuhalten, ebenso Andachten zu seinen Ehren in allen Häusern der Andacht. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
20. Februar 2000 Hinscheiden von Mildred Mottahedeh
E-Mail-Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an alle Nationalen Geistigen Räte Wir sind tief betrübt über das Hinscheiden von Mildred Mottahedeh, einer so geschätzten, so geliebten, so standhaften und vertrauenswürdigen Anhängerin und Verfechterin der Sache Bahá’- u’lláhs. Da sie jetzt das irdische Leben verlassen hat, verliert die Bahá’í- Weltgemeinde eine herausragende Gestalt der Anfangsepochen des Gestaltenden Zeitalters der Bahá’í-Offenbarung. Mehr als ein halbes Jahrhundert bemühte sie sich unablässig im Dienste der Sache und war in Lehraktivitäten und administrativen Aufgaben auf örtlicher, nationaler, kontinentaler und internationaler Ebene engagiert. Gleichzeitig hatte sie einen anspruchsvollen Arbeitsplan als Geschäftsfrau, lieferte Beiträge zur Kunst und unterstützte humanitäre
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Programme. Für diese vielfältigen Aufgaben vereinte sie Eigenschaften wie eine selbstlose Haltung, ein mitfühlendes Herz, einen kreativen Geist, eine praktische Veranlagung und einen starken Willen, der durch Demut, Offenheit und Humor gemildert wurde. Fast drei Jahrzehnte lang stand sie an der vordersten Front bei den auswärtigen Angelegenheiten der Internationalen Bahá’í-Gemeinde und im Dienst des Weltzentrums des Glaubens, was in ihrer Mitgliedschaft im Internationalen Bahá’í-Rat, der ersten weltweit ernannten Bahá’í- Körperschaft, gipfelte. Mit Herzen voller Zuversicht beten wir an den Heiligen Schreinen für den Fortschritt ihrer erleuchteten Seele in allen Welten Gottes. Den Mitgliedern ihrer Familie und allen, die um ihren Verlust trauern, sprechen wir unser liebevolles Mitgefühl aus. Nationale Geistige Räte werden gebeten ihr zu Ehren angemessene Gedenkversammlungen in allen Häusern der Andacht und anderen Zentren abzuhalten. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
9. März 2000 Übertragung der administrativen Verantwortung für den Kosovo und Mazedonien
E-Mail vom 9. März 2000 An den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í von Deutschland Liebe Bahá’í-Freunde!
Das Haus der Gerechtigkeit freut sich, Sie von seiner Entscheidung zu unterrichten, dass ab Ridván 2000 die administrative Verantwortung für den Kosovo und Mazedonien vom Nationalen Geistigen Rat von Österreich auf Ihren Nationalen Rat übertragen wird. Es vertraut darauf, dass Ihr Rat und die deutsche Bahá’í-Gemeinde sich mit Begeisterung und Kraft erheben werden, um den Fortschritt des Glaubens in jenen Gegenden zu stärken und die Festigung der Gemeinden zu fördern. Die Unterstützung durch das Berateramt in Europa wird bei der Durchführung dieser wichtigen Aufgabe für Sie auch von unschätzbarem Wert sein. Obgleich dieser Wechsel offiziell zu Ridván stattfinden wird, sollten die praktischen Einzelheiten und der Zeitpunkt der Übergabe zwischen Ihren beiden Räten beraten werden; diese soll stattfinden, sobald Sie eine Struktur zur Bewältigung dieser Aufgabe einrichten können. Wie Sie wissen, hat die Wahl des Nationalen Geistigen Rates von Mazedonien, die zu Ridván 156 BE erfolgen sollte, nicht stattgefunden, da das Haus der Gerechtigkeit beschlossen hatte, sie wenigstens für ein Jahr aufzuschieben. Zwar ist die Situation in jenem Land jetzt stabiler, und das Haus der Gerechtigkeit fühlt sich durch den im letzten Jahr erreichten Fortschritt ermutigt, aber es ist der Meinung, dass die Wahl des Nationalen Rates von Mazedonien nicht übereilt werden sollte. Es kommt jetzt zunächst vor allem darauf an, eine starke, fest begründete Bahá’í-Gemeinde zu errichten. Angesichts der Zustände in Mazedonien können dazu mehrere Jahre nötig sein. Im kommenden Jahr soll-
16. April 2000 Beteiligung der Bahá’í-Gemeinde an der Weltausstellung
te der Lehrausschuss in Mazedonien, begleitet durch die Ermutigung, Führung und Hilfe Ihres Rates, sich bemühen, die örtlichen Institutionen zu stärken und das Glaubensverständnis der einzelnen Gläubigen zu vertiefen und zwar durch Institutskurse, Studienklassen und ständige Besuche vertiefter Gläubiger, um so eine solide Grundlage für die Wahl des Nationalen Rates zu errichten. Sie sollten das Haus der Gerechtigkeit über Fortschritte informiert halten und es wird dann zu gegebener Zeit erwägen, wann es zur Wahl des Nationalen Geistigen Rates von Mazedonien aufrufen sollte. Das Haus der Gerechtigkeit versichert Sie seiner Gebete an den heiligen Schreinen, dass Ihre Bemühungen, das Wachstum und die Entwicklung der Bahá’í-Gemeinde in Mazedonien zu fördern, von göttlichen Bestätigungen umgeben sein mögen und dass die Gemeinde dort im nächsten Jahr an Stärke ständig zunehmen möge. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung
16. April 2000 Beteiligung der Bahá’í-Gemeinde an der Weltausstellung
Sekretariatsabteilung 16. April 2000 An ausgewählte Nationale Geistige Räte in Europa Liebe Bahá’í-Freunde,
es ist Ihnen sicherlich bekannt, dass die Weltausstellung EXPO 2000 von Juni bis einschließlich Oktober in Hannover, Deutschland, stattfinden wird. In diesem Zusammenhang hat uns das Universale Haus der Gerechtigkeit gebeten, Ihnen folgendes zu übermitteln: Die EXPO 2000 möchte zum Nachdenken über die Zukunft und das Hervortreten einer globalen Gesellschaft anregen, indem die Fortschritte im menschlichen Denken, in der Wissenschaft, der Kunst und der Technik dargestellt werden. Internationale Organisationen, Regierungen, der private Sektor und gesellschaftliche Initiativen werden teilnehmen und somit zu einem weltweiten Dialog über das Thema „Mensch, Natur und Technik“ beitragen. Aufgrund der Initiative des Nationalen Geistigen Rates von Deutschland wird die Internationale Bahá’í-Gemeinde im „Global House“ mit einer eigenen Ausstellung vertreten sein. Das „Global House“ ist ein Pavillon, der an prominenter Stelle der zentralen Plaza der Weltausstellung liegt und dessen Schwerpunkt die Suche nach innovativen Lösungen für soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprobleme bildet. Auf der Hauptebene des Global House wird sich der Stand der Bahá’í befinden, der von jenen der Weltbank und des Deutschen Ministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) flankiert wird. In den kommenden Wochen wird der Nationale Geistige Rat von Deutschland die Hilfe fähiger Freunde aus Europa suchen, die bereit sind, den laufenden Betrieb der Ausstellung und andere damit verbundene Aktivitäten zu unterstützen. Das Forum, !das die Weltausstellung bietet, wird es der Internationalen Bahá’í-Gemeinde ermöglichen, einer breiteren Öffentlichkeit die Prinzipien näher zu bringen, die in der Erklärung „Entwick-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
lungsperspektiven für die Menschheit” dargestellt wurden, und die sich entwickelnden Bemühungen von Bahá’í-Gemeinden an der Basis der Gesellschaft hervorzuheben, sozialen und materiellen Herausforderungen durch eine einzigartige Herangehensweise zu begegnen, die ein „dynamisches Zusammenwirken der geistigen und praktischen Erfordernisse des Lebens auf dieser Erde” anstrebt. Das Universale Haus der Gerechtigkeit ermutigt die europäischen Bahá’í-Gemeinden, die Freunde in Deutschland zu unterstützen und diese Gelegenheit zu ergreifen, um zur Förderung des globalen Dialogs auf der Weltausstellung in Hannover beizutragen. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung
21. April 2000 Ridván-Botschaft 157
An die Bahá’í der Welt Innig geliebte Freunde,
Wir verbeugen uns in Dankbarkeit vor dem Herrn der Heerscharen und unsere Herzen fließen über vor Freude, da wir Zeuge dessen sind, welch wunderbaren Unterschied die vier Jahre seit dem Beginn des globalen Planes bewirkt haben, der nun an diesem Fest des Glanzes abgeschlossen wird. So deutlich ist der in dieser Zeit erreichte Fortschritt, dass unsere Weltgemeinde Höhepunkte erreicht hat, von denen aus neue leuchtende Horizonte für ihre künftigen großen Errungenschaften klar erkennbar sind. Der zahlenmäßige Zuwachs ergab sich hauptsächlich aus einer entscheidenden Qualitätssteigerung. Die Kultur der Bahá’í-Gemeinde hat einen Wandel erlebt. Dieser Wandel ist erkennbar an erweiterten Fähigkeiten, der Methodik zielgerichteten Handelns und der daraus resultierenden gewachsenen Zuversicht der drei am Plan beteiligten Ebenen – dem Einzelnen, den Institutionen und der örtlichen Gemeinde. Dies ist so, weil die Freunde sich nachhaltiger damit befassten, ihre Kenntnis der göttlichen Lehren zu vertiefen und weil sie viel – und dies systematischer als zuvor – darüber gelernt haben, wie diese bei der Verbreitung der Sache Gottes, bei individuellen und gemeinschaftlichen Aktivitäten und bei der Zusammenarbeit mit ihren Nachbarn angewandt werden können. Mit einem Wort, sie begaben sich auf einen anwendungsorientierten Lernprozess, von dem aus zielgerichtetes Handeln verfolgt wurde. Die treibende Kraft dieses Wandels war das System der Bahá’í-Institute, die in der ganzen Welt mit großer Geschwindigkeit errichtet wurden – eine Leistung, die sich auf dem Gebiet der Ausbreitung und Festigung als das größte Vermächtnis des Vier-Jahres-Planes qualifizierte. Durch die gesteigerte Befähigung der Einzelnen, den Glauben zu lehren, was sich in dem neuen Schwung individueller Initiativen zeigt; durch die verbesserte Fähigkeit der Geistigen Räte, Regionaler Räte und Ausschüsse, die Bemühungen der Freunde zu leiten; durch die Einführung neuer Denk- und Handlungsmuster, die das gemeinschaftliche Verhalten der örtlichen Gemeinden beeinflusste – in all diesen Beziehungen bewies das System der Bahá’í-Institute seine Unverzichtbarkeit als ein Motor im Prozess des Beitritts in
21. April 2000 Ridván-Botschaft 157
Scharen. Viele Institute haben ihre Fähigkeit vergrößert, weite Regionen mit ihren Programmen zu versorgen, indem sie ihr Wirkungsfeld durch örtliche Studienkreise erweiterten. So hat zum Beispiel die Mongolei 106 Studienkreise eingerichtet und verzeichnete als Ergebnis einen beachtlichen Zuwachs an neuen Gläubigen. Gleichzeitig zu derartigen Entwicklungen richteten die Mitglieder unserer weltweiten Gemeinschaft mehr Aufmerksamkeit darauf, auf die Macht des Gebets zu vertrauen, über das heilige Wort Gottes zu meditieren und die geistigen Wohltaten aus der Teilnahme an Andachten zu beziehen. Durch das Zusammenwirken dieser Elemente einer intensivierten Transformation des Einzelnen und der Gemeinschaft wächst tatsächlich die Größe der Gemeinde. Obgleich die Zuwachsrate neuer Gläubiger bis jetzt nur geringfügig die der vergangenen Jahre übertraf, ist es doch ungemein erfreulich zu sehen, dass diese Zunahme geographisch weit gestreut ist, immer größere Teile der Gemeinde engagiert und erfolgreich Neuerklärte in das Leben der Sache Gottes integriert. Ein so gesunder und vielversprechender Zustand des Glaubens verdankt unermesslich viel der Institution der Berater; ihrem beratenden Einfluss, ihrer Rolle in der Zusammenarbeit und ihrer praktischen Arbeit. Die Zahl der Berater wurde im Hinblick auf die Errichtung und Funktion der Institute vergrößert, was den rechtzeitig gegebenen Ansporn durch ein pulsierendes und immer wachsames Internationales Lehrzentrum widerspiegelte. Das zentrale Thema des Vier-Jahres- Planes – der Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen – erzeugte eine enge Verbindung von Denken und Handeln. Es konzentrierte die Aufmerksamkeit auf eine bedeutende Entwicklungsstufe in der Evolution der Bahá’í–Gemeinde, die während des Gestaltenden Zeitalter erlangt werden muss; denn ehe nicht in hohem Maße für den Beitritt von Scharen gesorgt wird, werden die Bedingungen nicht reif sein für Massenerklärungen, jenem Durchbruch, den Shoghi Effendi in seinen Schriften verheißt. Der thematische Brennpunkt des Planes erzeugte Auswirkungen auf alle Arten von Bahá’í-Aktivitäten; er benötigte eine Klarheit des Verständnisses, die systematische und strategische Planung als Voraussetzung für individuelles und gemeinschaftliches Handeln möglich machte. Die Mitglieder der Gemeinde begannen allmählich zu begreifen, wie Systematisierung die Prozesse des Wachstums und der Entwicklung ermöglicht. Dieser Aufschwung des Bewusstseins war ein gewaltiger Schritt zu einem Anstieg der Lehraktivitäten und zur Veränderung der Gemeindekultur. Die gesamten Aspekte des Themas wurden bei den Bemühungen zur Planung, zum Aufbau institutioneller Kapazität und zur Entwicklung menschlicher Ressourcen deutlich. Die Verbindungslinien zwischen ihnen können vom Beginn des Planes bis zu seinem Ende verfolgt werden. Die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter im Dezember 1995 im Heiligen Land bildete den Anfang. Dort wurden die Berater in die besonderen Merkmale des Planes eingeführt. Danach wurde mit den Nationalen Geistigen Räten in nationalen Planungssitzungen hierüber beraten; die Beratungen wurden auf regionaler Ebene fortgesetzt, bei denen dann Hilfsamtsmitglieder, örtliche Geistige Räte und ihre Ausschüsse beteiligt waren. So wurden Elemente der Bahá’í-Administration in den Planungsprozess einbezogen. Sie gelangten darüber hinaus zur Stufe der Umsetzung, auf der die institutionelle Kapazität geschaffen werden musste, um mit dem Beitritt in Scharen umgehen zu können. In diesem Zusammenhang wurden zwei wichtige Maßnahmen ergriffen: Eine war
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die Errichtung von Bahá’í-Instituten; die andere war die formelle Errichtung und weit verbreitete Einführung von Regionalen Bahá’í-Räten. Sie sind administrative Einrichtungen zwischen der örtlichen und der nationalen Ebene, um die administrativen Fähigkeiten solcher Gemeinden zu stärken, in denen die zunehmend komplexen Angelegenheiten, vor die sich die Nationalen Geistigen Räte gestellt sahen, diese Entwicklung erforderlich machten. Von gleicher Bedeutung für die Verbindung der wesentlichen Elemente des Prozesses waren die für die Arbeit für soziale und wirtschaftliche Entwicklung – einem entscheidenden Teil der Festigung – und für auswärtige Angelegenheiten definierten Strategien. Diese werden es als einem lebenswichtigen Faktor dem Glauben ermöglichen, die Folgen seines Hervortretens aus der Verborgenheit zu bewältigen. Die hieraus erzielten überwältigenden Ergebnisse aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Seiten bei weitem sprengen. Wir fühlen uns jedoch bewegt, gewisse Glanzpunkte zu nennen, die das Ausmaß der Errungenschaften innerhalb des Plans illustrieren. Im Heiligen Land wurde der Bau der Terrassen und der Gebäude am Bogen mit der Gewissheit fortgesetzt, dass – wie angekündigt – der Termin zu ihrer Fertigstellung am Ende dieses gregorianischen Jahres eingehalten wird. Darüber hinaus wird das Gebäude in Haifa, das wir in unserer letzten Ridván-Botschaft im Zusammenhang mit der Vergrößerung der Pilgergruppen erwähnten, zu diesem Ridván bereit für die Nutzung sein. Im selben Zusammenhang wurden Architektenpläne für in Bahjí zu bauende Einrichtungen genehmigt, die dringend benötigt werden, um Pilger und andere Bahá’í- und Nicht- Bahá’í-Besucher unterzubringen. Die Übersetzung der Texte für den zu erwartenden neuen Band von Bahá’u’lláhs Schriften wurde fertiggestellt; seine Veröffentlichung wird derzeit vorbereitet. Fortschritte bei der Ausbreitung und Festigung waren auch auf noch nicht erwähnten Gebieten erkennbar: beim Pionieren, der Proklamation, der Veröffentlichung von Literatur, dem Einsatz der Künste, der Bildung von Geistigen Räten und bei den Gesellschaften für Bahá’í-Studien. Etwa 3.300 Gläubige siedelten sich als Lang- und Kurzzeitpioniere international an. Dass viele Länder, die normalerweise Pioniere erhalten, selbst Pioniere ins Ausland schickten, ist ein weiteres Anzeichen für den Reifungsprozess von nationalen Gemeinden. Treu dem ihnen übertragenen Auftrag ragen die Gemeinden von Kanada und den Vereinigten Staaten durch die Zahl der Pioniere, die ihr Land verließen, besonders hervor. Dies gilt auch für die viel größere Anzahl von Reiselehrern, wobei die Jugend in bedeutsamer Weise vertreten war. Besonders beachtlich war auch die ermutigende Reaktion der Gläubigen afrikanischen Ursprungs in den Vereinigten Staaten auf den Aufruf, als Bahá’í-Lehrer nach Afrika zu reisen. Die Proklamation der Sache Gottes geschah durch vielfältige Aktionen, wobei ein weites Spektrum von Gelegenheiten als Anlass dienten – Jahrestage, Gedenktage, Diskussionsgruppen, Ausstellungen und ähnliches. Hierdurch lernte eine große Zahl von Menschen die Lehren des Glaubens kennen. Die Häuser der Andacht waren magnetische Anziehungspunkte für Besucher, die in zunehmender Zahl eintraten, besonders in Indien, wo im letzten Jahr etwa fünf Millionen Menschen begrüßt wurden. Zu solchen Aktivitäten kam noch die vielfältige Nutzung der Medien hinzu, um die Bahá’í-Botschaft zu übermitteln. In den Vereinigten Staaten gab es 60.000 Anfragen als Reaktion auf eine Medienkam-
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pagne, die vom Nationalen Lehrausschuss entworfen worden war. In der ganzen Welt verbreitete sich die Kenntnis über den Glauben durch wohlwollende Artikel in den Druckmedien, die häufiger als bisher unaufgefordert erschienen. Es gab auch eine ähnlich breitere Publizität durch die Bereitschaft seitens Radio- und Fernsehstationen, regelmäßige Bahá’í-Programme aufzunehmen; dies war der Fall in Ländern wie der Demokratischen Republik des Kongo und Liberia. Solch günstige Entwicklungen wurden gekrönt durch die unabhängige Entscheidung internationaler Medieneinrichtungen, den Schrein des Báb und die Terrassen als Standort eines Fernsehbeitrags aus dem Heiligen Land für weltweite Medienprogramme zu wählen, die das Kommen des Jahres 2000 feierten. Die Einbeziehung der Kunst wurde zu einem wichtigen Faktor bei der Proklamation, dem Lehren, der Vertiefung und den Andachten der weltweiten Gemeinde. Die Künste zogen junge Leute an, die sie in ihren Lehr- und Vertiefungsaktivitäten verwendeten, hauptsächlich in den zahlreichen aktiven Drama- und Tanzworkshops in vielen Teilen der Welt. Aber der Schwung der Künste führte jenseits des Singens und Tanzens zu einem weiten Spektrum einfallsreicher Aktivitäten, die den Menschen die Grundlagen der Sache Gottes vermittelte. Dort, wo Volkskunst eingesetzt wurde, besonders in Afrika, wurde die Lehrarbeit sehr aufgewertet. So wurde zum Beispiel in Ghana und Liberia ein Projekt “Licht der Einheit” gestartet, um die Künste beim Lehren zu fördern. In Indien verfolgte die “Communal Harmony Group” ein ähnliches Ziel. Hauptsächlich auf Betreiben der Berater und mit Unterstützung des Kontinentalen Fonds wurde der Übersetzung und Veröffentlichung von Bahá’í-Literatur besonders in Afrika und Asien Aufschwung verliehen. Außerdem erschien der Kitáb-i-Aqdas in einer vollständigen arabischen Ausgabe und in anderen Sprachen. Obwohl die Beschränkung der Bildung von Örtlichen Geistigen Räten auf den ersten Ridvántag, was seit 1997 gilt, die Zahl dieser Institutionen erwartungsgemäß absinken ließ, so war die Abnahme doch nicht erheblich. Seitdem blieb die Zahl konstant, und ein gesunder Prozess der Festigung hat stattgefunden. Acht neue Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wurden errichtet, wodurch die Gesamtzahl von 181 Nationalen Geistigen Räten erreicht wurde. Besonders erfreulich während dieser vier Jahre war der zunehmende Schwung, mit dem die Aktivitäten der Bahá’í-Gelehrsamkeit mit ihrer lebenswichtigen Aufgabe voranschritten, die intellektuellen Grundlagen für die Arbeit des Glaubens zu stärken. Unschätzbare Ergebnisse waren zum einen die beeindruckende Erweiterung der Bahá’í- Literatur und zum zweiten die Verfassung verschiedener Dissertationen, die unterschiedliche Probleme unserer Zeit im Lichte der Bahá’í-Prinzipien untersuchten. Das Netzwerk der Gesellschaften für Bahá’í-Studien, das in diesem Jahr seinen 25. Jahrestag begeht, konnte im Laufe des Planes fünf neue Schwestergesellschaften begrüßen. Die auf diesem Feld des Dienstes sichtbare Vielfalt und Kreativität zeigt sich darin, dass die erste Konferenz für Bahá’í-Studien in Papua-Neuguinea abgehalten wurde und dass die japanische Gesellschaft in bahnbrechender Weise ihre Aufmerksamkeit auf die geistigen Ursprünge der traditionellen japanischen Gelehrsamkeit richtete. Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung fand ein eindeutiger qualitativer Fortschritt statt, obgleich die Zahlen, die eine Zunahme der Projekte ausweisen, auch beeindruckend sind. Die jährlich gemeldeten Aktivitäten steigerten sich von
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etwa 1.350 zu Beginn des Planes auf mehr als 1.800 an seinem Ende. Zunehmend systematisches Vorgehen blieb das vorherrschende Kennzeichen bei dieser Arbeit während dieser Zeit. Um die Beratung über die Prinzipien der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und ihre Durchführung zu fördern, führte das Büro für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung am Weltzentrum 13 regionale Seminare durch, an denen schätzungsweise 700 Vertreter aus 60 Ländern teilnahmen. Dieses Büro kümmerte sich auch darum, Pilotprojekte und geeignetes Material zu entwickeln, mit denen organisierte Kampagnen gestartet werden konnten, um Jugendliche unter anderem im Lesen und Schreiben zu unterrichten, um Mitarbeiter im Gesundheitswesen der Gemeinde auszubilden, um Frauen zu fördern und um moralische Erziehung anzubieten. Ein Beispiel ist das Programm in Guyana, das mehr als 1.500 Helfer für die Alphabetisierung ausbildete; ein weiteres ist die Fertigstellung von acht Lehreinheiten zur Förderung der Frauen in Malaysia. Diese wurden auch zur Grundlage für Ausbildungsveranstaltungen in Afrika, Asien und Südamerika. Im Guaymi-Bezirk von Panama wurde ein Plan in Angriff genommen, Bahá’í-Radiostationen mit der Arbeit der Bahá’í-Institute zu verbinden. Da Institute das Potenzial besitzen, Ausbildung für soziale und wirtschaftliche Projekte zu leisten, bemühte sich ein Dutzend von ihnen in dieser Richtung und ist dabei, auf den Gebieten der Alphabetisierung, der Ausbildung zum Gemeindesanitäter und beruflicher Ausbildung zu experimentieren. Eine Reihe von durch die Bahá’í geförderten und inspirierten Initiativen haben ihre Energie Projekten gewidmet, wie zum Beispiel einem, das mit der Weltgesundheitsorganisation zusammenarbeitet, um die Fluss-Blindheit in Kamerun zu bekämpfen; dort erhielten mehr als 30.000 Menschen durch dieses Bahá’í-Projekt die nötigen Medikamente. Ein weiteres Beispiel ist die Privatuniversität in Äthiopien, Unity College, die inzwischen 8.000 Studenten hat, ferner die Landegg Akademie in der Schweiz, die neben der Ausweitung und Konsolidierung ihrer Studienpläne wertvolle Hilfe bei der anhaltenden Suche nach einer Lösung der ungeheuren sozialen Folgen des Balkankonflikts geleistet hat. Auch die Núr-Universität in Bolivien, die in einem gemeinsamen Projekt mit Ecuador eine Ausbildung für mehr als 1.000 Lehrer in einem Programm über moralische Führung anbieten konnte, ist ein weiteres Beispiel hierfür. Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung waren solche Beweise des Ausbaus von Fähigkeiten von großem Vorteil, um die Ziele des Planes zu verwirklichen. Geführt durch die den Nationalen Geistigen Räten 1994 übermittelte Strategie in auswärtigen Angelegenheiten hat sich die Leistungsfähigkeit der Gemeinde auf dem Gebiet der diplomatischen und öffentlichen Information ebenfalls in erstaunlicher Weise gesteigert, wobei die Bahá’í-Gemeinde in eine dynamische Beziehung zu den Vereinten Nationen, Regierungen, Nicht- Regierungsorganisationen (NGOs) und den Medien getreten ist. Die Strategie konzentrierte sich auf internationaler und nationaler Ebene auf zwei wichtige Ziele: die Prozesse in Richtung auf den Weltfrieden zu beeinflussen und die Sache Gottes zu schützen. Durch die Maßnahmen zur Verteidigung unserer geliebten Glaubensbrüder im Iran gewann die Internationale Bahá’í-Gemeinde ein neues Maß an Achtung und Unterstützung. Daraus ergaben sich Gelegenheiten, andere Ziele dieser Strategie zu verfolgen. Um sich der Herausforderung der hartnäckigen Situation im Iran zu stellen, entwickelten unsere Institutionen und Vertretungen für auswärtige Angelegen-
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heiten neue Vorgehensweisen, um verfügbare Instrumentarien von Regierungen und den Vereinten Nationen zu aktivieren. Die Verfolgungen im Iran beschäftigten die höchsten Instanzen auf unserem Planeten. Die Nachricht, dass ein iranischer Gerichtshof Todesurteile gegen zwei der Freunde bestätigt und ein ähnliches Urteil gegen einen dritten ausgesprochen hatte, rief sogar eine scharfe Reaktion durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten hervor, der an den Iran eine deutliche Mahnung richtete. Als Auswirkung der Interventionen von politischen Führern in der Welt und der Vereinten Nationen hörten die Hinrichtungen von iranischen Bahá’í praktisch auf und ging die Zahl der zu langjährigen Gefängnisstrafen Verurteilten drastisch zurück. Wir begrüßen diese Interventionen und preisen zugleich den aufopfernden Geist, die Seelenstärke und den unbeugsamen Glauben unserer Brüder und Schwestern im Iran, die all diesen Bemühungen Stärke verliehen haben. Diese offenkundigen Eigenschaften der Seele bringen ihre Landsleute durch ihre Standhaftigkeit zum Staunen, mit der sie den tückischen und mitleidslosen Angriffen widerstehen. Wie sonst könnte man erklären, dass es so wenigen möglich war, sich so lange gegen so viele zu behaupten? Wie sonst hätten sie die Sorge der Welt und aktive Reaktionen auslösen können, sobald auch nur ein Einziger von ihnen mit dem Tode bedroht war? Es ist die Tragödie des Iran, dass die Angreifer es bis jetzt nicht eingesehen haben, dass die göttlichen Prinzipien, für die die Verfolgten ihren Besitz und sogar ihr Leben opfern, genau jene Lösungen enthalten, die die Sehnsüchte der Bevölkerung in dieser Stunde der Unzufriedenheit befriedigen würden. Es besteht jedoch nicht der geringste Zweifel, dass die systematische Willkürherrschaft, der unsere iranischen Freunde so grausam ausgesetzt sind, schließlich der Macht des Allmächtigen weichen wird, die den geheimnisvollen Verlauf der Dinge seiner verheißenen Bestimmung in all seiner Herrlichkeit entgegenführt. Das zweite Ziel der Strategie für auswärtige Angelegenheiten bezog sich auf vier Themen – Menschenrechte, der Stellung der Frau, globales Wohlergehen und moralische Entwicklung. Unsere Berichte zeugen von einem gewaltigen Fortschritt bei der Arbeit für Menschenrechte und die Stellung der Frau. Zu ersteren führte das Büro bei den Vereinten Nationen ein kreatives Programm für die Erziehung zu Menschenrechten durch, das bis jetzt dazu beitrug, bei nicht weniger als 99 Nationalen Geistigen Räten die Fähigkeit zur diplomatischen Arbeit aufzubauen. Bezüglich der Stellung der Frau zeigen 52 nationale Büros für den Fortschritt von Frauen, die Beiträge zahlreicher Bahá’í-Frauen und -Männer bei Konferenzen und Arbeitskreisen auf allen Ebenen, die Wahl von Bahá’í-Vertretern in Führungspositionen bei wichtigen NGO-Ausschüssen – so auch beim Entwicklungsfonds für Frauen der Vereinten Nationen –, wie die Anhänger Bahá’u’lláhs beharrlich für Sein Prinzip der Gleichberechtigung von Frau und Mann eintreten. Gleichzeitig verbreiten eine ganze Reihe von Initiativen Informationen über die Bahá’í-Religion an verschiedenste Gruppen in der Öffentlichkeit. Zu diesen innovativen Maßnahmen gehören: der Start einer Web-site “The Bahá’í World”, die im Durchschnitt schon 25.000 mal im Monat besucht wird; die Herausgabe des Statements “Wer schreibt die Zukunft?”, das den Freunden in der ganzen Welt hilft, über zeitgenössische Themen zu sprechen; die Sendung des persischen Radioprogrammes “Payam-e-Doost”, das für eine Stunde pro Woche im Bereich von Washington D.C. ausgestrahlt wird und das über
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das Internet seit letztem November jederzeit in der ganzen Welt verfügbar ist; die Durchführung eines höchst originellen Fernsehprogramms, in dem moralische Prinzipien auf tägliche Probleme angewandt werden und das von Regierungsstellen in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Slowenien und der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien wärmstens befürwortet wird. Ein Phänomen, das sich gegen Ende des Jahrhunderts verstärkt zeigt, ist das Bemühen der Menschen weltweit, ihre Sehnsüchte durch sogenannte “Organisationen der Zivilgesellschaft” auszudrücken. Es muss für die Bahá’í überall eine Quelle größter Genugtuung sein, dass die Internationale Bahá’í–Gemeinde, die als eine Nicht-Regierungsorganisation einen Querschnitt der ganzen Menschheit darstellt, als eine einheitsstiftende Kraft in bedeutenden Diskussionen, die die Zukunft der Menschheit gestalten, solches Vertrauen gewonnen hat. Unser Hauptvertreter bei den Vereinten Nationen wurde zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Ausschusses für Nicht-Regierungsorganisationen ernannt, der vom Wirtschafts- und Sozialrat eingerichtet wurde – eine Stellung, die der Internationalen Bahá’í–Gemeinde eine Führungsrolle bei der Organisation des Millennium-Forums einräumt. Diese von Kofi Annan, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen für kommenden Mai einberufene Versammlung, wird den Organisationen der Zivilgesellschaft Gelegenheit geben, ihre Ansichten und Vorschläge zu globalen Fragen zu formulieren. Diese werden dann von dem im September dieses Jahres folgenden Millennium- Gipfel aufgenommen werden, bei dem sich Staats- und Regierungschefs treffen. Dass die Menschheit sich der geistigen Dimension des Wandels in der Welt bewusst wird, hat für Bahá’í eine besondere Bedeutung. Der interreligiöse Dialog hat sich intensiviert. Während des Vier-Jahres-Planes war der Glaube in zunehmendem Maße als anerkannter Partner daran beteiligt. Das Parlament der Weltreligionen führte im letzten Dezember in Kapstadt 6.000 Teilnehmer zusammen, darunter eine starke Bahá’í-Delegation. Bahá’í waren im südafrikanischen und internationalen Leitungsgremium an der Planung der Veranstaltung beteiligt. Für die Bahá’í ergab sich ein besonderes Interesse an dieser Veranstaltung aus der Tatsache, dass der Name Bahá’u’lláh’s öffentlich zum ersten Mal im Westen beim Parlament in Chicago 1893 erwähnt worden war. Auf zwei im letzten November in Jordanien abgehaltenen interreligiösen Veranstaltungen wurden Bahá’í als geladene Teilnehmer empfangen; es waren dies die Konferenz über Konflikte und Religionen im Nahen Osten und die Jahrestagung der Weltkonferenz für Religion und Frieden (WCRP). Bahá’í-Vertreter nahmen auch an Veranstaltungen in der Vatikanstadt und in Neu Delhi teil, die von der römisch-katholischen Kirche veranstaltet wurden. Beim zweiten Anlass war Beraterin Zena Sorabjee eine der Vertreterinnen von Religionen, die in Gegenwart von Papst Johannes Paul II zur Versammlung sprachen. Im Vereinigten Königreich trat der Glaube in die öffentliche Arena, als Bahá’í-Vertreter mit Mitgliedern von acht anderen großen Religionen zu einer interreligiösen Millenniumsfeier in der Königlichen Galerie im Westminster-Palast zusammenkamen, wo in Gegenwart von Mitgliedern des Königshauses, des Premierministers, des Erzbischofs von Canterbury und anderen hervorragenden Persönlichkeiten auf die Versammlung der „neun großen Religionen des Vereinigten Königreiches“ Bezug genommen wurde. In Deutschland wurden die Bahá’í zum ersten Mal am interreligiösen Dialog beteiligt. Damit änderte sich eine langjährige
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Einstellung der christlichen Konfessionen, die wegen eines von einem Bundesbrecher geschriebenen und von einem lutherischen Verlag 1981 herausgegebenen Buches die Berührung mit dem Glauben vermieden hatten. Abhilfe erfolgte durch eine 600 Seiten starke von drei Bahá’í geschriebene wissenschaftliche Widerlegung, die in einem führenden Nicht- Bahá’í-Verlag 1995 erschien, was einen außergewöhnlichen Sieg für die deutsche Bahá’í-Gemeinde darstellt. Eine englische Übersetzung wurde im letzten Jahr des Planes herausgegeben. In ungewöhnlicher Form fand ein interreligiöser Dialog statt, als 1998 Vertreter der Weltbank und von neun großen Religionen im Lambeth-Palast eine Veranstaltung abhielten, die zur Bildung eines Entwicklungsdialogs der Weltreligionen führte. Es ist das vom Dialog verkündete Ziel zu versuchen, den Graben zwischen den Religionsgemeinschaften und der Weltbank zu überbrücken, um ihnen eine wirkungsvollere Zusammenarbeit bei der Überwindung der Armut in der Welt zu ermöglichen. Die Häufigkeit und der umfassende Charakter dieser interreligiösen Versammlungen ist ein neues Phänomen in den Beziehungen der Religionen untereinander. Es ist offensichtlich, dass sich die verschiedenen Religionsgemeinschaften darum bemühen, den Geist der Freundlichkeit und Brüderlichkeit untereinander zu erreichen, den Bahá’u’lláh Seine Anhänger aufgerufen hat, den Anhängern anderer Religionen gegenüber an den Tag zu legen. Während dieser vier Jahre spielten sich die konzentrierten Bemühungen der Bahá‘í zu einer Zeit ab, da die Gesellschaft im Allgemeinen mit einer Flut widerstreitender Interessen zu kämpfen hatte. In dieser kurzen aber äußerst bewegten Zeitspanne schritten die in der Bahá’í-Gemeinde und in der Welt waltenden Kräfte mit unerbittlicher Beschleunigung voran. In ihrem Sog offenbarten sich die sozialen Phänomene, auf die Shoghi Effendi hingewiesen hatte, klarer als je zuvor. Vor mehr als 60 Jahren zog er die Aufmerksamkeit auf “diese gleichzeitigen Vorgänge des Aufstieges und des Unterganges, des Zusammenschlusses und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren ständigen und wechselseitigen Auswirkungen aufeinander”. Diese zwei Prozesse spielten sich nicht isoliert von jenen ab, die für die Bahá’í-Gemeinde typisch waren, sondern führten, wie schon gezeigt wurde, zur direkten Beteiligung des Glaubens. Sie scheinen auf der anderen Seite des gleichen Zeitkorridors zu laufen. Auf der einen Seite wüteten an etwa 40 Stellen Kriege, die von religiösen, politischen, rassischen oder Stammeskonflikten geschürt wurden; ein plötzlicher totaler Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung lähmt eine Reihe von Ländern; Terrorismus als politische Waffe wurde zur Epidemie; eine Woge internationaler krimineller Netzwerke versetzte die Menschen in Schrecken. Auf der anderen Seite jedoch gab es ernsthafte Versuche, Methoden der kollektiven Sicherheit auszuarbeiten und umzusetzen, was Bahá’u’lláhs Vorschriften für die Erhaltung des Friedens in Erinnerung ruft; es gab einen Aufruf, einen internationalen Strafgerichtshof einzurichten, eine weitere Maßnahme, die mit den Erwartungen der Bahá‘í übereinstimmt. Um die Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit zu richten, ein angemessenes System zur Lösung von globalen Fragen einzurichten, haben sich die Führer der Welt auf einem Millennium-Gipfel verabredet; neue Kommunikationsmethoden haben den Weg dafür frei gemacht, dass jeder mit jedem auf diesem Planten in Verbindung treten kann. Wirtschaftliche Auflösungserscheinungen in Asien drohten die Weltwirtschaft zu destabilisieren, führten aber zu Bemühungen, die unmittelbare Gefahr
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zu beheben und Methoden zu entwickeln, einen Sinn für Gerechtigkeit in den Bereich des internationalen Handels und der Finanzen einzuführen. Dies sind nur einige Beispiele für die beiden gegensätzlichen aber aufeinander einwirkenden Tendenzen der Zeit, die Shoghi Effendis inspirierte Zusammenfassung über die Kräfte, die in Gottes Größerem Plan am Werke sind, bestätigen, “dessen letztes Ziel die Einheit und der Frieden der gesamten Menschheit ist”. Zum Abschluss dieser vier ereignisreichen Jahre kommen wir an ein gewaltiges Zusammentreffen von Abschlüssen und Anfängen in der gregorianischen Zeitrechnung und der Bahá’í-Ära. In einem Sinne bedeutet dieses Zusammentreffen das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts und in einem anderen eröffnet es eine neue Stufe in der Entfaltung des Gestaltenden Zeitalters. Die Perspektive dieser zwei Zeitrahmen veranlasst uns, über eine Vision von weltgestaltenden Entwicklungen nachzudenken, die zeitlich zusammenfallen; wir tun dies unter Berücksichtigung der Einsicht, die von Shoghi Effendi so plastisch bei der Gründung des von ihm entworfenen Bogens am Berge Karmel dargelegt wurde. Im Verlauf des Planes gewann diese Vision eine leuchtende Klarheit, als die Bauprojekte am Berge Karmel voranschritten, als die Führer der Welt kühne Schritte in Richtung auf die Gestaltung eines weltweiten politischen Friedens unternahmen, und als örtliche und nationale Bahá’í-Institutionen ein neues Niveau in ihrer Evolution erreichten. Wir tragen mit uns eine heilige und dauerhafte Erinnerung an das zwanzigste Jahrhundert in uns, die unsere Energien weckt und uns den Weg vorzeichnet: Zu ihm gehört jener zukunftsweisende Augenblick in der Geschichte der Menschheit, als der Mittelpunkt des Bundes Bahá’u’lláhs im Laufe einer Amtszeit, die ohne Parallele ist, die Struktur der neuen Weltordnung entwarf und als anschließend im Verlauf einiger seiner verheerendsten Jahre der Hüter des Glaubens seine äußerste Energie darauf verwendete, die Struktur eines administrativen Systems zu errichten, das am Ende des Jahrhunderts in der Ganzheit seiner essenziellen Form vor den Augen der Welt ausgebreitet liegt. Wir stehen damit an einer Brücke zwischen den Zeiten. Die Fähigkeiten, die im Laufe eines Jahrhunderts der heftigen Anstrengungen und Opfer von einer Handvoll von der Liebe zu Bahá’u’lláh berauschter Gläubiger entwickelt wurden, müssen jetzt auf die für das Gestaltende Zeitalter unausweichlich verbleibenden Aufgaben angewandt werden; die zahlreichen Epochen unermüdlicher Arbeit dieses Zeitalters werden schließlich zum Goldenen Zeitalter unseres Glaubens führen, wenn der Größte Friede die Erde umfassen wird. An diesem Ridván beginnen wir einen Zwölf-Monate-Plan. So kurz er auch ist, muss und wird er ausreichen, gewisse lebenswichtige Aufgaben zu erfüllen und das Fundament für den nächsten, zwanzig Jahre andauernden Vorstoß des Göttlichen Planes des Meisters zu legen. Was vor vier Jahren so sorgfältig begonnen wurde – die systematische Aneignung von Kenntnissen, Qualitäten und Dienstfertigkeit – muss erweitert werden. Wo immer es sie gibt, müssen nationale und regionale Institute die Programme und Systeme, die sie eingeführt haben, in vollem Umfang zur Anwendung bringen. Neue Institute müssen gebildet werden, wo der Bedarf danach erkannt wurde. Größere Schritte müssen unternommen werden, um die Lehrarbeit zu systematisieren, die durch individuelle Initiative und durch institutionelle Förderung unternommenen wird. Es ist teilweise zu diesem Zweck, dass die
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Berater und die Nationalen Räte in verschiedenen Gegenden jedes Kontinents “Regionale Wachstumsprogramme” aufgestellt haben. Die Ergebnisse werden einen Erfahrungsschatz liefern, der für zukünftige Pläne nützlich sein wird. Der Einzelne, die Institutionen und die örtlichen Gemeinden werden dringend gebeten, ihre Aufmerksamkeit auf diese wesentlichen Aufgaben zu richten, damit sie für das nächste Fünf-Jahres-Unternehmen, das zu Ridván 2001 beginnt, voll gerüstet sind – eine Unternehmung, die die Bahá’í-Welt zur nächsten Phase beim Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen führen wird. Aber jenseits der Aufmerksamkeit, die auf diese Aufgaben gerichtet wird, gibt es noch eine dringende Herausforderung, vor der wir stehen: Unsere Kinder müssen geistig genährt und in das Leben der Sache Gottes integriert werden. Man darf nicht zulassen, dass sie ziellos in einer Welt umherirren, die voll von moralischen Gefahren ist. Im gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft sehen sich die Kinder einem grausamen Schicksal gegenüber. Millionen und Abermillionen von ihnen sind in allen Ländern sozial entwurzelt. Die Kinder sind ihren Eltern und der Erwachsenenwelt gegenüber entfremdet, ob sie nun unter armen oder reichen Lebensbedingungen leben. Diese Entfremdung hat ihre Wurzeln in der Selbstsucht, die aus dem Materialismus entsteht, welcher sich im Kern der Gottlosigkeit befindet, die die Herzen der Menschen überall erfasst. Die soziale Entwurzelung der Kinder unserer Zeit ist ein sicheres Anzeichen einer Gesellschaft des Niedergangs; dieser Zustand beschränkt sich jedoch nicht auf eine Rasse, Klasse, Nation oder wirtschaftliche Bedingung – er betrifft alle. Es betrübt unsere Herzen, zutiefst festzustellen, dass in vielen Teilen der Welt Kinder als Soldaten benutzt, als Arbeiter ausgebeutet, in die Sklaverei verkauft, in die Prostitution gezwungen, zum Objekt für Pornographie herabgewürdigt, von Eltern, deren Denken nur um ihre eigenen Begierden kreist, verlassen werden oder auf andere Arten – zu zahlreich, um sie aufzuzählen – zu Opfern gemacht werden. Viele dieser Schrecken fügen Eltern selbst den eigenen Kindern zu. Der hieraus entstehende geistige und psychologische Schaden kann überhaupt nicht abgeschätzt werden. Unsere weltweite Gemeinde kann den Folgen dieser Zustände nicht entfliehen. Das Bewusstsein dieser Tatsache sollte uns alle zu dringlichen und beständigen Anstrengungen für die Interessen von Kindern und der Zukunft antreiben. Obgleich Aktivitäten für Kinder auch ein Teil früherer Pläne waren, haben sie dem tatsächlichen Bedarf auf diesem Feld nicht annähernd entsprochen. Geistige Erziehung von Kindern und Junioren ist von größter Bedeutung für den weiteren Fortschritt der Gemeinde. Es ist daher geboten, Abhilfe für diesen Mangel zu schaffen. Die Institute müssen sicherstellen, dass ihre Programme die Ausbildung von Kinderklassenlehrern mit einschließen, die dann den örtlichen Gemeinden ihre Dienste zur Verfügung stellen können. Aber wenn auch eine geistige und schulische Ausbildung für Kinder wesentlich ist, bildet dies doch nur einen Teil dessen, was in die Entwicklung ihres Charakters und in ihre Persönlichkeitsbildung einfließen muss. Es ist notwendig, dass der Einzelne und die Institutionen auf allen Ebenen, d. h. die Gemeinde als Ganzes, Kindern gegenüber eine angemessene Haltung zeigen und sich allgemein für ihr Wohlergehen interessieren. Eine solche Einstellung sollte sich völlig abheben von derjenigen einer schnell zerfallenden Ordnung. Kinder sind der kostbarste Schatz, den eine Gemeinde besitzen kann, denn in ihnen
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liegt die Verheißung und die Garantie für die Zukunft. In ihnen liegt keimhaft der Charakter der zukünftigen Gesellschaft, der im Wesentlichen durch das gebildet wird, was die Erwachsenen der Gemeinde für die Kinder tun oder zu tun versäumen. Sie sind ein Pfand, das keine Gemeinde ungestraft vernachlässigen darf. Eine allumfassende Liebe für die Kinder, die Art, wie man sie behandelt, die Qualität der ihnen geschenkten Aufmerksamkeit, der Geist, mit dem sich Erwachsene ihnen gegenüber verhalten – dies alles gehört zu den lebenswichtigen Aspekten der erforderlichen Einstellung. Liebe erfordert Disziplin, den Mut, Kinder an Mühsal zu gewöhnen, nicht allen ihren Launen nachzugeben und sie nicht ihren eigenen Neigungen ganz zu überlassen. Es muss eine Atmosphäre gewahrt werden, in der Kinder fühlen, dass sie zur Gemeinde gehören und sich an ihrem Ziel beteiligen. Sie müssen liebevoll aber nachdrücklich dahin geführt werden, nach den Bahá’í- Maßstäben zu leben und die Sache Gottes in einer Weise zu erforschen und zu lehren, wie es ihrem Lebensumfeld entspricht. Unter den Jugendlichen in der Gemeinde sind auch die Junioren, im Alter etwa zwischen 12 und 15. Sie bilden eine besondere Gruppe, die besondere Bedürfnisse hat, da sie sich irgendwo zwischen Kindheit und Jugend befinden und viele Veränderungen in ihnen vorgehen. In schöpferischer, hingebungsvoller Aufmerksamkeit gilt es, sie an Programmen für Aktivitäten zu beteiligen, sie dabei mit ihren Interessen einzubeziehen, ihre Befähigungen für das Lehren und den Dienst zu bilden und sie in die sozialen Interaktionen mit älteren Jugendlichen einzubinden. Die Einbeziehung der Künste in ihren verschiedenen Formen kann in solchen Aktivitäten von großem Wert sein. Und nun möchten wir einige Worte an Eltern richten, die bei der Erziehung ihrer Kinder die Hauptverantwortung tragen. Wir rufen sie auf, ihre ständige Aufmerksamkeit auf die geistige Erziehung ihrer Kinder zu richten. Es scheint, dass einige Eltern annehmen, dies liege ausschließlich in der Verantwortung der Gemeinde; andere glauben, dass die Unabhängigkeit der Kinder bei der Erforschung der Wahrheit gewahrt bleiben müsse und deshalb der Glaube ihnen nicht gelehrt werden dürfe. Wiederum andere fühlen sich unfähig, diese Aufgabe zu bewältigen. Nichts davon trifft zu. Der geliebte Meister sagte: “Vater und Mutter sind verpflichtet, Tochter und Sohn mit größter Anstrengung auszubilden”, und fügte hinzu: “Wer diese Aufgabe vernachlässigt, der wird in Gegenwart des gestrengen Herrn zur Rechenschaft gezogen und mit Vorwürfen überhäuft werden.” Unabhängig vom Niveau ihrer eigenen Ausbildung sind Eltern in der entscheidenden Lage, die geistige Entwicklung ihrer Kinder zu formen. Sie sollten unter keinen Umständen ihre Fähigkeit, den moralischen Charakter ihrer Kinder zu bilden, unterschätzen. Denn sie üben einen unersetzbaren Einfluss durch die häusliche Umgebung aus, die sie bewusst durch ihre Liebe zu Gott, ihr Bemühen, sich an Seine Gesetze zu halten, ihren Geist des Dienstes für Seine Sache, ihre nicht fanatische Einstellung und ihre Freiheit von den zersetzenden Wirkungen der üblen Nachrede schaffen. Jeder Elternteil, der an die Gesegnete Schönheit glaubt, hat die Verantwortung sich in solcher Weise zu benehmen, wodurch bei den Kindern spontan der Gehorsam gegenüber den Eltern entsteht, dem die Lehren solch hohen Wert beimessen. Natürlich sollten die Eltern zusätzlich zu ihrem Bemühen im Hause die von der Gemeinde eingerichteten Bahá’í- Kinderklassen unterstützen. Man muss auch daran denken, dass die Kinder in einer Welt leben, die sie
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durch den direkten Kontakt mit den Schrecken, die wir beschrieben haben, und durch die unvermeidliche Überflutung der Massenmedien über die rauhen Realitäten informiert. Viele von ihnen werden daher zwangsläufig vorzeitig reif, und unter diesen gibt es solche, die nach Maßstäben und einer Disziplin suchen, nach der sie ihr Leben ausrichten können. Auf diesem düsteren Hintergrund einer dekadenten Gesellschaft sollten Bahá’í-Kinder als die Sinnbilder einer besseren Zukunft strahlen. Wir hegen die lebhaftesten Erwartungen, wenn wir daran denken, dass die Kontinentalen Berater sich im Januar 2001 aus einem Anlass versammeln werden, bei dem wir den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Gottes feiern werden. Hilfsamtsmitglieder aus der ganzen Welt werden mit ihnen an einer Versammlung teilnehmen, die sich zweifellos als eines der historischen Ereignisse des Gestaltenden Zeitalters erweisen wird. Die Zusammenkunft eines solchen Kreises von Bahá’í- Amtsträgern muss allein naturgemäß für eine Gemeinde, die dann kurz vor dem Ende eines Planes und dem Eintritt in einen neuen Plan stehen wird, zahllose Wohltaten bringen. Während wir über diese Auswirkungen nachsinnen, wenden wir uns mit dankbaren Herzen an die geliebten Hände der Sache Gottes ‘Alí-Akbar Furútan und ‘Alí Muhammad Varqá, die durch ihren Aufenthalt im Heiligen Land die Fackel des Dienstes hochhalten, die der geliebte Hüter in ihren Herzen entzündet hat. Mit diesem Zwölf-Monate-Plan überqueren wir eine Brücke, zu der wir niemals zurückkehren werden. Wir beginnen diesen Plan in der Abwesenheit von ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum aus diesem irdischen Dasein. Sie blieb bei uns praktisch bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts als ein Strahl jenes Lichtes, das während jener unvergleichlichen Periode in der Geschichte der Menschheit schien. In den Sendschreiben zum Göttlichen Plan beklagte der Meister Seine Unfähigkeit, durch die Welt zu reisen, um den göttlichen Ruf zu erheben, und da er Seine Enttäuschung so intensiv fühlte, schrieb Er die Hoffnung nieder: “Es möge Gott gefallen, dass ihr es erreicht!” ‘Amatu’l-Bahá reagierte darauf mit grenzenloser Energie, berührte weit verstreute Gegenden dieser Erde in den 185 Ländern, die dazu ausersehen waren, ihre unvergleichlichen Geschenke zu erhalten. Ihr Beispiel, das für immer seinen Glanz behalten wird, erleuchtet die Herzen von Tausenden und Abertausenden auf dem ganzen Erdball. Da jede andere Geste unangemessen erscheint, sollten wir nicht alle während dieses Planes unsere demütigen Bemühungen dem Gedenken jener widmen, für die Lehren das oberste Ziel, die vollkommenste Freude des Lebens war? Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
18. Juli 2000 Bahá’í Ordnung und Demokratie
(an einen einzelnen Gläubigen) Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat Ihr Schreiben vom 31. Mai 2000 erhalten und hat uns gebeten Ihnen die folgende Antwort zu schicken.
Lieber Bahá´í Freund,
Auf Ihre Frage „Wie muss ich die Förderung einer Bahá´í Demokratisierung verstehen?“ gibt es sowohl eine einfache als auch eine komplexere Antwort und das Haus der Gerechtigkeit ist der Meinung, dass es wünschenswert ist, die Angelegenheit von beiden Blickpunkten aus zu betrachten. Zunächst einmal verstehen Sie als Bahá´í, der über viele Jahrzehnte hinweg einen herausragenden Dienst in seiner Gemeinde geleistet hat, dass die Bahá´í Verwaltungsordnung ein integraler Bestandteil der Offenbarung Bahá´u´lláhs ist; es ist ein göttlich entworfenes System, das, wie der Hüter in Die Sendung Bahá´u´lláhs erklärt, „in ihrer Struktur gewisse Elemente vereinigt, die in jeder der drei anerkannten Arten weltlicher Herrschaftsform zu finden sind, ohne doch in irgendeiner Hinsicht eine bloße Wiederholung einer von ihnen zu sein und ohne in ihren Mechanismus irgendwelche der zu beanstandenden Kennzeichen einzuführen, die jenen angestammtermaßen eigen sind. Sie verschmilzt und bringt, wie keine von sterblicher Hand geformte Herrschaft es jemals vollbracht hat, die zweifellos in jedem dieser Systeme enthaltenen gesunden Bestandteile miteinander in Einklang, ohne die Reinheit jener gottgegebenen Wahrheiten, auf die sie sich letzten Endes gründet, zu verfälschen.” (Weltordnung Bahá’u‘lláhas, S. 219)
Es ist die ständige Aufgabe der Bahá´í, ihr Verständnis der Prinzipien, auf denen die Verwaltungsordnung aufbaut, zu steigern und die Glaubenskraft, mit der sie diese Prinzipien in ihren Handlungen umsetzen, zu stärken. Beim jetzigen Abschnitts in der Entwicklung des Glaubens ist die Bildung nationaler und lokaler Bahá´í Institutionen von besonderer Dringlichkeit. Sollte daher mit „der Förderung der Bahá´í Demokratisierung“ eine Ausweitung der zunehmend verantwortungsvollen Beteiligung der einzelnen Mitglieder in der Gemeindearbeit gemeint sein, so wäre dies höchst lobenswert und sollte eine anhaltende Bemühung der Bahá´í Institutionen sein. Diese ist die einfache Antwort. Aber wenn die Absicht die ist, dass die Bahá´í Verwaltungsordnung verändert werden sollte um den gegenwärtigen Konzepten politischer Demokratie näher zu kommen, so wird dadurch eine Reihe komplexerer Themen aufgeworfen. In Die Sendung Bahá´u´lláhs führt Shoghi Effendi den Nachweis eines „nichtautokratischen Charakters der Bahá´í Verwaltungsordnung und ihre Neigung zu demokratischen Methoden in der Verwaltung ihrer Angelegenheiten“, aber dies rechtfertigt nicht die Forderung, das System zu ändern, welches in den Schriften Bahá´u´lláhs und
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Abdu´l-Bahás und in den Erläuterungen Shoghi Effendis festgelegt ist. Ein solcher Versuch, egal ob als die „Förderung der Bahá´í Demokratisierung“ bezeichnet oder nicht, würde den klaren Lehren des Glaubens widersprechen. Die Einbeziehung der in ihrem Brief enthaltenen verschiedenen spezifischen Fragen wird zur Klarstellung dieses Unterschieds beitragen. Im zweiten Absatz ihres Schreibens sagen Sie, dass Ihrem Verständnis nach die Bahá´í Weltordnung „mindestens zu 80% eine theokratisch-aristokratische Ordnung“ sei. Da ja die Ordnung Bahá´u´lláhs ein integraler Bestandteil der göttlichen Offenbarung ist, die Er als eine Manifestation Gottes uns gegeben hat, könnte man sagen, dass diese Ordnung im Wesentlichen theokratisch ist, aber insofern als ihr jede Form von Klerus oder Priestertum fehlt , ist sie keineswegs eine „Theokratie“ in dem Sinne, wie dieser Begriff allgemein verwendet und verstanden wird. In ähnlicher Weise steht das Charakteristikum der Aristrokratie (Herrschaft der Besten) wie sie im Glauben vorkommt, in scharfem Gegensatz zum allgemeinen Verständnis dieses Begriffs. Frei von Wahlpropaganda oder externem Druck wie er durch wirtschaftliche Mächte oder Manipulation durch die Presse entsteht, versucht der Gläubige jene Personen in seine regierenden Institutionen zu wählen, die er als die Qualifiziertesten für ein solches Amt einschätzt. Die gewählten Mitglieder sind dann Gott und ihrem Gewissen verantwortlich, anstatt jenen gegenüber, die sie gewählt haben. Sie sind zweifellos mit den Worten Shoghi Effendis in Bahá´í Administration über das Verhalten und die Verantwortung der Mitglieder von Räten vertraut: Die Pflichten derer, die die Freunde frei und gewissenhaft als ihre Vertreter gewählt haben, sind nicht weniger lebenswichtig und bindend als die Pflichten jener, die sie gewählt haben. Es ist nicht ihre Aufgabe zu befehlen, sondern zu beraten, und nicht nur untereinander zu beraten, sondern soviel wie möglich auch mit den Freunden, die sie vertreten. Sie selbst sollten sich in keinem anderen Licht sehen, denn als erwählte Werkzeuge für die noch wirksamere, noch würdigere Vertretung der Sache Gottes. Niemals sollten sie sich zu der irrigen Meinung verleitet lassen , sie seien die Schmuckstücke im Mittelpunkt der Sache Gottes, den anderen wesenhaft überlegen an Fähigkeiten und Verdienst die alleinigen Förderer göttlicher Lehren und Prinzipien. Mit tiefster Demut sollten sie an ihre Aufgabe herangehen und bestrebt sein, durch ihre Aufgeschlossenheit , ihrem hohen Sinn für Gerechtigkeit und Pflichtbewusstsein, ihre Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, völlige Hingabe an die Wohlfahrt und die Interessen der Freunde, an die Sache Gottes und die Menschheit, nicht nur das Vertrauen, die wirksame Unterstützung und den Respekt derer die sie vertreten zu gewinnen, sondern auch ihre Wertschätzung und echte Zuneigung. Zu allen Zeiten müssen sie den Geist der Abgeschlossenheit und den Geruch der Geheimniskrämerei vermeiden, müssen sich von anmaßendem Benehmen freimachen und jede Art von Vorurteil und Leidenschaft aus ihren Handlungen verbannen. Innerhalb der Grenzen weiser Zurückhaltung sollten sie die Freunde ins Vertrauen ziehen, sie mit ihren Plänen vertraut machen, ihre Probleme und Sorgen mit ihnen teilen und ihren Rat und ihre Unterstützung suchen. Und wenn sie zu einem bestimmten Entschluss kommen müssen, sollten sie sich nach leidenschaftsloser, bedachter und aufrichtiger Beratung, Gott im Gebet zuwenden; sie
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sollten mit Ernst, Überzeugung und Mut ihre Stimmen abgeben und sich an die Stimme der Mehrheit halten, die – wie unser Meister gesagt hat - die Stimme der Wahrheit ist, die niemals angezweifelt werden darf und die immer vorbehaltlos durchgesetzt werden muss . Dieser Stimme der Wahrheit müssen die Freunde aufrichtig folgen und als das einzige Mittel betrachten, um den Schutz und den Fortschritt der Sache Gottes zu sichern . (Geistige Räte – Häuser der Gerechtigkeit, S 25 und S. 20)
Wie bereits oben angemerkt, ist die Art und Weise, in der Gläubige Mitglieder der gewählten Institutionen werden, demokratisch. Sie ist sogar weit demokratischer als jene Methoden, nach denen die Mitglieder der meisten Parlamente gewählt werden. Das Bahá´í Wahlsystem ist von der Macht und dem Handel der Parteien und Fraktionen und der Manipulation durch bestehende Interessengruppen vollkommen frei. Jedem Wähler steht es frei, seine oder ihre Stimme jenen zu geben, die er oder sie aussucht. Heutzutage ist selbst in den besten Demokratien der treibende Beweggrund bei Wahlen der Wunsch eines jeden Politikers, an die Macht zu kommen, um jenes Programm, das er besonders bevorzugt, in die Tat umzusetzen zu können – die Wahl wird zu einem Wettkampf, welchen die sich selbst zur Schau stellenden Kandidaten entweder „gewinnen“ oder „verlieren“. Die Wählerschaft wird als eine Masse angesehen, die es durch Rhetorik und verschiedene Formen der Beeinflussung zu bestimmen gilt, den einen oder anderen Kandidaten zu unterstützen. Im Bahá´í System jedoch sind die Wähler die aktive Kraft und ihre Motivation besteht darin, jene Individuen zu wählen, die zum Dienst in der Institution am besten geeignet sind. Die gewählten Personen sind im Wahlprozess passiv (ausser in ihrer Rolle als Wähler) und nehmen die Wahl als eine Pflicht zum Dienst an der Gemeinschaft und in Antwort auf den Wunsch der Wählerschaft an. Anders ausgedrückt, unterscheiden sich die Systeme grundlegend in ihrem Geist: beim einen ist es ein Machtstreben, beim anderen ist eine Übernahme der Verantwortung zum Dienst. Sie erwähnen Verschiedenes, was sie als die kennzeichnendsten demokratischen Prinzipien und Werte beschreiben. Dazu gehören Transparenz, Rechenschaft, Pressefreiheit und der kritische Dialog. Ebenso wie sich der zugrundeliegende Geist des Bahá´í Systems von jenem unterscheidet, der die meisten gängigen demokratischen Systeme antreibet, unterscheiden sich auch die Methoden bei der Anwendung dieser Prinzipien und die Haltung der Betroffenen. Im allgemeinen kann gesagt werden, dass moderne Demokratien als das Ergebnis des Versuchs zur Einschränkung der Macht absoluter Monarchien, Diktaturen, oder bestimmter herrschender Schichten entstanden sind. Dies kann schrittweise über Jahrhunderte oder umbruchartig durch eine Reihe von Revolutionen entstanden sein. Somit verbleibt auch nach dem Aufbau demokratischer Verfassungen und Strukturen ein Misstrauen gegenüber der Autorität als solcher, und eine Spannung zwischen dem Maß von Freiheit, die dem einzelnen Bürger gewährt wird,l und dem Aufbürden einer ausreichenden allgemeinen Disziplin zum Schutz der Schwachen gegen die selbstischen Ziele der Starken in der Gesellschaft. Die Anwendung von Transparenz, Rechenschaft, Pressefreiheit und des kritischen Dialogs ist somit von einem Geist eines Partisanentums getragen, das leicht in ein gnadenloses Eindringen in die Privatsphäre, die Verbreitung von Verleumndung,
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übertriebenes Misstrauen und in den Missbrauch der Nachrichtenmedien durch besondere Interessengruppen verfällt. Die Reaktion jener, die sich gegen solche Auswüchse des Systems zur Wehr setzen, führt zu Geheimnistuerei, Verheimlichung unbequemer Tatsachen und des umgekehrten Missbrauchs der Medien – zusammengefasst eine andauernde Disharmonie im Geflecht der Gesellschaft. Im Gegensatz zu diesen Mustern, die aus dem traditionellen Antagonismus erwachsen, beruht das Bahá´í System auf den Idealen der Einheit, Harmonie, Gerechtigkeit, Vielfalt und Nachsicht beim Aufbau einer göttlich geplanten administrativen Struktur durch einen Prozess des gegenseitigen Lernens und Entdeckens. Wie bereits erwähnt, fehlt das Element des Machtstrebens völlig. Von allen Mitgliedern einer Bahá´í Gemeinde wird unabhängig von ihrer momentanen Stellung, die sie in der administrativen Struktur einnehmen, erwartet, sich selbst in einen Lernprozess wahrzunehmen, bei dem sie danach streben, die Gesetze und Prinzipien des Glaubens zu verstehen und anzuwenden. Als Teil dieses Prozesses werden die Räte ermutigt ihre Hoffnungen und Bemühungen und Neuigkeiten bei den Entwicklungen den Mitgliedern der Gemeinde ständig mitzuteilen und ihre Ansicht und Unterstützung zu suchen. Es gibt natürlich Themen wie die persönlichen Probleme eines Gläubigen, die er (oder sie) bei der Suche nach Hilfe an seinen Rat heranträgt, oder die Höhe der Spenden einzelner Gläubiger an die Fonds und so weiter, über die der Rat absolute Vertraulichkeit wahren muss. Wie in jedem gerechten Regierungssystem muss das richtige Gleichgewicht zwischen den Extremen gesucht und gefunden werden. In diesem Zusammenhang werden Sie sich and diese Aussage Shoghi Effendis in Bahá´í Administration erinnern: Lasst uns auch immer eingedenk sein, dass der Grundton der Sache Gottes nicht diktatorische Gewalt, sondern demütige Gemeinschaft ist, nicht willkürliche Macht, sondern der Geist freier und liebevoller Beratung.. Nichts außer dem Geist eines wahren Bahá´í kann je hoffen, die Prinzipien der Gnade und Gerechtigkeit, der Freiheit und des Gehorsmas , der Heiligkeit persönlicher Rechte und der Selbsthingabe, der Wachsamkeit, Verschwiegenheit und Vorsicht einerseits und der Freundschaft, der Offenheit und des Mutes andererseits n zu versöhnen. (Geistige Räte – Häuser der Gerchtigkeit, S.25)
Wo auch immer man ein fehlerhaftes Funktionieren in der Bahá´í Gemeinde findet, kann dies auf ein Versagen zurückgeführt werden, die Gesetze, Prinzipien und Methoden, die in den Schriften niedergelegt sind, richtig anzuwenden. Das Überwinden solcher Unzulänglichkeiten ist Teil des Lernprozesses, an dem alle Bahá´í beteiligt sind. Das bleibende Ziel der Institutionen der Bahá´í Gemeinde besteht darin – egal ob durch Sommerschulen und Trainingsinstituten, durch die Weiterentwicklung der 19-Tagefeste und der Nationaltagungen, oder durch den tagtäglichen Austausch mit den Freunde – den einzelnen Gläubigen zu befähigenzu lernen, wie sie ihr Leben mit zunehmendem Wissen, Weisheit, Einheit und Erfolg in Einklang mit den Lehren Bahá´u´lláhs leben. Darüberhinaus gibt es in der Bahá´í Verwaltungsordnung außer den Geistigen Räten auch die Institutionen der Kontinentalen Beraterämter und ihrer Hilfsämter. Ihr Bestreben bei den Einzelnen, der Gemeinde und den Institutionen ist darauf gerichtet, den wahren
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Geist des Glaubens zu erhalten, die leitenden Institutionen zu beraten und ihnen zu helfen die ihnen durch Bahá´u´lláh und den Meister aufgestelleten hohen Ideale zu erreichen. Wie das Haus der Gerechtigkeit in einem Brief vom 24. April 1972 schrieb: „Die Existenz von Institutionen solch erhabenen Ranges, zusammengesetzt aus Personen, denen eine solche lebenswichtige Aufgabe gegeben ist, die trotzdem weder gesetzgebende, administrative noch rechtliche Autorität besitzen, und die vollkommen frei sind von priesterlichen Funktionen oder dem Recht, autoritative Auslegungen zu geben, ist eine Eingeschaft der Bahá’í-Verwaltung, die keine Paralelle in den Religionen der Vergangenheit findet“ (Botschaften, Bd. II, S. 134)
Das Haus der Gerechtigkeit kommentierte weiter, dass nur durch den Wachstum der Bahá´í Gemeinden und der steigenden Fähigkeit der Gläubigen unbeeinflusst von Konzepten vergangener Zeitalter über die administrativen Strukturen nachzusinnen, die lebenswichtige gegenseitige Abhängigkeit dieser zwei Arme der Administration richtig verstanden und der Wert ihrer Zusammenarbeit vollständig erkannt werden wird. Zwei andere von ihnen angeschnittene Themen verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit. Die direkte Wahl der Hauptinstitutionen einer Gesellschaft kann schwerlich als ein bedeutendes, demokratisches Prinzip angesehen werden. Zum Beispiel wird in den Vereinigten Staaten von Amerika der Präsident durch eine Wählerkollegium gewählt, deren Mitglieder in einzelnen Staaten durch das Volk gewählt werden. In einigen anderen Ländern wird der Präsident durch das Parlament und nicht durch das Volk gewählt. Jedoch kann die direkte Wahl, egal ob sie ein demokratisches Prinzip ist oder nicht, in der Bahá´í Religion nicht angewandt werden, denn es ist in den Heiligen Schriften niedergelegt, dass das Universale Haus der Gerechtigkeit in einer dreistufigen Wahl gewählt werden muss, und Nationale Geistige Räte das Ergebnis einer zweistufigen Wahl sein müssen. Zuletzt bleibt die Frage, dass die Mitgliedschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf Männer beschränkt ist. Auch dies ist eine Vorgabe der Heiligen Schriften, die sowohl von Abdu´l-Bahá als auch dem Hüter klar dargestelt wurde. Es muss im Licht des oben erwähnten Prinzips betrachtet werden, dass die Wahl in eine Institution der Bahá´í Administration als ein Ruf zum Dienst und nicht als ein Aufstieg zur Macht gesehen wird. Es ist ausserdem bedeutsam, dass das Universale Haus der Gerechtigkeit selbst schreibt, dass die Tatsache, dass seine Mitgliedschaft auf Männer beschränkt ist, nicht als Hinweis darauf benutzt werden kann, dass Männer den Frauen überlegen sind oder dass das Bahá´í Prinzip der Gleichwertigkeit der Geschlechter ungültig ist. Wie Sie wissen, ist es ein Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, die Verwirklichung der Gleichwertigkeit von Männern und Frauen sicherzustellen, und Sie sind sich zweifellos des Nachdrucks, mit der Bahá´í dies in die Tat umsetzen, bewusst. Dieses Thema wurde ausgiebig in einem Brief vom 31. Mai 1988 an den Nationalen Geistigen Rat der Bahá´í von Neuseeland behandelt, der zu Ihrer Information in Kopie beigefügt ist. Das Haus der Gerechtigkeit hofft, dass diese Anmerkungen Ihnen helfen werden die Verwirrung die, wie Sie schreiben, Sie beschäftigt, aufzulösen. Mit liebevollen Bahá´í Grüssen, Im Auftrag der Sekretariatsabteilung
13. August 2000 Funktionsweise der Bahá´í Verwaltungsordnung
13. August 2000 Funktionsweise der Bahá´í Verwaltungsordnung
An alle Nationalen Geistigen Räte, 13. August 2000 Liebe Bahá´í Freunde,
vor kurzem wies uns das Universale Haus der Gerechtigkeit an, eine Antwort an einen Freund zu verfassen, der einige Fragen nach der Funktionsweise der Bahá´í Verwaltungsordnung gestellt hatte. Das Haus ist der Meinung, dass diese Antwort auch für andere Gläubige von Interesse sein kann, wie auch für Nationale Geistige Räte, die gebeten werden könnten, ähnliche Fragen zu beantworten. Daher ist eine Kopie dieses Schreibens zusammen mit seiner Anlage für jeden Nationalen Rat beigefügt. Letzteres ist die Kopie eines Briefes des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen Rat der Bahá´í von Neuseeland vom 31. Mai 1988. Obwohl es seinerzeit bereits unter einige Nationale Räte verbreitet wurde, ist das Haus der Gerechtigkeit der Meinung, dass es hilfreich sein kann, wenn alle Nationalen Räte es jetzt erhalten. Es steht Ihnen frei diese Verlautbarungen den Bahá´í in Ihrem Verantwortungsbereich mitzuteilen, wenn Sie es für angemessen halten Mit liebevollen Bahá´í Grüssen, Sekretariatsabteilung
12. September 2000 Zur Verwendung des Größten Namen
Aufgrund einer Anfrage, ob die Verwendung des Größten Namens ‘Alláh-u-Abhá’ in den Pflichtgebeten auch in Übersetzungen möglich ist, erhielt der Nationale Geistige Rat in einem Schreiben des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 12. September 2000 folgende Antwort: “Im langen Pflichtgebet, wenn der Betende den Größten Namen sprechen soll, und im Totengebet, wenn der Größte Name sechsmal wiederholt wird, sind die dabei zu verwendenden Worte ‘Alláh-u-Abhá’ und nicht ihre Übersetzung in die eine oder andere Sprache unserer eigenen Wahl. In gleicher Weise sollte beim täglichen fünfundneunzigmaligen Wiederholen des Größten Namens ‘Alláh-u-Abhá’ verwendet werden.”
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
24. September 2000 Drei wichtige Konferenzen von globaler Bedeutung „zur Morgendämmerung des neuen Milleniums“
An alle Nationalen Geistigen Räte Liebe Bahá‘í-Freunde,
In seiner Ridván-Botschaft 2000 wies das Universale Haus der Gerechtigkeit voll aufmerksamer Erwartung auf die in diesem Jahr stattfindenden Milleniumskonferenzen hin, die sich mit dringend lösungsbedürftigen globalen Fragen beschäftigen würden, sowie damit, wie die Vereinten Nationen diese angehen sollten. In der ersten Woche dieses Monats versammelte sich in New York der Milleniumsgipfel der Vereinten Nationen als letzte und wichtigste dreier zusammenhängender Veranstaltungen, und zwar unter der Beteiligung der größten Anzahl von Staats- und Regierungschefs, die jemals versammelt gewesen war. Im Hinblick auf die historische Bedeutung dieser und der beiden früheren Veranstaltungen und in Anbetracht der hervorgehobenen Beteiligung von Vertretern der Internationalen Bahá‘í-Gemeinde an allen drei Ereignissen, hat uns das Universale Haus der Gerechtigkeit gebeten, das Folgende mitzuteilen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen rief auf der Sitzung der Vollversammlung 2000 zu einer Versammlung der Führer der Welt auf. Zugleich wies er darauf hin, dass es seiner Ansicht nach gewinnbringend wäre, dabei auch die Ansichten und Empfehlungen der zivilgesellschaftlichen Organisationen einzuholen. Dies war die Geburtsstunde der Idee zu einem Millenium- Forum. Auch ein anderer Gedanke konnte die freundliche Unterstützung des Generalsekretärs gewinnen: dass ein dem Frieden gewidmetes Treffen religiöser und geistiger Führer die Arbeit der Vereinten Nationen verbessern würde.
Millenium-Forum
So versammelten sich auf dem Millenium-Forum, dem ersten dieser großen Zusammenkünfte, vom 22. - 26. Mai mehr als 1.000 Repräsentanten von Nicht-Regierungsorganisationen aus über 100 Ländern, “um über die Rolle der Vereinten Nationen angesichts der globalen Herausforderungen zu beraten, denen sich die Menschheit im 21. Jahrhundert gegenüber sieht“. Sie konzentrierten ihre Beratungen auf die folgenden besonderen Themen: 1. Frieden, Sicherheit und Abrüstung 2. Beseitigung der Armut, einschließlich Schuldenerlass und soziale Entwicklung 3. Menschenrechte 4. Nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz 5. Den Herausforderungen der Globalisierung begegnen: Ausgleich, Gerechtigkeit und Vielfalt erreichen 6. Die Vereinten Nationen und internationale Organisationen stärken und demokratisieren. Als Ergebnis nahmen die Teilnehmer des Millenium-Forums eine Erklärung an, um
24. September 2000 Drei wichtige Konferenzen von globaler Bedeutung „zur Morgendämmerung
sie den Führern der Welt auf dem nachfolgenden Milleniumsgipfel zu unterbreiten. Darin stellen sie ihre eigenen Visionen vor und sprechen ihre Empfehlungen für eine Belebung der Vereinten Nationen aus. „Nach unserer Vision“, so erklärten diese Repräsentanten der Zivilgesellschaft, „sind wir alle eine menschliche Familie, in all unserer Mannigfaltigkeit, leben in einem gemeinsamen Heimatland und teilen eine gerechte, erhaltbare und friedvolle Welt, die geleitet wird von den universalen Prinzipien der Demokratie, Gleichheit, Einbeziehung, Freiwilligkeit, Nicht-Diskriminierung und Beteiligung aller... Es ist eine Welt, in der Frieden und Sicherheit der Menschen, wie sie in den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen vorgesehen sind, Bewaffnung, Gewaltkonflikte und Kriege ersetzen. Es ist eine Welt, in der jeder in einer sauberen Umwelt lebt und seinen gerechten Anteil an den globalen Ressourcen erhält. Unsere Vision sieht eine besondere Rolle sowohl für die energische Tatkraft junger Menschen als auch für die Erfahrung der Älteren vor und beteuert die Universalität, Unteilbarkeit und Unabhängigkeit aller Menschenrechte - bürgerlicher, politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller.“
Milleniums-Friedensgipfel
Der Milleniums-Friedensgipfel religiöser und geistiger Führer, der vom 28. - 31. August abgehalten wurde und mehr als 1000 Teilnehmer umfasste, stellte die zweite dieser Konferenzen dar. Die “ganz besondere Absicht” dieses Treffens religiöser Führer war, wie es in der einführenden Stellungnahme des Programmes heißt, “die Aussichten auf Frieden zwischen den Völkern und Nationen und im Innern jedes Einzelnen zu fördern”. Das Ergebnis dieses Friedensgipfels war die Annahme und Unterzeichnung einer Erklärung, die die Teilnehmer zu globalem Frieden verpflichtet. Nachdem festgestellt wird, dass “die Vereinten Nationen und die Religionen der Welt die gemeinsame Sorge um die Würde des Menschen, um Gerechtigkeit und Frieden teilen,” nachdem man anerkennt, dass “Männer und Frauen gleichberechtigte Partner hinsichtlich aller Aspekte des Lebens und Kinder die Hoffnung der Zukunft sind”, und man bestätigt, dass “Religionen zum Frieden in der Welt beigetragen haben, aber auch dazu missbraucht wurden, um Spaltung zu erzeugen und Feindschaft anzufachen,” fasst man den Beschluss, „mit den Vereinten Nationen und allen Männern und Frauen, die guten Willens sind, lokal, global und regional im Streben nach Frieden in all seinen Dimensionen zusammen zu arbeiten.“ Wie wir Ihnen bereits in unserem Brief vom 15. August 2000 mitgeteilt haben, vertrat der Generalsekretär der Internationalen Bahá‘í-Gemeinde, Herr Albert Lincoln, den Glauben bei dieser Gelegenheit. Er war unter den teilnehmenden „herausragenden religiösen und geistigen Führungspersönlichkeiten der Weltreligionen“ aufgeführt und man gab ihm die Gelegenheit, sowohl bei der Eröffnungsfeier ein Bahá‘í-Gebet zu sprechen, als auch auf der dritten Plenarsitzung am zweiten Tag der Veranstaltung zu sprechen, die in der Versammlungshalle der Vollversammlung abgehalten wurde. Sein Vortrag war eine gekürzte Fassung seiner schriftlichen Ausführungen, die unter den Teilnehmern verteilt wurden, so wie er in der Anlage enthalten ist 1.
Milleniumsgipfel
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Der Milleniumsgipfel, die dritte Veranstaltung und abschließender Höhepunkt, wurde als Antwort auf eine Resolution der Vollversammlung abgehalten, welche die Überzeugung zum Ausdruck gebracht hatte, dass “das Jahr 2000 ein einmaliger und in symbolischer Weise zwingender Moment ist, um eine belebende Vision der Vereinten Nationen im neuen Zeitalter zu artikulieren und zu bekräftigen”. Am letzten Tag nahmen die Führer von mehr als 150 Nationen einstimmig eine Deklaration an, die mit der Erklärung begann: “Wir, Staats- und Regierungsoberhäupter, haben uns vom 6. - 8. September 2000 im Sitz der Vereinten Nationen in New York versammelt, zur Morgendämmerung des neuen Milleniums, um unseren Glauben an die Organisation und ihre Charta als unentbehrliche Grundlagen einer friedvolleren, glücklicheren und gerechteren Welt zu bekräftigen.” Die Staatsführer betonten bestimmte “grundlegende Werte” — Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Toleranz, Respekt vor der Natur, gemeinsame Verantwortung — und beschlossen, auf Ziele hinzuarbeiten wie: - Frieden, Sicherheit und Abrüstung; - Entwicklung und Ausrottung der Armut; - Schutz unserer gemeinsamen Umwelt; - Menschenrechte, Demokratie und gute Regierungsführung; - Schutz der Schwachen; - Eingehen auf die besonderen Bedürfnisse Afrikas; - Stärkung der Vereinten Nationen.
Sie verpflichteten sich verbindlich auf den Weltfrieden und auf eine Weltordnung und schlossen ihre Erklärung mit diesem widerhallenden Aufruf: “Wir bekräftigen feierlich zu diesem historischen Anlass, dass die Vereinten Nationen das unentbehrliche gemeinsame Haus der gesamten menschlichen Familie sind, mit dessen Hilfe wir versuchen, unsere universale Sehnsucht nach Frieden, Zusammenarbeit und Entwicklung zu verwirklichen. Wir bekennen uns daher zu uneingeschränkter Unterstützung dieser gemeinsamen Ziele und zur Entschlossenheit, sie zu erreichen.” Es fällt besonders auf, dass derjenige, der vom Generalsekretär der Vereinten Nationen dazu bestimmt worden war, sich als Sprecher der Zivilgesellschaft an eine solchermaßen historische Versammlung zu wenden, Herr Techeste Ahdorum, der höchstrangige Vertreter der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen, war. Ihm wurde diese Ehre zu teil, da er beim Millenium-Forum der Vereinten Nationen den Mitvorsitz geführt hatte. Nachdem alle nationalen Führer gesprochen hatten und bevor der Gipfel am 8. September seine Erklärung annahm, hielt Herr Ahdorum eine Ansprache, in der er dieser beispiellosen Versammlung einen Bericht über das Forum übermittelte. Den Text dieser Rede finden Sie in der Anlage 1. Für jeden Beobachter, der von der Bahá‘í-Vision vom Frieden und den dazugehörenden Prozessen erfüllt ist, muss es in den Tat befriedigend sein, über das Wesen und die Tragweite dieser jüngsten Ereignisse nachzusinnen, die auch im Zusammenhang mit den vorangegangenen Weltkonferenzen zu sehen sind, an denen im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls Staatsoberhäupter beteiligt waren. Und es muss doppelt so aufregend sein zu erkennen, dass zu einer so frühen Entwicklungsstufe des Bahá‘í-Zeitalters Vertreter unserer internationa-
29. Oktober 2000 Ernennung von Mitgliedern der Kontinentalen Beraterämter
len Gemeinde so maßgeblich an diesen Ereignissen beteiligt waren, die Meilensteine auf dem Weg zu der neuen Weltordnung gesetzt haben, die so klar von der Feder Bahá’u’lláhs vorhergesehen wurde. Mit liebevollen Bahá‘í-Grüßen für die Sekretariatsabteilung
Anlage:
(1) Die Reden von Albert Lincoln, Generalsekretär der Internationalen Baha’i-Gemeinde, und Techeste Ahderom, Mit-Vorsitzender des Millenium-Forums, werden in der Zeitschrift One Country erscheinen.
29. Oktober 2000 Ernennung von Mitgliedern der Kontinentalen Beraterämter
An die Bahá’í der Welt Liebe Bahá’í-Freunde,
Der Tag des Bundes, der 26. November 2000, markiert den Beginn einer neuen fünfjährigen Phase des Dienstes für die Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter für den Schutz und die Verbreitung des Glaubens. Die Zahl dieser hochrangigen Vertreter der Sache bleibt bei einundachtzig. Wir freuen uns, die Namen der ernannten Berater bekannt zu geben: • Afrika (19 Berater): Beth Allen, George Allen, Beatrice Asare, Asfaw Tessema, Niaz Bushrui, Mehraz Ehsani (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Clément-Thyrrel Feizouré, Kobina Fynn, Ibrahim Galadima, Kamaye Moussa, Eddy Lutchmaya, Enos Makhele, Maina Mkandawire, Rachel Ndegwa, Muhammad Otmani, Ahmad Parsa, Garth Pollock, Antoinette Ziehi, Tiati à Zock. • Amerika (19 Berater): Eugene Andrews, Eloy Anello, Stephen Birkland, Gustavo Correa, Irma Nelly de Dooki, Abdu’l-Missagh Ghadirian, Angélica Huerta, Antonio Gabriel Marques, Hervé Masrour, Catherine Monajjem, Rebequa Murphy, Carmen Elisa de Sadeghian, Arturo Serrano, Crystal Shoaie, David Smith, Marilyn Smith, Leticia de Solano, Rodrigo Tomás (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Dorothy Whyte. • Asien (19 Berater): Fadel Ardakani, Baatar Uransaikhan, Nidavanur Baskaran, Irene Chung, Jabbar Eidelkhani, Bijan Farid, Elena Grouzkova, David Huang (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Humaida Jumalon, Lee Lee Ludher, Delafruz Nassimova, Lori Noguchi, Jaya Gopan Ramasamy, Lateef Rashid, Foad Reyhani, Payam Shoghi, Zena Sorabjee, George Soraya, Rosalie Tran. • Australasien (11 Berater): Beatrice Benson, Donald Blanks, David Chittleborough (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Jalal Mills, Sírús Naráqí, Manijeh Reyhani, Heather Simpson, Henry Tamashiro, Erama Ugaia, Robin White, Fereidoun Yazdani. • Europa (13 Berater): Fevziye Baki, Alla Borets, Uta von Both, Firouzeh Moghbel, Paul Öjermark, Patrick O’Mara (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Shahriar Razavi, Ilhan Sezgin, Nosrat Tirandaz, Nicola Towfigh, Larissa Tsutskova, Sohrab
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Youssefian, Ivo Zerbes.
Die folgenden Gläubigen, deren Beiträge zum Fortschritt des Glaubens unsere höchste Anerkennung verdienen, werden von ihren Pflichten als Mitglieder des Berateramtes entbunden: Borhanoddin Afshin, Ben Ayala, Hooshidar Balazadeh, Patricia Coles, Parvine Djoneydi, Wilma Ellis, Tod Ewing, Shidan Fat’he-Aazam, Linda Gershuny, Louis Hénuzet, Hizzaya Hissani, Nobuko Iwakura, Abbas Katirai, Zekrullah Kazemi, Kim Myungjung, Jacqueline Left Hand Bull, Betra Majmeto, Peter McLaren, Alejandra Miller, Perin Olyai, Nabil Perdu, Maija Pihlainen, Ruth Pringle, Polin Rafat, Daniel Ramoroesi, Shapour Rassekh,Cyrus Rohani, Vicente Samaniego, Isabel de Sánchez, Bruce Saunders, Errol Sealy, Edith Senoga, Farhad Shayani, Tiberiu Vajda, Lally Warren, Wingi Mabuku. Wir sind zuversichtlich, dass diese hervorragenden Freunde weiterhin mit der höchsten Tapferkeit und Selbstaufopferung auf dem Pfade Bahá’u’lláhs ihren Dienst leisten werden. Unsere inbrünstigen Gebete an der Heiligen Schwelle werden jeden Einzelnen von ihnen begleiten. Das im Vier-Jahres-Plan Erreichte wird jetzt konsolidiert und hat eine Wachstumsgeschwindigkeit erreicht, die sicherlich noch weiteren Schwung gewinnen wird. Der zu Ridván beginnende Fünf-Jahres-Plan ist voll großer Verheißungen. Bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen zur Verbreitung und zum Schutz des Glaubens werden die Berater und die Hilfsamtsmitglieder in Zusammenarbeit mit den Geistigen Räten und Regionalen Räten eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass der Entwurf und die Durchführung der Aktionspläne – von der nationalen bis zur örtlichen Ebene – den Erfordernissen der Stunde entsprechen. Die Berater aller Kontinente werden zu einer Beratung über die allgemeinen Aspekte des Fünf-Jahres-Planes vom 9. – 13. Januar 2001 ins Weltzentrum einberufen. Sie werden dort die Hilfsamtsmitglieder treffen, die sich aus der ganzen Welt dort versammeln werden, um an den Ereignissen aus Anlass des Einzugs des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Karmel teilzunehmen. Die erstmalige Zusammenkunft der Berater und der Hilfsamtsmitglieder im Heiligen Land aus einem so bedeutungsvollen Anlass wird den Aktivitäten, die sie anhaltend unterstützen müssen, weiteren Schwung verleihen. Wir beten aus tiefstem Herzen an der Heiligen Schwelle, dass diese ergebenen einundachtzig Seelen durch die Gnade von oben unterstützt werden mögen, wenn sie ihre ganze Energie aufwenden, das systematische Wachstum der Gemeinde weltweit zu fördern. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Das Universale Haus der Gerechtigkeit 29. Oktober 2000
28. November 2000 Fragen zum Pflichtgebet
28. November 2000 Fragen zum Pflichtgebet
Memorandum der Forschungsabteilung des Weltzentrums Der Nationale Geistige Rat des Vereinigten Königreiches bittet in seiner E-Mail vom 4. August 2000 um Klärung einer Anzahl von Details im Bezug auf das Pflichtgebet. Die vom Nationalen Rat gestellten Fragen sind von einem Hilfsamtsmitglied zur Sprache gebracht worden. Das Research Department in Haifa bietet folgende Erläuterungen an.
Das Sprechen des kurzen Pflichtgebets in Versammlungen
In Bezug auf die Frage, ob es angemessen ist, das kurze Pflichtgebet bei Versammlungen zu sprechen gibt der Auszug aus einem Brief im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 4. Juli 1995, den wir im Anschluss zitieren, folgende Erläuterung: „Hinsichtlich des Gebrauchs der Pflichtgebete ..., es ist klar, dass, wenn eines der drei Gebete als das vorgeschriebene tägliche Pflichtgebet gesprochen wird, der Betende die Pflicht hat die Anweisungen zu befolgen, die mit diesem verbunden sind. Obwohl es kein ausdrückliches Verbot gibt, diese Gebete, ganz oder teilweise, als übliches Gebet ohne die Kniebeugungen zu verwenden um eine Versammlung oder ein Fireside zu eröffnen oder zu schließen, wäre es besser, wenn dies unter den Freunden nicht zur Gewohnheit würde. Die Bahá’í haben so viele andere schöne Gebete, die von den Zwillingsoffenbarern und ‘Abdu’l- Bahá für solche Versammlungen offenbart wurden.“
Das Ersetzen von „Sohn“ durch „Tochter“
In Bezug darauf, ob es angemessen ist, als Frau das Wort „Sohn“ durch „Tochter“ beim Sprechen des Langen Pflichtgebets zu ersetzen, stellen wir folgenden Auszug aus einem Brief im Auftrag des Universalen Hauses vom 31. August 1997 zur Verfügung. Der Brief spricht genau diesen Punkt an: „Hinsichtlich Ihrer Frage ob es erlaubt ist, als Frau beim Sprechen des Langen Pflichtgebets zu sagen: „Ich bin Deine Magd, o mein Herr, und die Tochter Deiner Magd“, ist Ihr Verständnis richtig, dass der Hüter nicht wollte, dass die Bahá’í das Geschlecht der Pronomen und Nomen in den offenbarten Gebeten ändern. Der folgende Auszug aus einem Brief vom 14. Januar 1947, der in seinem Auftrag geschrieben wurde, drückt dies klar aus: „In Bezug auf die Frage, die Sie ihm gestellt haben: Wie Bahá’u’lláh selbst festlegte, kann im langen Totengebet das Geschlecht und „sein“ zu „ihr“, etc. verändert werden. Es ist erlaubt dies zu tun – nein sogar verpflichtend – aber in allen anderen Gebeten, einschließlich der für die Verstorbenen, müssen wir uns an den genauen Text halten und dürfen das Geschlecht nicht ändern.“ Dem Haus der Gerechtigkeit scheint es nicht angemessen, Shoghi Effendis Gebrauch bestimmter Nomen in seinen Übersetzungen zu verändern. Die Herausforderung besteht
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
also darin, den Gebrauch von Pronomen und bestimmten Nomen wie „Sohn“ und „Diener“ als Oberbegriff anzunehmen, was uns dazu führt, die Angelegenheit aus einer geistigen Sicht zu betrachten und nicht aus einer rein semantischen.“
Wiederholung des Größten Namens im Langen Pflichtgebet
Der Nationale Geistige Rat merkt an, dass es im Langen Pflichtgebet drei Stellen gibt, an denen man den Größten Namen dreimal wiederholen soll. Obwohl klar ist, dass im ersten Fall der/die Gläubige seine oder ihre Hände einmal erhebt und den Größten Namen dreimal wiederholt, fragt der Nationale Geistige Rat, ob es auch notwendig ist, die Hände an den zwei weiteren Stellen zu erheben. In Bezug auf die erste der drei Stellen, merkte das Universale Haus der Gerechtigkeit am 22. April 1991 an, dass durch die Anweisung „Darauf erhebe er die Hände und spreche dreimal den größten Namen“ der oder die Gläubige verpflichtet ist die Hände einmal zu erheben und, in Verbindung mit dieser Handlung, den größten Namen dreimal zu wiederholen. In Bezug auf die zweite und dritte Stelle hat die Forschungsabteilung bis jetzt keine bestimmte Anweisung finden können. Es ist jedoch aufschlussreich, die Wortwahl der Anweisungen zu betrachten: „Dann wiederhole er dreimal den Größten Namen, beuge sich nieder, lasse die Hände auf den Knien ruhen und spreche: ...“ „Dann wiederhole er dreimal den Größten Namen, beuge kniend die Stirn zur Erde und spreche: ...“ Im Gegensatz zur ersten Stelle, an dem das Erheben der Hände einen Teil der ausdrücklichen Anweisungen bildet, wird das Erheben der Hände im zweiten und dritten Fall nicht erwähnt.
Die Hände zweimal flehend erheben
Der Nationale Geistige Rat nimmt Bezug auf die Anweisung, im Stehen die Hände flehend zu erheben und die Worte, die darauf folgen, zu sprechen. Er fragt, „ob man jeden (der beiden) Absätze jedes Mal sprechen sollte, wenn man die Hände erhebt.“ Obwohl die Absicht der Frage der Forschungsabteilung nicht wirklich klar ist, stellen wir folgenden Auszug aus einem Brief im Auftrag des Universalen Hauses vom 22. April 1991 zur Verfügung. Der Brief spricht eine Frage an, die sich auf die Ausführung dieses bestimmten Teils des Langen Pflichtgebets bezieht: „Hinsichtlich der Anweisung „Dann stehe er auf, erhebe zweimal flehend die Hände und spreche: ...“ muss der Gläubige den Absatz der darauf folgt nicht zweimal lesen. Ob der Gläubige seine Hände zweimal erhebt, bevor er die Passage spricht oder ob er anfängt zu sprechen, nachdem er die Hände einmal erhoben hat und sie kurz darauf ein zweites Mal erhebt, liegt in seinem eigenen Ermessen.“
Botschaften und Briefe des Jahres 2001
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
9. Januar 2001 Konferenz der Kontinentalen Berater
Aus Anlass der Konferenz der Kontinentalen Berater, die im Januar im Heiligen Land stattfand, hat das Universale Haus der Gerechtigkeit zwei Botschaften herausgegeben. Die Botschaft vom 16. Januar 2001, die in der Februarausgabe der Bahá’í- Nach richten veröffentlicht wurde, richtete sich „an die Bahá’í der Welt“. Hatte das Universale Haus hier mit Blick auf die zurückliegende weltweite Entwicklung des Glaubens verkündet, dass nun die fünfte Epoche des Gestaltenden Zeitalters angebrochen sei, so weist die hier abgedruckte Botschaft vom 9. Januar 2001 auf die uns bevorstehende weitere Entwicklung und lässt die Umrisse des Fünfjahresplanes erkennen, der zu Ridván, also in weniger als zwei Monaten, beginnen wird.
An die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter Innig geliebte Freunde,
Vor fünf Jahren haben wir die im Heiligen Land versammelte Körperschaft der Berater dazu aufgerufen, der Bahá’í-Welt dabei zu helfen, das systematische Wachstum zu verstehen und sich dieser Herausforderung zu stellen. Die großartigen Ergebnisse des Vier- Jahres-Planes bezeugen, dass sie dem aus ganzem Herzen entsprochen haben. Heute bitten wir Sie um eine vergleichbar große Anstrengung, nämlich den erfolgreichen Start des Fünf-Jahres-Planes sicherzustellen. Bei Ihren Beratungen über die Wesensart der nächsten Stufe der Entfaltung des Göttlichen Planes müssen Sie das Ausmaß der Veränderungen in Erwägung ziehen, die sich in Bezug auf die Geschicke des Glaubens Gottes ereignen. Am Weltzentrum bedeutet die Errichtung der großen Gebäude um den Bogen einen bedeutenden Schritt bei der Konsolidierung der göttlich verordneten Gemeindeordnung. Der Vier-Jahres-Plan war Zeuge einer bemerkenswerten Erweiterung der institutionellen Kapazität der Bahá’í-Gemeinde auf allen Kontinenten. Die Entwicklung der Nationalen und örtlichen Geistigen Räte hat sich sichtlich beschleunigt und dort, wo Regionale Bahá’í- Räte eingerichtet wurden, haben sie der Arbeit der Sache Gottes neue Energie und Wirksamkeit verliehen. Seit der Geburt und dem Aufblühen von mehr als 300 Bahá’í-Instituten besitzt der Glaube ein machtvolles Instrument, um die Fähigkeiten von Menschen zu entwickeln, die für eine ständige, in großem Maße stattfindende Ausbreitung und Festigung benötigt werden. Weiterhin ist die Fähigkeit der Bahá’í-Gemeinde, die Geschicke der Menschheit zu beeinflussen, in großem Maße gesteigert Details von den oberen Terrassen worden, und zwar sowohl durch ihre Verbindung zu Regierungen und Organisationen der Zivilgesellschaft als auch durch ihre Anstrengungen auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. Die Sache Bahá’u’lláhs steht an der Schwelle zu einer neuen Epoche und zwar in einem Augenblick in der Geschichte, da die Welt – trotz Verwirrung und Ausbruch neuer Feindseligkeiten – echte Schritte in Richtung auf den Frieden unternimmt. Man erkennt deutlich, dass die Aufnahmefähigkeit für Seinen alldurchdringenden und strahlenden Geist wächst.
9. Januar 2001 Konferenz der Kontinentalen Berater
Den Prozess des Beitritts von Scharen zu fördern, wird auch ein Ziel des Fünf-Jahres- Planes sein – ja das Ziel der Serie von Plänen, die uns bis ans Ende des ersten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters führen werden. Die Beschleunigung dieses lebenswichtigen Prozesses wird durch systematische Aktivitäten der drei Beteiligten an dem Plan erreicht werden: dem einzelnen Gläubigen, den Institutionen und der Gemeinde.
Das Bahá’í-Institut
Eine durch das Internationale Lehrzentrum für uns vorgenommene eingehende Analyse des Vier-Jahres-Planes zeigt, dass das Bahá’í-Institut nicht nur wirkungsvoll die Fähigkeiten des Einzelnen verbessert, sondern auch die Gemeinden und Institutionen belebt. Daher muss es ein zentrales Merkmal des neuen Planes sein, die Entwicklung der Bahá’í-Institute in den verschiedenen Ländern und Gebieten der Erde fortzusetzen. Da sie auf diesem Gebiet ihrer Bemühungen auf reiche Erfahrungen zurückgreifen können, werden die Institute ihre Gemeinden mit einem ständigen Strom fähiger Menschen versorgen müssen, die dem Prozess des Beitritts in Scharen dienen. Weltweit sind schon einzelne Elemente eines Systems, das den Erfordernissen für die Ausbildung einer großen Zahl von Gläubigen Rechnung trägt, getestet worden, und sie haben sich bewährt. Studienkreise, die durch Fortbildungskurse und Spezialprogramme verstärkt wurden, haben ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, dem geistigen Erziehungsprozess an der Basis Struktur zu verleihen. Es ist überdeutlich geworden, dass der Sequenz von Kursen große Bedeutung zukommt, wobei ein Kurs in logischer Weise auf den anderen folgt und auf dem in vorangegangenen Kursen Erreichten aufbaut. Es haben sich verschiedene Modelle ergeben, die Einsichten darüber vermitteln, wie mit Hilfe einer solchen Sequenz Ausbildungsprogramme entwickelt werden können. In einem Beispiel ähnelt die Hauptsequenz einem Baumstamm, von dem Kurse abzweigen, wobei jeder Ast einem bestimmten Ausbildungsgebiet gewidmet ist. In einem anderen laufen mehrere Kursschienen parallel, wobei jede ihren eigenen Schwerpunkt hat. Institute werden gut daran tun, diese Elemente und Vorgehensweisen zu untersuchen und sie in einer Weise anzuwenden, die den sich ihnen bietenden Gelegenheiten entsprechen. Gleich zu Beginn des Zwölf-Monate-Planes haben wir betont, dass Bahá’í-Kinder unbedingt geistig genährt werden und in das Leben der Sache Gottes eingebunden werden müssen. Nach der bisherigen Reaktion der Freunde zu urteilen, deutet alles darauf hin, dass das Bewusstsein, wie wichtig Kindererziehung ist, das eigentliche Merkmal dieses kurzen aber bedeutsamen Planes sein wird. Den Bahá’í-Kinder klassen ist ein neuer Impuls gegeben worden. Durch das gesteigerte Bewusstsein sind auch Möglichkeiten entdeckt worden, moralische und geistige Erziehung Kindern im allgemeinen anzubieten, was sich beispielsweise an den erfolgreichen Bemühungen zeigt, mit denen Kurse über den Bahá’í-Glauben in Lehrplänen öffentlicher Schulen eingeführt wurden. Es ist ein besonders ermutigendes Zeichen, dass Institute immer mehr Nachdruck auf die Ausbildung von Kinderklassenlehrern legen. Aber auch andere Maßnahmen sind ebenso wichtig, wenn man für Kinder jeden Alters in Gemeinden der ganzen Welt regelmäßige Klassen anbieten will. In manchen Ländern sind nationale und regionale Aus-
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schüsse ernannt worden, um örtlichen Geistigen Räten dabei zu helfen, ihre Verantwortung für die Kindererziehung wahrzunehmen. In diesen Ländern wird sich die Beziehung zwischen den Ausschüssen und den Bahá’í-Instituten in dem Maße, wie Erfahrung gewonnen wird, ständig weiterentwickeln, wobei sich die Institutionen in ihrer Arbeit gegenseitig unterstützen. Es gibt aber viele Länder, in denen das Institut die einzige Einrichtung ist, die die Fähigkeit entwickelt, Kurse in einem Ort nach dem anderen zu organisieren und abzuhalten. Da diese Vorgehensweise bei Jugendlichen und Erwachsenen und in steigendem Maße auch für Junioren gut funktioniert, besteht kein Grund, warum das Bahá’í-Institut nicht auch dort, wo es nötig ist, eine ähnliche Verantwortung für Kinder übernehmen sollte. Im allgemeinen übernehmen die Institute nicht die Organisation und Durchführung von Plänen und Programmen für die Ausbreitung und Festigung. Die Durchführung von Kinderklassen ist jedoch ein einmaliges Unterfangen und von besonderer Dringlichkeit. In jenen Ländern, wo ihm diese Aufgabe übertragen wird, wird das Institut zu einem Lernzentrum, das sich intensiv auf die geistige Erziehung der Freunde von der zartesten Kindheit bis zum Erwachsenenalter konzentriert.
Persönliche Initiative beim Lehren
Nachdem die Arbeit der Institute an Wirksamkeit zunimmt, muss nun überall die Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, die Lehrbemühungen zu systematisieren. In dem gerade veröffentlichten Dokument „The Institution of the Counsellors“ [„Die Institution der Berater“] betonen wir die Rolle, die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten dabei spielen, den Freunden bei der Bewältigung dieser Herausforderung zu helfen und zwar auf der Ebene der persönlichen Initiative ebenso wie der der kollektiven Entscheidung. In dem Maße wie Einzelne die Institutskurse absolvieren, vertiefen sie ihre Kenntnisse im Glauben, gewinnen Einsichten und erwerben Fähigkeiten zum Dienst. Einige der dem Lehren gewidmeten Kurse werden sicherlich das Thema allgemein behandeln. Andere werden sich darauf konzentrieren, mit welchen Mitteln man die Botschaft Bahá’u’lláhs den verschiedenen Schichten der Gesellschaft übermitteln kann, wobei man die Weisheit der Freunde einbezieht, die sie aus Lehrbemühungen gewonnen haben. Die Kombination der Prozesse des Handelns, Lernens und Übens wird die Gemeinden mit einer immer größeren Zahl von fähigen und eifrigen Lehrern der Sache Gottes ausstatten. Natürlich führt die Ausbildung allein noch nicht notwendigerweise zu einem Aufschwung der Lehrtätigkeit. Bei jeder Art des Dienstes brauchen die Freunde ständige Ermutigung. Wir hegen die Erwartung, dass die Hilfsamtsmitglieder zusammen mit ihren Assistenten besonders darüber nachdenken, wie sie die persönliche Initiative entwickeln können und zwar besonders im Hinblick auf das Lehren. Wenn die Ausbildung und die Ermutigung effektiv sind, bildet sich eine Wachstumskultur heraus, bei der die Gläubigen die Pflicht zum Lehren als eine natürliche Folge dessen ansehen, dass sie sich zu Bahá’u’lláh bekannt haben. „Hoch recken (sie) die heilige Fackel des Glaubens“, wie ‘Abdu’l-Bahá es sich wünschte; „unablässig werden sie Tag und Nacht tätig sein“ und „jeden flüchtigen Augenblick ihres Lebens der Verbreitung der Düfte Gottes, der Verherrlichung Seines heiligen Wortes weihen.“ Ihre Herzen werden vom Feuer der Liebe
9. Januar 2001 Konferenz der Kontinentalen Berater
Gottes so entflammt sein, dass jeder, der ihnen naht, ihre Wärme spürt. Sie bemühen sich, Kanäle des Geistes zu sein, reinen Herzens, selbstlos und demütig und verfügen über die Sicherheit und den Mut, der aus Gottvertrauen stammt. In einer solchen Kultur ist das Lehren die vorherrschende LeiÜbergang denschaft im Leben der Gläubigen. Angst vor Versagen hat dort keinen Platz. Gegenseitige Unterstützung, eine Hingabe ans Lernen und die Anerkennung der Verschiedenartigkeit des Handelns sind die vorherrschenden Normen.
Systematische Programme für das Wachstum
In den nächsten Monaten werden Sie nationalen Gemeinden, bei denen die Umstände sehr verschieden sind, bei der Aufstellung von Plänen für das systematische Wachstum helfen. Es gibt viele Länder, in denen die wachsende Fähigkeit der Institutionen – besonders auf regionaler Ebene – es möglich macht, die Aufmerksamkeit auf kleinere geographische Regionen zu lenken. In den meisten Fällen werden diese aus einer Gruppe von Dörfern und Städten bestehen, aber manchmal wird auch eine Großstadt mit ihren Vororten ein solcher Bereich sein. Die Faktoren, die die Grenzen eines Bereiches bestimmen, sind u.a. Kultur, Sprache, Transportmöglichkeiten, Infrastruktur und das soziale und wirtschaftliche Leben seiner Bewohner. Eine Region wird sich gewöhnlich in Bereiche aufteilen, die in der Entwicklung zu unterschiedlichen Kategorien gehören. Einige werden dem Glauben noch nicht erschlossen sein, in anderen wird es einige Einzelstehende und Gruppen geben, in wieder anderen werden Gemeinden gerade dabei sein, sich durch einen lebendigen Institutsprozess zu festigen, in einigen wenigen werden starke Gemeinden mit vertieften Gläubigen in der Lage sein, die Herausforderung der systematischen und beschleunigten Ausbreitung und Festigung zu übernehmen. Sobald die entsprechenden Kategorien festgestellt wurden, werden nationale Pläne in diesen Ländern für die zunehmende Erschließung vom Glauben unberührter Gebiete durch die Ansiedlung von Pionieren im eigenen Land sorgen müssen. Solche Ziele können relativ leicht erreicht werden, wenn Pioniere Erfahrung in Institutsprogrammen haben und deren Methoden und Materialien dazu zu benutzen verstehen, damit eine Gruppe von ergebenen Gläubigen gewonnen werden kann, die die Arbeit des Glaubens in jener Gegend voranbringt. Ein bedeutendes Vorrecht steht wahrlich jenen zu, die in den verbleibenden Jahren des ersten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters ihr Vertrauen in Gott setzen und sich leidenschaftlich erheben, um als erste das Licht göttlicher Führung in jeden Teil ihres Landes zu tragen. Wir hoffen, dass dieser Aufruf für Pioniere im eigenen Land unter den Freunden eine große Begeisterung auslösen wird und ihnen eine neue Sicht eröffnet, wie man dem Glauben dienen kann. Nach diesem Schema werden zu den nationalen Plänen auch Vorkehrungen gehören, mit denen andere für den Glauben schon erschlossene Gegenden noch jene Entwicklungsstufe erreichen müssen, auf der sie für intensive Aktivitäten vorbereitet sind. In Gegenden, wo starke Gemeinden mit einer Gruppe vertiefter Freunde bestehen, sollten unverzüglich systematische Programme für die Ausbreitung und Festigung des Glaubens aufgestellt werden. Wir haben schon darauf hingewiesen, dass das Internationale Lehr-
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zentrum gewisse Wachstumsmuster für relativ kleine geographische Regionen kenntlich gemacht hat. Inzwischen hat es mehrere Pilotprojekte in verschiedenen Teilen der Welt untersucht, und die Ergebnisse sind höchst ermutigend. Die daraus gezogene Lehre liefert Tatsachenmaterial, um in einer Gegend nach der anderen mit Programmen für systematisches Wachstum zu beginnen. So Sie hierüber mit Nationalen Geistigen Räten und Regionalen Bahá’í-Räten beraten, werden Sie sicher das Lehrzentrum darüber informiert halten wollen. Es kommt darauf an, dass nationale Gemeinden nicht übereilt ein intensives Lehrprogramm für eine Gegend aufstellen, ehe die Bedingungen dafür geeignet sind. Zu diesen Bedingungen gehören: ein hohes Maß an Begeisterung unter einer beachtlichen Gruppe von ergebenen und fähigen Gläubigen, die die Voraussetzungen für anhaltendes Wachstum verstehen und selbst für das Programm verantwortlich sind; einige Grunderfahrung seitens weniger Gemeinden in dem Bezirk in Bezug auf das Abhalten von Klassen für die geistige Erziehung der Kinder, für Gebetsandachten und für Neunzehntagefeste; ein angemessener Grad von administrativen Fähigkeiten in wenigstens einigen örtlichen Geistigen Räten; die aktive Beteiligung von mehreren Assistenten des Hilfsamtes bei der Verbesserung des Gemeindelebens; ein ausgeprägter Geist der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen, die in der Gegend arbeiten; und vor allem eine starke Beteiligung des Bahá’í-Instituts mit einem Koordinationsschema, das die systematische Vermehrung der Studienkreise unterstützt. Die in einer solchen Gegend begonnenen Programme sollten auf die Förderung eines anhaltenden Wachstums abzielen, indem sie die notwendigen Kapazitäten auf der Ebene des Einzelnen, der Institutionen und der Gemeinde aufbauen. Diese Programme bedürfen keinesfalls großartiger und detaillierter Pläne, sondern sollten sich auf einige wenige Maßnahmen konzentrieren, die sich im Laufe der Jahre als unabdingbar für eine Verbreitung und Festigung in großem Maßstab erwiesen haben. Der Erfolg wird davon abhängen, in welcher Weise Aktionen integriert werden und welche Einstellung zum Lernen vorliegt. Die Umsetzung eines solchen Programms erfordert die enge Zusammenarbeit zwischen dem Institut, den Hilfsamtsmitgliedern und ihren Assistenten und dem Regionalen Lehrausschuss. Kern des Programms muss ein solider und anhaltender Prozess der Verbreitung sein, dem ein ebenso starker Prozess der Heranbildung von fähigen Menschen entspricht. Eine Reihe von Lehrmaßnahmen muss durchgeführt werden, dazu gehören Aktivitäten von Einzelnen sowie von Institutionen organisierte Kampagnen. Sobald die Zahl der Gläubigen steigt, sollte ein beachtlicher Prozentsatz von ihnen durch das Institut ausgebildet werden, wobei auf die Fähigkeiten Gewicht gelegt wird, die zur Entwicklung der örtlichen Gemeinden führen. Unsere Botschaft vom 26. Dezember 1995 beschrieb die Merkmale des Vier-Jahres- Planes und nannte die Stadien, die eine Gemeinde bei ihrer Entwicklung durchläuft. Die in den darauffolgenden Jahren bei der Arbeit mit Gemeinden in verschiedenen dieser Stadien gewonnene Erfahrung wird sich für solche Wachstumsprogramme als wertvoll erweisen. Bei der Umsetzung des Programms wird sicherlich einer der ersten Schritte sein, eine Übersicht aufzustellen, die den Zustand jeder Örtlichkeit in der betreffenden Gegend
9. Januar 2001 Konferenz der Kontinentalen Berater
feststellt. Zu den ersten Zielen in jeder Gemeinde sollte es gehören, Studienkreise, Kinderklassen und Gebetsversammlungen einzuführen, die allen Bewohnern des Ortes zugänglich sind. Angemessenes Gewicht sollte auf die Einhaltung des Neunzehntagefestes gelegt werden und beständig sollte man sich um die Festigung der örtlichen Geistigen Räte bemühen. Sobald die Gemeinden in der Lage sind, die grundlegenden Aktivitäten des Bahá’í- Lebens selbst zu gestalten, ist die Einführung kleiner Projekte der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ein natürlicher Schritt zur weiteren Festigung. Das könnte ein Alphabetisierungsprojekt, ein Projekt zur Förderung der Frauen, ein Umweltschutzprojekt oder sogar eine Dorfschule sein. Mit zunehmender Kräftigung wird die Verantwortung für eine erweiterte Zahl von Aktionen den örtlichen Geistigen Räten übertragen. Während der ganzen Unternehmung müssen Beratungssitzungen in der Region stattfinden, um strittige Fragen zu erörtern, Anpassungsmaßnahmen zu überlegen, die Begeisterung wach zu halten und für Einigkeit im Denken zu sorgen. Der beste Ansatz ist es, einen Plan für zunächst wenige Monate aufzustellen, der mit ein oder zwei Aktionen beginnt und schrittweise an Komplexität zunimmt. Alle, die aktiv an der Umsetzung der Pläne beteiligt sind, seien es Mitglieder der Institutionen oder auch nicht, sollten dazu ermutigt werden, immer an den Beratungen teilzunehmen. Es werden auch andere Versammlungen notwendig sein, die die ganze Region umfassen. Davon werden einige die Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch und zu weiterer Schulung bieten. Andere werden sich auf die Einbindung der Künste und die kulturelle Bereicherung konzentrieren. Alle diese Zusammenkünfte unterstützen einen intensiven Prozess der Aktionen, der Beratung und des Lernens. Die an diesem intensiven Wachstumsprogramm beteiligten Freunde sollten sich immer vor Augen halten, dass sein Zweck darin besteht, dass die Offenbarung Bahá’u’lláhs ganz sicher die Massen der Menschheit erreicht und sie befähigt, durch die Anwendung der Lehren geistigen und materiellen Fortschritt zu erzielen. Große Massen unter den Völkern der Welt sind bereit, ja sehnen sich nach den Segnungen, die nur Bahá’u’lláh ihnen verleihen kann, sobald sie sich dazu verpflichtet haben, am Aufbau der neuen Gesellschaft mitzuwirken, die Er vorgesehen hat. Wenn sie es lernen, ihre großangelegte Lehrarbeit zu systematisieren, sind Bahá’í-Gemeinden besser in der Lage, dieser Sehnsucht zu entsprechen. Sie dürfen das dafür notwendige Opfer und die Anstrengung nicht verweigern.
Ein geistiges Unternehmen
Es leuchtet ein, dass das hier beschriebene Schema, das für viele nationale Gemeinden gültig ist, nicht in jeder Situation angewandt werden kann. Wir zählen auf die Fähigkeit der Bahá’í-Institutionen, Pläne zu entwerfen, die vielleicht nicht ganz dem obigen Schema entsprechen, aber doch je nach den Umständen in jeder nationalen Gemeinde Elemente dieser Vision aufnehmen. Bahá’í-Gemeinden sind natürlich in einer Vielzahl von unerlässlichen Unternehmungen engagiert, wie Information der Öffentlichkeit, Proklamation, auswärtige Angelegenheiten, Erstellung von Literatur und komplexen sozia-
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len und wirtschaftlichen Entwicklungsprojekten. Wenn jetzt Pläne entworfen werden, so werden sie ganz gewiss auch diese Herausforderungen mit einbeziehen. Im Wesentlichen ist dieser Planungsprozess, mit dem Sie den Freunden helfen werden, in vieler Beziehung einzigartig. Im Kern ist es ein geistiger Prozess, mit dem sich die Gemeinden und Institutionen bemühen, ihr Bestreben mit dem Willen Gottes in Einklang zu bringen. Der Größere Plan Gottes ist in Gang, und die von ihm angeregten Kräfte drängen die Menschheit ihrer Vorsehung entgegen. In ihren eigenen Aktionsplänen müssen sich die Institutionen des Glaubens um Einsicht in die Prozesse dieser großen Kräfte bemühen, das Potenzial der Menschen, denen sie dienen, erkunden, die Fähigkeiten und Stärken ihrer Gemeinde ermessen und praktische Schritte unternehmen, um die uneingeschränkte Unterstützung der Gläubigen zu gewinnen. Die behutsame Anwendung und Umsetzung dieses Prozesses ist der Ihnen übertragene heilige Auftrag. Wir haben volles Vertrauen in Ihre Fähigkeit, dies zu erreichen. Möge Bahá’u’lláh Sie segnen und Sie durch Seine unfehlbare Gnade und machtvolle Bestätigung unterstützen. gez. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
16. Januar 2001 Zum Abschluss der Konferenz der Kontinentalen Beraterämter und der Hilfsämter
Beginn der fünften Epoche des Gestaltenden Zeitalters Im vergangenen Monat fand eine herausragende Versammlung der Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter sowie der Hilfsämter im Heiligen Land statt. Die folgende Botschaft, die das Universale Haus der Gerechtigkeit zum Abschluss dieser Konferenz an die Bahá’í der Welt richtete, lässt die Bedeutung dieses Ereignisses erahnen. Zugleich verkündigt sie der Bahá’í-Welt einen historischen Einschnitt in der Entwicklung der Sache Gottes.
An die Bahá’í der Welt
Innig geliebte Freunde, in dem Augenblick, da wir Ihnen diese Botschaft schreiben, nähert sich die Konferenz der Kontinentalen Berater einem triumphalen Ende. Acht Tage lang haben die Berater aus allen Kontinenten über die nächste Phase des Prozesses des Beitritts in Scharen beraten. Im Laufe der ersten fünf Tage ihrer Zusammenkunft trafen 849 Hilfsamtmitglieder aus 172 Ländern am Bahá’í-Weltzentrum ein. Sie brachten an den Heiligen Schreinen ihre Ehrerbietungen dar in Erwartung des Augenblicks, da sie alle in einer Reihe von bewegenden Ereignissen zusammenkommen würden: Ersteigung der neu gebauten Terrassen am Berg Karmel; Umkreisung des Schreins des Báb; Prozession entlang des Bogenpfades zum Besuch des Gebäudes des Internationalen Lehrzentrums; eine Andachtszeremonie zu Ehren des Einzugs des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz sowie anschließende Beratungen über ihre unverzichtbare Rolle im Fünf-Jahres-Plan, den die Bahá’í-Welt zu Ridván 2001 beginnen wird.
16. Januar 2001 Zum Abschluss der Konferenz der Kontinentalen Beraterämter und der Hilfsämter
Die Beratungen der Berateramtsmitglieder bildeten den Kern dieser erstaunlichen Aktivitäten und waren geprägt von einer Mischung aus Besonnenheit und sprudelndem Geist. Dies verfeinerte ihre Erörterungen und ihr erleuchtetes Einvernehmen. Die vertrauensvolle Atmosphäre ihrer Beratungen zeigt deutlich, dass ihre Institution einen neuen Reifegrad erreicht hat. Obwohl sie im Prinzip als Individuen handeln, sind alle Berater über die Grenzen ihrer Amtsbereiche hinweg eines Geistes geworden. Indem sie die Lehren und Erfahrungen hinsichtlich der Systematisierung, wie sie im Vier-Jahres-Plan gefordert wurde, verinnerlicht und integriert haben, wandelten sie sich zu Kanälen eines geeinten Geistes. Wir würdigen die neue Stufe in der Entwicklung ihrer Institution auch als eine Widerspiegelung der Entwicklung der Geistigen Räte und anderer Institutionen der Weltgemeinschaft dank ihrer weisen und beständigen Beratung. Als der Zeitpunkt für diese Konferenz immer näher rückte, gab es Anzeichen dafür, dass der Glaube an einem Punkt in seiner Entwicklung angelangt war, über den hinaus sich für uns neue Horizonte öffnen. In unserem Bericht vom letzten Ridván deuteten wir einen kulturellen Wandel der Bahá’í-Gemeinde an, da jetzt Bahá’í-Institute ins Leben gerufen wurden, sich die Bauarbeiten am Berg Karmel ihrem Abschluss näherten und die internen Prozesse der Konsolidierung der Institutionen und die externen Prozesse hin zur Welteinheit zunehmend synchronisierten. Dies wurde in der Botschaft an die Konferenz der Kontinentalen Berateramtsmitglieder vor einigen Tagen näher erläutert. Aber die außerordentliche Dynamik während der ganzen Konferenz ließ diese Anzeichen sich zu einer erkennbaren Realität konkretisieren. In einer Stimmung des Frohlockens fühlen wir uns veranlasst, Ihnen zu verkünden: Der Glaube Bahá’u’lláhs tritt nun in die fünfte Epoche seines Gestaltenden Zeitalters ein. Die Anerkennung dieses Meilensteines entspricht dem Modell Shoghi Effendis zur Messung von Zeitabschnitten in der Geschichte der Sache Gottes. In diesem Modell sah er eine Folge von Epochen im Gestaltenden Zeitalter voraus. Es muss jeden ergebenen Anhänger Bahá’u’lláhs mit Freude und Bewunderung erfüllen, dass Seine Administrative Ordnung einen so bedeutenden Abschnitt in einer so entscheidenden Zeit erreicht hat, da so viele Mitglieder der Institution des Berateramtes in glanzvollem Aufgebot am Weltzentrum Seines Glaubens versammelt sind. Im Geist des Dienstes leuchtenden Fackeln gleich, werden sie in die entferntesten Winkel der Welt zurückkehren. Dass sie mit neuer Energie an ihre Tätigkeit gehen werden, darüber kann es keinen Zweifel geben. Ihre Bemühungen werden sicherlich in hohem Maße zum Erfolg des Zwölf Monate Planes beitragen und damit auch zum Start des Fünf-Jahre-Unternehmens zu Ridván, dem ersten in einer Reihe von Plänen, die uns bis zum hundertsten Jahrestag des Gestaltenden Zeitalters führen werden. In Erwartung einer baldigen Beratung mit Nationalen Geistigen Räten über die Durchführung des kommenden Planes in ihren Ländern werden die Berater von hier abreisen. Unter Beteiligung ihrer eifrigen Hilfsamtsmitglieder werden sie auch dabei helfen, den erforderlichen Planungsprozess schnell bis auf die regionale und örtliche Ebene der Gemeinde in jedem Land vordringen zu lassen. In den letzten Augenblicken dieser ereignisreichen Tage wenden sich unsere Herzen an die Altehrwürdige Schönheit in demütiger Dankbarkeit für die überreichen Segnun-
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gen, die Er verliehen hat. Sogar die Erde des Karmel ist in Erregung über die Wunder Seiner Gnade, da er jetzt auf Seinen erlösenden Ruf antwortet, den Er in dem Sendschreiben, das seinen Namen trägt, erhob. Sein darin ausgedrückter sehnlicher Wunsch findet in den Seelen Seiner Geliebten auf dem ganzen Planeten einen Widerhall: „O wie sehne Ich Mich, jedem Ort des Erdenkreises die frohe Botschaft dieser Offenbarung zu verkünden und sie in jede seiner Städte zu tragen....” Die jetzt inmitten des Glanzes am Herzen des Karmel versammelten Freunde haben es mit neuen Ohren gehört und haben ihr Gelöbnis erneuert, auf diese göttliche Sehnsucht zu antworten. Mögen ihre ruhmreichen Taten im Namen von Bahá die Düfte Seiner Offenbarung noch weiter verbreiten, die Grundlagen Seiner Institutionen noch weiter stärken, den Tätigkeiten Seiner weltweiten Gemeinde noch mehr Kühnheit und Entschlossenheit verleihen, damit der Prozess vorangetrieben werden möge, mit dem immer neue Scharen Schutz in der Arche der Erlösung finden gez. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
19. April 2001 Zur Frage des Geringeren Friedens
Brief an einen Gläubigen, in Antwort auf dessen Fragen zur Einheit der Nationen und dem Geringeren Frieden Lieber Bahá’í-Freund,
die in Ihrem Brief angesprochene grundsätzliche Frage betrifft den Zeitpunkt des Eintritts des Geringeren Friedens und zwar aufgrund Ihres Eindrucks, dass die Bahá’í- Schriften sein Kommen vor dem Ende des 20. Jahrhunderts, nämlich dem Ende des Dezembers 2000, voraussehen. Wir senden Ihnen anbei zu Ihrer Information ein Memorandum, das auf Bitten des Hauses der Gerechtigkeit von der Forschungsabteilung über das Thema des Erreichens der Einheit der Nationen und des Geringeren Friedens erstellt wurde. In diesem Dokument ist eine Anzahl von diesbezüglichen Abschnitten aus autoritativen Texten des Glaubens zusammengestellt worden. Bei Durchsicht dieses Materials wird klar, dass in den autoritativen Bahá’í-Schriften nichts darauf hinweist, dass der Geringere Frieden vor Ende des 20. Jahrhunderts errichtet sein würde. Es gibt jedoch klare Aussagen, die bestätigen, dass die Einheit der Nationen, in den Worten ‘Abdu’l-Bahás, während des 20. Jahrhunderts „sicher errichtet“ sein würde. Diese und andere Aussagen, die in dem beigefügten Dokument enthalten sind, sollten aus der Perspektive betrachtet werden, dass die Entfaltung der Weltordnung Bahá’u’lláhs ein organischer Prozess ist, der in Übereinstimmung mit dem Göttlichen Willen fortschreitet und durch eine geistige Wirklichkeit belebt wird. In Antwort auf eine Frage schrieb ‘Abdu’l-Bahá: „Das Reich des Friedens, des Heils, der Rechtschaffenheit und Versöhnung wird in der unsichtbaren Welt gegründet, und es wird schrittweise offenkun-
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dig und sichtbar durch die Kraft des Wortes Gottes!“ Diese geistige Wirklichkeit wird in wahrnehmbarer Form allmählich Gestalt annehmen, und zwar als das Ergebnis hingebungsvollen menschlichen Bemühens über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte hinweg. Durch alle Schriften ‘Abdu’l-Bahás und Shoghi Effendis hindurch wird in Bezug auf die Erreichung des Weltfriedens eine Prozessorientierung ersichtlich. Zum Beispiel berichtete der Hüter, dass der Meister Vorgänge, die am Ende des 1. Weltkrieges stattfanden, als Ankündigung für „das Anbrechen des Größten Friedens“ begrüßte. Dies steht im Gegensatz zur Beschäftigung mit kurzen Zeitabschnitten in der breiteren Gesellschaft von heute, die sich ausschließlich auf Ereignisse anstatt auf Entwicklungsprozesse konzentriert. Sie sollten auch den Unterschied zwischen der Einheit der Nationen und dem Geringeren Frieden beachten. In Antwort auf Fragen von Gläubigen erklärte Shoghi Effendi, dass „Einheit im politischen Bereich“, auf die ‘Abdu’l-Bahá sich bei seiner Erklärung der sieben Lichtstrahlen der Einheit bezog, „eine Einheit ist, die politisch unabhängige und souveräne Staaten unter sich selbst erreichen“. Wie in den im beiliegenden Memorandum zitierten Abschnitten ausgedrückt, wird der Geringere Friede anfänglich eine politische Einheit sein, die durch die Entscheidung der verschiedenen Regierungen der Welt erreicht wird. Die Einheit der Nationen kann als die Einheit betrachtet werden, die aus einer Erkenntnis bei den Völkern der verschiedenen Nationen hervorgeht, dass sie Mitglieder einer gemeinsamen menschlichen Familie sind. Das 20. Jahrhundert wurde durch das Hervortreten der Einheit der Nationen ausgezeichnet, worauf sich sowohl Shoghi Effendi als auch das Haus der Gerechtigkeit in dem beigefügten Dokument bezogen haben. Diese Entwicklung, deren Zeichen sich mit jedem Tag vermehren, steht in scharfem Gegensatz zu der nationalistischen Grundhaltung des 19. Jahrhunderts und ist ein Beweis des Geistes eines neuen Zeitalters, der sich in den Herzen der Menschen rührt. Aus dieser Perspektive besehen kann kein Zweifel bestehen, dass die Verheißung ‘Abdu’l-Bahás erfüllt und die Einheit der Nationen in dem jetzt zu Ende gegangenen Jahrhundert fest begründet wurde. Die weitere Ausbreitung und Stärkung dieses Bewusstseins weltweiter Solidarität in den kommenden Jahren werden ihre Auswirkungen im politischen Bereich haben und die Entwicklung zu einer Weltregierung beeinflussen. Man darf sich jedoch nicht vorstellen, dass die Prozesse, die jetzt in der Welt ablaufen, frei von Herausforderungen oder Schwierigkeiten sein werden. Es mag Rückschläge geben, und Konflikte können von Zeit zu Zeit ausbrechen auf dem Weg der Menschheit zum Hervortreten und zur Festigung des Geringeren Friedens, der zu gegebener Zeit die Errichtung des Größten Friedens hervorbringen wird. Mit liebevollen Bahá’í-Grüssen, Sekretariatsabteilung
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19. April 2001 Das Erreichen der Einheit der Nationen und der Geringere Frieden
Ein Memorandum der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 19. April 2001
Einführung
In den Bahá’í-Schriften zum Thema Weltfrieden wird der Größte Frieden als der Höhepunkt zweier unterschiedlicher Prozesse betrachtet, die sich über einen langen Zeitraum hinweg nach und nach entfalten. Einer dieser Prozesse betrifft das Wachstum und die Entwicklung der Bahá’í-Gemeinde mit der gleichzeitigen Entstehung der Gemeindeordnung und ihrem Aufblühen in der Weltordnung Bahá’u’lláhs. Der andere Prozess, der Gegenstand dieses Schreibens, betrifft die Entwicklungen in der breiten Gesellschaft, insbesondere das Erreichen der Einheit der Nationen und die Errichtung des Geringeren Friedens.
Die Einheit der Nationen und der Geringere Frieden:
Shoghi Effendi bezieht sich auf Bahá’u’lláh, der sich an alle Könige der Erde richtete und sie dazu aufforderte, „sich an den Geringeren Frieden zu halten; dieser ist vom Größten Frieden zu unterscheiden, den nur jene, die sich der Macht Seiner Offenbarung voll bewusst sind und die sich offen zu den Grundsätzen Seines Glaubens bekennen, verkünden können und schließlich errichten müssen.“ In den Worten Bahá’u’lláhs:
Nun, da ihr den Größten Frieden zurückgewiesen habt, haltet euch an den Geringeren Frieden, auf dass ihr wenigstens einigermaßen eure eigene Lage und die der von euch Abhängigen bessern möget. O Herrscher der Erde! Versöhnt euch miteinander, so dass ihr nicht mehr Kriegsrüstungen benötigt, als dem Schutze eurer Gebiete und Länder angemessen ist. Hütet euch, den Rat des Allwissenden, des Glaubwürdigen zu missachten. Seid einig, o Könige der Erde, denn dadurch wird der Sturm des Haders gestillt und eure Völker finden Ruhe - wenn ihr doch unter denen wäret, die das verstehen! Sollte einer unter euch gegen einen anderen die Waffen ergreifen, so erhebt euch alle gegen ihn, denn dies ist nichts als offenbare Gerechtigkeit.1
An anderer Stelle bezog Bahá’u’lláh den Geringeren Frieden auf die Zusammenkunft der Regierenden in einer weltweiten Versammlung, bei welcher Maßnahmen zur Einigung und Eintracht erarbeitet werden sollten.
1. Shoghi Effendi, Der Verheißene Tag ist gekommen, Frankfurt am Main 1967, S. 52f
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Wir flehen zu Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit -, und Wir hegen die Hoffnung, dass Er gnädig den Offenbarungen des Reichtums und der Macht, den Dämmerungsorten der Herrschaft und des Ruhmes, den Königen auf Erden, beistehe - möge Gott ihnen durch seine stärkende Gnade helfen -, den Geringeren Frieden zu errichten. Dies ist in der Tat das beste Mittel, die Ruhe der Völker zu sichern. Es ist die Pflicht der Herrscher der Welt - möge ihnen Gott helfen -, sich vereint und standhaft an diesen Frieden zu halten, er ist das wichtigste Werkzeug für den Schutz der ganzen Menschheit, wir hoffen, dass sich die Herrscher erheben werden, um das zu vollbringen, was die Wohlfahrt der Menschen verbürgt, sie müssen eine allumfassende Versammlung einberufen, an der entweder sie selbst oder ihre Minister teilnehmen, und Maßnahmen durchsetzen, die erforderlich sind, um Einheit und Eintracht unter den Menschen zu schaffen. Die Waffen des Krieges müssen sie ablegen und sich den Machtmitteln weltweiten Aufbaus zuwenden. Sollte sich ein König gegen einen anderen erheben, müssen alle anderen Könige aufstehen, um ihn daran zu hindern. Dann werden sie Waffen und Kriegsgerät nur noch in dem Maß benötigen, wie es für die innere Sicherheit ihrer Länder unumgänglich ist. Wenn sich die Herrscher zu dieser allumfassenden Segnung entschließen, werden die Völker aller Staaten in Ruhe und Zufriedenheit ihren Geschäften nachgehen, und die Seufzer und Klagen der meisten Menschen werden verstummen.1
Das Thema einer Versammlung zur Beratung von Maßnahmen, die für einen dauerhaften Weltfrieden notwendig sind, wird an einigen anderen Stellen in den Schriften Bahá’u’lláhs behandelt. Dazu gehört folgende Textstelle:
Die Zeit muss kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teilnehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Größten Weltfrieden unter den Menschen legen. Ein solcher Friede erfordert es, dass die Großmächte sich um der Ruhe der Völker der Erde willen zu völliger Aussöhnung untereinander entschließen. Sollte ein König die Waffen gegen einen anderen ergreifen, so müssen sich alle vereint erheben und ihn daran hindern. Wenn dies geschieht, werden die Nationen der Welt außer für die Wahrung der Sicherheit ihrer Reiche und die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in ihrem Staatsgebiet keine Waffen mehr brauchen. Dies wird jedem Volk, jeder Regierung und Nation Frieden und Ruhe sichern.2
Später legte ‘Abdu’l-Bahá dar, dass eines der Ergebnisse dieser Versammlung ein umfassender Vertrag sein werde, dessen Regelungen für alle Regierungen bindend seien:
1. Bahà’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes, Frankfurt 1966, S. 41f 2. Bahà’u’lláh, Ährenlese, Eine Auswahl aus den Schriften Bahá’u’lláhs, Hofheim 41999, 117:1
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Wahre Kultur wird ihr Banner mitten im Herzen der Welt entfalten, sobald eine gewisse Zahl ihrer vorzüglichen und hochgesinnten Herrscher - leuchtende Vorbilder der Ergebenheit und Entschlossenheit - mit festem Entschluss und klarem Blick zu Nutz und Glück der ganzen Menschheit daran geht, den Weltfrieden zu stiften. Sie müssen die Friedensfrage zum Gegenstand gemeinsamer Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen eindeutig, unverletzlich und bestimmt sind. Sie müssen ihn der ganzen Welt bekannt geben und die Bestätigung der gesamten Menschheit für ihn erlangen. Dieses erhabene und edle Unterfangen - der wahre Quell des Friedens und Wohlergehens für alle Welt - sollte allen, die auf Erden wohnen, heilig sein. Alle Kräfte der Menschheit müssen frei gemacht werden, um die Dauer und den Bestand dieses größten aller Bündnisse zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunahme der Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet würde, so würde dadurch das Misstrauen anderer geweckt werden. Die Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so festgelegt werden, dass bei späterer Verletzung einer Bestimmung durch eine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu bringen, nein, die gesamte Menschheit sollte sich entschließen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu stürzen. Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Weltkörper angewandt werden, so wird er sich gewiss wieder von seinen Leiden erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben.1
Unabhängig von diesem Thema, und dennoch eng damit verbunden, ist das mündliche sowie schriftliche Versprechen ‘Abdu’l-Bahás, dass während des 20. Jahrhunderts die Einheit der Nationen als wesentliche Grundlage für den Weltfrieden errichtet werden würde.
In einer Seiner Ansprachen sagte Er:
Ich hoffe sehr, dass diese erhabenen Gedanken in diesem Jahrhundert zum Wohlergehen der Menschen führen werden. Lasst dieses Jahrhundert die Sonne der vergangenen Jahrhunderte sein, deren Strahlenglanz ewig dauern wird, so dass man in der Zukunft das 20. Jahrhundert preisen wird und sagt, das 20. Jahrhundert
1. `Abdu’l-Bahá zit. in: Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, Hofheim-Langenhain 1977, S. 61f
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war das Jahrhundert des Lichtes, das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des Lebens, das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des internationalen Friedens....1
In der Zeitung Montreal Daily Star wurde berichtet:
„Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, dass der dauerhafte Friede in der Welt innerhalb einer angemessenen Zeitspanne errichtet werden wird?“, wurde ‘Abdu’l-Bahá gefragt. „Er wird in diesem Jahrhundert errichtet werden“, antwortete Er. „Im 20. Jahrhundert wird er weltweit verbreitet sein. Alle Nationen werden dazu gezwungen werden.“2
Das Haus der Gerechtigkeit kommentierte andere Erklärungen des Meisters zu diesem Thema wie folgt in einem Brief, der am 29. Juli 1974 in seinem Auftrag geschrieben wurde:
Es ist wahr, dass ‘Abdu’l-Bahá Aussagen traf, welche die Errichtung der Einheit der Nationen mit dem 20. Jahrhundert verbinden. Zum Beispiel: „Der fünfte Lichtstrahl ist die Einheit der Nationen - eine Einheit, die in diesem Jahrhundert sicher begründet werden wird, so dass sich alle Völker der Welt als Bürger eines gemeinsamen Vaterlandes betrachten.“ Und in Der Verheißene Tag ist gekommen bemerkt Shoghi Effendi im Anschluss an eine ähnliche Aussage aus den Beantworteten Fragen: „Dies ist die Stufe, der sich die Welt jetzt nähert, die Stufe der Welteinheit, die, wie ‘Abdu’l-Bahá uns versichert, in diesem Jahrhundert bestimmt errichtet wird.“
Das Erreichen der Einheit der Nationen sollte jedoch nicht als gleichbedeutend mit der Errichtung des Geringeren Friedens betrachtet werden. Auf die Frage über den Zeitpunkt des Geringeren Friedens antwortete Shoghi Effendi in einem 1946 in seinem Auftrag geschriebenen Brief: „Alles was wir wissen ist, dass der Geringere Frieden und der Größte Frieden kommen werden – die genauen Zeitpunkte kennen wir nicht.“
Die Einheit der Nationen kann dennoch als eine Stufe, und zwar als ein sehr bedeutungsvoller Schritt bei dem langen Prozess der Errichtung des Geringeren Friedens betrachtet werden. Auf die Frage eines Einzelnen antwortete das Haus der Gerechtigkeit in einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief vom 31. Januar 1985:
Bahá’u’lláhs Hauptauftrag beim Erscheinen zu dieser Zeit in der Menschheitsgeschichte, ist die Verwirklichung der Einheit der Menschheit und die Errichtung des Friedens unter den Nationen; daher sind alle Kräfte, die auf die Vollbringung dieses Ziels ausgerichtet sind, von Seiner Offenbarung beeinflusst. Wir wissen je-
1. ‘Abdu’l-Bahá, The Promulgation of Universal Peace, Wilmette 1982, S. 125f (vorläufige Übersetzung) 2. ‘Abdu’l-Bahá in Canada, Ontario 1987, S. 35 (vorläufige Übersetzung)
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
doch, dass Frieden stufenweise kommen wird. Zuerst kommt der Geringere Frieden, wenn die Einheit der Nationen erreicht wird, dann schrittweise der Größte Frieden - die geistige sowie soziale und politische Einheit der Menschheit, wenn die Bahá’í-Weltgemeinschaft, die in strikter Übereinstimmung mit den Gesetzen und Bestimmungen des Heiligsten Buches der Bahá’í-Offenbarung fungieren wird, durch die Bemühungen der Bahá’í errichtet sein wird. Bezüglich des Geringeren Friedens erklärte Shoghi Effendi, dass dieser am Anfang eine politische Einheit sein wird, die durch den Beschluss der Regierungen verschiedener Nationen erreicht wird; er wird nicht durch die direkte Einwirkung der Bahá’í-Gemeinde errichtet werden.... Der Geringere Frieden selbst wird Stufen durchlaufen; im Anfangsstadium werden die Regierungen völlig selbständig handeln ohne das bewusste Einbezogensein des Glaubens. Später, zu einer von Gott bestimmten Zeit, wird der Glaube auf Wegen, die von Shoghi Effendi in Das Ziel: Die neue Weltordnung aufgezeigt worden sind, einen direkten Einfluss auf ihn haben.1
Die fortschreitende Entwicklung des Geringeren Friedens wie auch seine Festigung werden in einer Aussage des Hüters, in seinem Brief zu Ridván 105 B.E. an die Freunde des Ostens, bezüglich der Dauer des Gestaltenden Zeitalters erklärt:
Seine Dauer ist unbekannt und liegt in der Schatzkammer von Gottes Wissen verborgen. Sein Ende wird mit der Errichtung dieser vollkommensten, dieser mächtigsten Ordnung im Osten und Westen zusammenfallen, mit dem strahlenden Hervortreten der organischen Einheit der einzelnen Glieder der menschlichen Gesellschaft und mit der Festigung der Grundlagen des Geringeren Friedens unter den Regierungen und Nationen der Welt.
Weitere Erläuterungen gab das Haus der Gerechtigkeit, als es von einem einzelnen Gläubigen gebeten wurde, den folgenden Absatz aus der Ridván-Botschaft 1996 zu erklären:
Wie kurz der Weg zum Frieden auch sein mag, er wird verschlungen sein. Wie verheißungsvoll das erwartete Ereignis auch sein mag, das seinen Kurs bestimmen wird, er muss in einer langen Entwicklungszeit reifen, und dazu gehören Prüfungen, Rückschläge und Konflikte bis zu dem Augenblick, da er unter dem direkten Einfluss des göttlichen Glaubens als der Größte Friede in Erscheinung tritt.
In dem Brief vom 29. Juli 1996, der in seinem Auftrag als Antwort an diese Person geschrieben wurde, schrieb das Haus der Gerechtigkeit:
1. Messages from the Universal House of Justice, 1963-1986; Wilmette 1996; S. 655f (vorläufige Übersetzung)
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Es ist klar, dass das Hervortreten des Geringeren Friedens ein schrittweiser Prozess sein wird und seine verschiedenen Stufen ohne Zweifel sowohl von Prüfungen und Rückschlägen wie auch von großen Fortschritten gekennzeichnet sein werden. Er wird jedoch mit Sicherheit eine Entwicklung von historischer Bedeutung einschließen: der Moment, an dem die Mehrheit der Nationalstaaten der Welt sich formell zu einer globalen Ordnung verpflichten, welche Institutionen und Gesetze umfasst und mit den Mitteln ausgestattet ist, mit Hilfe derer kollektive Entscheidungen durchgesetzt werden können. Wenn wir auch heute die genaue Gestalt, die diese Entwicklung nehmen wird, noch nicht voraussehen können, und schon gar nicht den Zeitpunkt, an dem sie eintreten wird, so erkennen wir doch, dass dies ein Merkmal des Prozesses des Geringeren Friedens ist.
Angesichts der Bedeutung, die in den letzten Jahren dem Abschluss der gegenwärtigen Phase der Errichtung der Bauwerke der Gemeindeordnung an den Hängen des Berges Karmel zukam, haben einige Gläubige angefragt, ob es eine ursächliche Beziehung zwischen der Vollendung dieses Bauprogramms und der Errichtung des Geringeren Friedens gibt. Auf eine dieser Fragen antwortete die Sekretariatsabteilung des Hauses der Gerechtigkeit in einem Brief vom 14. Dezember 1987 wie folgt:
Das Universale Haus der Gerechtigkeit ... hat uns angewiesen zu sagen, dass ihm aus den Schriften des Glaubens keine Textstelle bekannt ist, die darauf hinweist, dass die Errichtung des Geringeren Friedens von der Vollendung des Bogens auf dem Berg Karmel abhängig ist. Die Textstelle, die zu dieser Annahme geführt haben mag, könnte eine Aussage des geliebten Hüters sein, die in Messages to the Bahá’í World (S. 74-75 ) veröffentlicht wurde.... Sie werden erkennen, dass der Hüter in diesem Zitat drei Dinge beschreibt, die Hand in Hand gehen werden. Es ist wichtig festzuhalten, dass er nicht Ereignisse, sondern Prozesse oder Entwicklungen beschreibt und, obwohl er sagt, dass sie Hand in Hand gehen werden - eine Aussage, welche schon an sich den Institutionen der Sache wichtige Führung gibt -, sagt er nicht, dass sie einander bedingen.
Die Ereignisse des 20. Jahrhunderts:
Es ist hilfreich, einige der Aussagen in den Bahá’í-Schriften bezüglich der Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die Abschnitte im Fortschritt der Menschheit in Richtung der Einheit der Nationen und des Geringeren Frieden darstellen, durchzugehen. 1931 beschreibt Shoghi Effendi das Entstehen eines Weltbewusstseins mit den folgenden Worten:
Den Staaten und Fürstentümern, die aus den Wirren der großen napoleonischen Umwälzung ans Licht traten und deren Hauptziel es war, ihre Rechte auf selbstbestimmte Existenz wiederzugewinnen oder aber ihre nationale Einheit zu erlangen, schien ein Plan der Weltsolidarität nicht nur ferne Phantasie, sondern
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
schlechthin unbegreiflich. Erst als die Kräfte des Nationalismus die Grundlagen der Heiligen Allianz, die ihre aufkommende Macht zu zügeln suchte, umgestoßen hatten, wurde die Möglichkeit einer Weltordnung, die in ihrer Reichweite die politischen Einrichtungen dieser Nationen überragt, ernsthaft erwogen. Erst nach dem Weltkrieg begannen diese Vertreter eines hochmütigen Nationalismus damit, eine solche Weltordnung als Gegenstand einer verderblichen Lehre zu betrachten, die nur darauf abzielte, die Loyalität, von der ihr nationales Leben abhängt, zu untergraben.1
Ein sehr bedeutender Meilenstein in diesem Prozess war die Bildung des Völkerbunds nach dem ersten Weltkrieg, ein Ereignis, das von ‘Abdu’l-Bahá gelobt wurde, obwohl Er auch folgende Warnung aussprach:
Obgleich der Völkerbund geschaffen worden ist, ist er doch unfähig, den Weltfrieden zu errichten.2
In den Jahren, die dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vorangingen, bestätigte Shoghi Effendi:
Obgleich der Urschrei des Nachkriegs-Nationalismus tagtäglich lauter und aufdringlicher hallt, obgleich der Völkerbund noch im Keimzustand ist, obgleich die Gewitterwolken, die sich zusammenziehen, vorübergehend seine Kräfte völlig verdunkeln und seinen Apparat völlig vernichten mögen, ist doch die Richtung, in der diese Institution wirkt, höchst bedeutungsvoll. Die seit ihrem Anbeginn erhobenen Stimmen, die unternommenen Anstrengungen, die bereits geleistete Arbeit lassen jene Triumphe erahnen, welche die jetzt geschaffene Institution oder eine andere, sie ablösende Körperschaft, zu erringen bestimmt ist.3
Er lenkte die Aufmerksamkeit auf „die wichtigsten Marksteine der wechselvollen Geschichte des Völkerbunds“, unter denen die Entscheidung herausragte, einem Mitglied, dem der Bund eine aggressive Handlung zusprach, kollektive Sanktionen aufzuerlegen. Shoghi Effendi führte aus:
Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wurde so das System kollektiver Sicherheit, das Bahá‘u‘lláh vorhergesagt und ‚Abdu‘l-Bahá erläutert hat, ernsthaft erwogen, erörtert und versucht. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde von Amts wegen anerkannt und öffentlich festgestellt, dass für die wirksame Errichtung dieses Systems kollektiver Sicherheit Festigkeit und Anpassungsfähigkeit gleichermaßen vonnöten sind - Festigkeit mit Einschluss des Gebrauchs angemessener Machtmittel als Gewähr für die Wirksamkeit des vorgeschlagenen Sys-
1. Weltordnung, S. 71f 2. ‘Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, Hofheim-Langenhain 1992, 227:31 3. Weltordnung, S. 277
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tems, Anpassungsfähigkeit des geplanten Apparats, damit er die rechtmäßigen Bedürfnisse und Bestrebungen seiner zu Schaden gekommenen Verfechter sicherstellen kann. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte haben sich die Nationen der Welt um den Versuch gemüht, kollektive Verantwortung auf sich zu nehmen und ihre verbalen Versprechungen durch die wirkliche Vorbereitung für gemeinsame Maßnahmen zu ergänzen. Und weiter machte sich zum ersten Mal in der Geschichte eine öffentliche Meinung als Bewegung bemerkbar, welche die von den nationalen Führern und Volksvertretern verkündete Entscheidung unterstützte, um kollektive Maßnahmen im Verfolg dieser Entscheidung zu sichern.1
Seine Vision von der Bedeutsamkeit dieser Maßnahmen wurde dadurch, dass die kollektiven Sanktionen offensichtlich darin versagten, ihre festgesetzten Ziele zu erreichen, nicht getrübt. Shoghi Effendi bestätigte, dass das Ziel des Prozesses, durch welchen der Völkerbund errichtet worden war, die Erreichung „... der Stufe, auf der die Einheit der gesamten Körperschaft der Nationen zum Leitgrundsatz des internationalen Lebens gemacht sein wird“2, sei. Etwa zwei Jahrzehnte später, im Jahre 1947, als die Organisation der Vereinten Nationen den Völkerbund ersetzt hatte und den Weg der Entwicklung seiner Befugnisse und Funktionen beschritt, beschrieb er diesen Vorgang näher mit seiner Voraussicht, dass dieser Prozess:
... wie lange und mühsam der Weg auch sei, durch eine Reihe von Siegen und Rückschlägen zur politischen Vereinigung der östlichen und westlichen Hemisphären, zum Hervortreten einer Weltregierung und zur Errichtung des Geringeren Friedens, wie bereits von Bahá’u’lláh vorhergesagt und vom Propheten Jesaja angedeutet, führen muss.3
Getrennt von diesem Prozess der organisatorischen Entwicklung, aber in enger Beziehung damit, stand die Entstehung eines Weltbewusstseins. Schon 1931 bezog sich der Hüter auf die:
... [allmähliche] Verbreitung des Geistes der Weltsolidarität .., der spontan aus dem Wirrwarr einer ungeordneten Gesellschaft aufsteigt.4
Ein Jahrzehnt später erklärte er:
Die Welt bewegt sich wahrlich ihrem vorherbestimmten Ziel entgegen. Die gegenseitige Abhängigkeit der Völker und Nationen der Erde ist, was immer die
1. a.a.O., S. 278 2. a.a.O., S. 280 3. Citadel of Faith: Messages to America, 1947-1957; Wilmette 1995, S. 33 4. Weltordnung, S. 71
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Führer der spaltenden Kräfte in der Welt sagen oder tun mögen, bereits eine vollendete Tatsache. Ihre Einheit im wirtschaftlichen Bereich wird jetzt verstanden und anerkannt.1
Als die Menschheit in einen Weltkrieg versunken war, den Shoghi Effendi als „die titanische Umwälzung, die vor siebzig Jahren die prophetische Feder Bahá’u’lláhs vorausgesehen hatte“ und als die „lange vorausgesagte, weltumspannende Feuersbrunst“ beschrieb, wies er die Bahá’í darauf hin, dass dieser große Konflikt eine „wesentliche Vorbedingung zur Vereinigung der Welt“ sei.2
Die Entwicklungen der letzten Zeit:
In den letzten Jahren nahm das Haus der Gerechtigkeit durch die Ridván-Botschaften die Gelegenheit wahr, die Aufmerksamkeit der weltweiten Bahá’í-Gemeinde auf die tiefgreifende Bedeutung der Ereignisse zu lenken, die in der Gesellschaft stattfinden, während die Menschheit ein wachsendes Bewusstsein für die Einheit der Nationen und Völker der Erde an den Tag legt.
Besonders bedeutungsvoll sind folgende Abschnitte aus der Erklärung Die Verheißung des Weltfriedens vom Oktober 1985, gerichtet an die Völker der Welt:
Zu den günstigen Zeichen gehören die mit ständig wachsender Kraft auf eine Weltordnung hin unternommenen Schritte: zuerst, zu Begin des Jahrhunderts, die Schaffung des Völkerbundes, gefolgt von der breiter angelegten Organisation der Vereinten Nationen; die seit dem Zweiten Weltkrieg von der Mehrzahl aller Völker der Erde erlangte Unabhängigkeit, die anzeigt, dass der Prozess der Bildung von Nationalstaaten abgeschlossen ist; die Einbeziehung dieser jungen Staaten mit den älteren in Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse; in der Folge die stark ansteigende Zusammenarbeit zwischen bislang isolierten, zerstrittenen Völkern und Gruppen bei internationalen Unternehmen auf den Gebieten von Wissenschaft, Bildung, Recht, Wirtschaft und Kultur; die Gründung einer beispiellosen Zahl internationaler humanitärer Organisationen während der letzten Jahrzehnte; die Ausbreitung von Frauen- und Jugendbewegungen, welche die Abschaffung des Krieges fordern; und schließlich ein spontanes, immer mehr sich ausdehnendes Netzwerk einfacher Menschen, die durch persönliche Kommunikation Verständigung suchen.3
Die zaghaften Schritte auf eine Weltordnung hin - vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg - setzen hoffnungsvolle Zeichen. Die steigende Tendenz einzelner
1. Verheißene Tag, S. 185 2. Messages to America: Selected Letters and Cablegrams Addressed to the Bahá‘ís of North America, 1932-1946; Wilmette 1947, S. 42 3. Die Verheißung des Weltfriedens, Hofheim-Langenhain 1989, S. 8
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Staatsgruppen, ihren Beziehungen feste Formen zu geben, was ihnen dann die Zusammenarbeit in Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse ermöglicht, deutet darauf hin, dass schließlich alle Nationen diese Lähmung überwinden können. Der Verband Südostasiatischer Staaten, die Karibische Gemeinschaft und ihr Gemeinsamer Markt, der Zentralamerikanische Gemeinsame Markt, der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe, die Europäischen Gemeinschaften, die Arabische Liga, die Organisation für Afrikanische Einheit, die Organisation der Amerikanischen Staaten, das Südpazifische Forum - alle durch solche Organisationen erbrachten vereinten Bemühungen bereiten den Weg zur Weltordnung.1
Das Heer der Männer und Frauen aus praktisch allen Kulturen, Rassen und Nationen auf Erden, das in den vielfältigen Behörden der Vereinten Nationen Dienst tut, verkörpert einen weltumspannenden „Öffentlichen Dienst“, dessen eindrucksvolle Leistungen für ein hohes Maß an Zusammenarbeit, selbst unter entmutigenden Bedingungen, kennzeichnend sind. Ein Drang zur Einheit kommt, einem geistigen Frühling gleich, in zahllosen internationalen Kongressen zum Ausdruck, die Menschen aus einem breiten Spektrum von Wissensgebieten zusammenführen. Er ist Triebkraft für kinder- und jugendbezogene internationale Vorhaben. Er ist in der Tat die eigentliche Quelle der bemerkenswerten Bewegung der Ökumene, die Anhänger historisch verfeindeter Religionen und Sekten unwiderstehlich zueinander hinzuziehen scheint. Der Drang zur Welteinheit ist im unablässigen Ringen mit der entgegengesetzten Tendenz zu Kriegsführung und Selbstverherrlichung einer der beherrschenden, allgegenwärtigen Wesenszüge des Lebens auf dem Planeten im ausgehenden 20. Jahrhundert.2
Die Geschwindigkeit des Wandels beschleunigte sich, während sich das zwanzigste Jahrhundert seinem Ende zuneigte. 1996 schrieb das Haus der Gerechtigkeit:
...andererseits unternehmen die Führer der Welt oft gemeinsame Aktionen, die dem Bahá’í-Beobachter eine Tendenz hin zu einer gemeinsamen Annäherung der Nationen an eine Lösung für die Probleme der Welt anzeigen. Bedenken Sie zum Beispiel die ungewöhnliche Häufung von weltweiten Anlässen, zu denen sich diese Führer seit dem Heiligen Jahr vor vier Jahren versammelt haben, wie zur Feier des fünfzigsten Jahrestages der Vereinten Nationen, auf der die teilnehmenden Staatsoberhäupter und Regierungschefs ihre Verpflichtung zum Weltfrieden erklärt haben. Erwähnenswert sind auch die Bereitwilligkeit und die Spontaneität, mit der diese Regierungschefs als Antwort auf eine Reihe von Krisen in verschiedenen Teilen der Welt gemeinsam gehandelt haben. Solche Tendenzen fallen mit dem aus aufgeklärten Kreisen stärker werdenden Ruf zusammen, der Möglichkeit, zu einer Art globalen Regierungsform zu finden, Beachtung zu schenken.
1. a.a.O., S. 20 2. a.a.O., S. 35f
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Dürfen wir nicht in diesen sich rasch entwickelnden Ereignissen das Walten der Hand der Vorsehung sehen, ja, den eigentlichen Vorboten für das in unseren Schriften vorhergesagte gewaltige Ereignis?1
Und 1998 schrieb es:
... selbst im Getöse einer im Aufruhr befindlichen Gesellschaft [kann man] eine unmissverständliche Tendenz in Richtung auf den Geringeren Frieden erkennen. Einen faszinierenden Hinweis liefert das größere Engagement der Vereinten Nationen an überfälligen, drängenden Weltproblemen, wobei sie von mächtigen Regierungen unterstützt werden; ein weiterer ergibt sich in allerletzter Zeit aus der Tatsache, dass führende Politiker in dramatischer Weise erkennen, was die enge Verknüpfung aller Nationen auf dem Gebiet des Handels und der Finanzen tatsächlich bedeutet - eine Vorbedingung, die Shoghi Effendi schon lange als einen wesentlichen Aspekt für eine organisch geeinte Welt erkannt hatte.2
Im Rückblick auf die bedeutenden Ereignisse der vorangegangenen vier Jahre in der Welt stellte das Haus der Gerechtigkeit zu Ridván 2000 fest, dass „die Führer der Welt kühne Schritte in Richtung auf die Gestaltung eines weltweiten politischen Friedens unternahmen“, und dass es ernsthafte Versuche gab,
... Methoden der kollektiven Sicherheit auszuarbeiten und umzusetzen, was Bahá’u’lláhs Vorschriften für die Erhaltung des Friedens in Erinnerung ruft; es gab einen Aufruf, einen internationalen Strafgerichtshof einzurichten, eine weitere Maßnahme, die mit den Erwartungen der Bahá’í übereinstimmt. Um die Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit zu richten, ein angemessenes System zur Lösung von globalen Fragen einzurichten, haben sich die Führer der Welt auf einem Millenium-Gipfel verabredet; neue Kommunikationsmethoden haben den Weg dafür frei gemacht, dass jeder mit jedem auf diesem Planeten in Verbindung treten kann.3
Einige Monate später, in einer Ausführung über die Millenium-Treffen, die im Laufe des Jahres 2000 in New York abgehalten wurden, um globale Themen im Zusammenhang mit dem Thema Frieden anzusprechen - das Millenium Forum im Mai, der Millenium Friedensgipfel der religiösen und geistlichen Führer im August und der Millenium-Gipfel der Führer von mehr als 150 Nationen, der im September abgehalten wurde –, bemerkte das Haus der Gerechtigkeit in seiner Botschaft vom 24. September 2000:
Für jeden Beobachter, der von der Bahá’í-Vision vom Frieden und den dazugehörenden Prozessen erfüllt ist, muss es in der Tat befriedigend sein, über das We-
1. 20 Ridván-Botschaft 153 B.E. (1996) 2. 21 Ridván-Botschaft 155 B.E. (1998) 3. 22 Ridván-Botschaft 157 B.E. (2000)
21. April 2001 Ridván – Botschaft 158 (2001)
sen und die Tragweite dieser jüngsten Ereignisse nachzusinnen, die auch im Zusammenhang mit den vorangegangenen Weltkonferenzen zu sehen sind, an denen im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls Staatsoberhäupter beteiligt waren. Und es muss doppelt so aufregend sein zu erkennen, dass zu einer so frühen Entwicklungsstufe des Bahá’í-Zeitalters Vertreter unserer internationalen Gemeinde so maßgeblich an diesen Ereignissen beteiligt waren, die Meilensteine auf dem Weg zu der neuen Weltordnung gesetzt haben, die so klar von der Feder Bahá’u’lláhs vorhergesehen wurde.
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An die Bahá’í der Welt Innig geliebte Freunde,
freudigen Herzens und mit großen Erwartungen nähern wir uns den Ridván-Tagen zu einer Zeitwende, da eine neue Geisteshaltung bei uns allen erkennbar ist. Überall in unserer Welt gemeinde gibt es ein verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung von Prozessen, die Not wendigkeit der Planung und die Bedeutung systematischen Handelns bei der Förderung des Wachstums und der Entwicklung menschlichen Potentials; durch sie wird die Verbreitung des Glaubens fortgesetzt und die Festigung sichergestellt. Ein klares Verständnis dieser Voraussetzungen für den Fortschritt kann nicht überbewertet werden; genauso wenig kann überschätzt werden, wie wichtig es ist, sie durch ein gut durchdachtes Training aufrechtzuerhalten. Es ist daher von größter Bedeutung für uns, dass unsere Gemeinde jetzt ein solches Bewusstseinsstadium erreicht hat. Wir sind der Gesegneten Schönheit zutiefst dankbar, dass wir dies erkennen und ganz zu Beginn des weltweiten Unternehmens, das an diesen Festtagen in Gang gesetzt wird, freudig begrüßen können.(1) Die durch dieses Bewusstsein erzeugte Willenskraft kennzeichnete auch die Konferenz der Kontinentalen Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter, die sich im Januar dieses Jahres im Heiligen Land versammelt hatten. Dieses Ereignis war so aufschlussreich, dass es den Eintritt der Sache Gottes in eine neue Epoche, die fünfte ihres Gestaltenden Zeitalters, ankündigte. Bei dieser historischen Versammlung kam eine so frische Lebenskraft zum Vorschein, dass sie als ein Zeichen verbesserter Qualität der Aktivitäten in der gesamten Gemeinde erkannt wurde. Das Streben der Freunde im vergangenen Jahr, die wesentlichen Vorbe dingungen für den Fortschritt des Prozesses des Beitritts in Scharen zu schaffen, bestätigt diese Beobachtung. Auf diese Weise wurde der Weg für den Fünfjahresplan geebnet, das erste Unternehmen in der Fünften Epoche.(2) Nachdem im vorausgegangenen Vierjahresplan mehr als 300 Trainings-Institute entstanden waren, verstärkte noch der Zwölfmonateplan diese beachtlichen Bemühungen und erfüllte so seinen Zweck. Darüber hinaus erlangte er dadurch Bedeutung, dass Institutionen und Einzelne äußerst positiv auf den Ruf antworteten, der geistigen Erziehung der Kinder und der Einbindung der Junioren in das Gemeindeleben größere Beachtung zu
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schenken. Die Ausbildung von Kinderklassenlehrern und die Einbeziehung der Junioren in den Institutsprozess sind in einer Reihe von Ländern zu einem regelmäßigen Bestandteil von Bahá’í-Aktivitäten geworden. Trotz seiner Kürze gewann der Zwölfmonateplan auch über die ihm ausdrücklich zugewiesenen Ziele hinaus an Bedeutung. Der Plan wurde zu einem dynamischen Bindeglied zwischen einer höchst ereignisreichen Epoche der Bahá’í- Geschichte und den besonders vielversprechenden Aussichten einer neuen Epoche, für die seine Errungenschaften die Gemeinde so gut vorbereitet haben. Er hat sich unseren Annalen auch durch die dauerhaften Auswirkungen der Aktivitäten des Glaubens am Ende des 20. Jahrhunderts eingeprägt. Über dieses Jahrhundert sollte jeder Bahá’í nachdenken, der sich bemüht, die turbulenten Kräfte, die das Leben des Planeten beeinflussen, und die in der Sache selbst ablaufenden Prozesse in einer kritischen Phase der sozialen und geistigen Evolution der Menschheit zu verstehen. Als Hilfsmittel für diese verdienstvolle Bestrebung wurde Century of Light (Jahrhundert des Lichts) - ein Überblick über das 20. Jahrhundert - auf unsere Veranlassung hin und unter unserer Aufsicht verfasst.(3) Während dieser einjährigen Unternehmung rückten die diplomatischen Aktivitäten des Bahá’í-Glaubens bei mehreren Gelegenheiten besonders in den Vordergrund. Beachten Sie zum Beispiel, wie sich Bahá’í-Vertreter an hervorragender Stelle im Mai, August und September an den Millenniums-Veranstaltungen beteiligten, die auf Drängen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen durchgeführt wurden. Die Auswirkungen einer so starken, deutlich sichtbaren Beteiligung der Internationalen Bahá’í-Gemein de an den Prozessen des Geringeren Friedens wird man erst im Laufe der Zeit richtig verstehen. Ein weiterer Höhepunkt war das kontinentale Kolloquium, das in Indien vom „Institut für Studien zum Globalen Wohlstand“ organisiert wurde, einer unter der Schirm herrschaft der Internationalen Bahá’í-Gemeinde tätigen neuen Einrichtung. An der Konferenz zum Thema „Wissenschaft, Religion und Entwicklung“ nahmen führende Nicht-Regierungs- Organi sa tionen aus Indien wie auch so angesehene Institutionen wie die UNESCO, UNICEF, WHO und die Weltbank teil. Im Oktober wurde der Bahá’í World News Service (BWNS) (Bahá’í-Weltnachrichtendienst) ins Internet gestellt, womit das Bahá’í- und das Nicht-Bahá’í-Publikum mit Nach richten und Berichten über Entwicklungen in der ganzen Bahá’í-Welt versorgt werden soll.(4) Über die intensive Tätigkeit am Bahá’í-Weltzentrum während des letzten Jahres wurden die Freunde schon weitgehend durch frühere Berichte informiert, die sich unter anderem auf solche Errungenschaften beziehen, wie den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Karmel, die Konferenz der Kontinentalen Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter im Heiligen Land im Januar dieses Jahres und die Fertigstellung der Projekte am Berge Karmel, die jetzt im Rahmen der Vorbereitungen auf die Einweihungsfeiern im Mai den letzten Schliff erhalten. Im Oktober vorigen Jahres wurden zum ersten Mal Pilger und Besucher im neuen, jetzt voll funktionsfähigen Empfangszentrum in Haifa begrüßt. In Bahji wird die Verschönerung der heiligen Stätten durch die Entwicklung der Gartenanlagen beständig weitergeführt. Diese Bemühungen erhielten jetzt neuen Auftrieb; denn im vergangenen Jahr begann man mit dem neuen Projekt, im nördlichen Teil des Geländes, jenseits des Collins-Tores, ein Besucher zentrum zu erbauen. Die Fertigstellung ist für die nächsten Monate vorgesehen,
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der Rohbau ist fertiggestellt und die Arbeiten gehen in allen Bereichen des Innenausbaus und der Gartengestaltung weiter. Die neue Einrichtung wird die Möglichkeiten des Weltzentrums verbessern, eine zunehmende Zahl von Pilgern, kurzfristigen Bahá’í-Besuchern und besonderen Gästen zu empfangen.(5) Zum Abschluss dieser Jahresübersicht freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Nationale Geistige Rat der Bahá’í von Indonesien nach einer Unterbrechung von fast drei Jahrzehnten am letzten Ridván bei der Nationaltagung in Jakarta wieder gebildet wurde. Ein im August 1962 ausgesprochenes Verbot für alle Bahá’í-Aktivitäten hatte die Tätigkeit der indonesischen Bahá’í während dieser Zeit stark eingeschränkt, aber sie blieben standhaft und verhielten sich in dieser langen Leidenszeit weise, bis veränderte Umstände in diesem Land zur Aufhebung des Verbotes führten. Können wir da nicht zu hoffen wagen, dass ein ähnlich erfreulicher Bericht über unsere heimgesuchten Glaubensbrüder in Iran, Ägypten und anderen Ländern nicht mehr zu lange auf sich warten lässt?(6) Liebe Freunde, in zwei Jahrzehnten wird die Bahá’í-Welt den hundertsten Jahrestag des Beginns des Gestaltenden Zeitalters feiern. Heute schauen wir auf den Anbruch jenes Zeitalters aus dem Blickwinkel von Errungenschaften, die zu Beginn kaum vorstellbar waren. Vor uns öffnen sich Horizonte, die die Gemeinde in der kurzen Zeit, die uns von der Jahrhundertfeier trennt, dringend zu noch größeren Leistungen aufrufen. Diese Höhen können und müssen erreicht werden. Wir rufen die Freunde in der ganzen Welt auf, dem Fünfjahresplan ihre ungeteilte und nachhaltige Aufmerksamkeit zu schenken, ist er doch dazu bestimmt, dieser Herausforderung gerecht zu werden. Er bildet die erste einer Reihe von Kampagnen, die in diesen zwanzig Jahren durchgeführt werden sollen. Dieser Plan ist die nächste Phase und hat zum Ziel, einen beachtlichen Fortschritt bei dem Prozess des Beitritts in Scharen zu erreichen. Er erfordert eine Beschleunigung dieses lebenswichtigen Prozesses und legt darüber hinaus den Nachdruck darauf, dass seitens der drei Beteiligten, des Einzelnen, der Institutionen und der Gemeinde, das systematische Bemühen kontinuierlich erfolgt.(7) Es ist nicht nötig, ausführlich auf die Erfordernisse des Planes einzugehen, denn sie wurden in der Botschaft an die im Heiligen Land versammelten Berater dargelegt und anschließend allen Nationalen Geistigen Räten mitgeteilt. Schon bald nach ihrer Konferenz begannen die Berater, mit den Nationalen Räten über die Ausführung des Planes in ihren Amtsbereichen zu beraten. Die Richtung des Planes ist daher den Freunden überall bekannt, zumal regionale und örtliche Vorbereitungen zur Verfolgung seines Hauptziels bereits im Gang sind. Es hat sich inzwischen ein allgemeines Bewusstsein gebildet, dass man sich darum bemühen muss, dass der Glaube in den einzelnen Ländern in zunehmend mehr Regionen immer tiefer vordringt. So wird man zum Beispiel, wo es die Umstände erlauben, benachbarte Gemeinden dazu aufrufen, sich an intensiven Wachstumsprogrammen zu beteiligen. Ein anderes Vorgehen erfordert die planmäßige Eröffnung neuer Gebiete, für die Inlandspioniere sich mit der gleichen Hingabe erheben müssen, die jene beseelte, die sich in früheren Zeiten weit und breit verstreuten, um unerschlossene Gebiete quer durch Kontinente und Ozeane zu eröffnen. Kurz: der Prozess innerhalb dieses göttlich geführten Plans wird sich erweitern, wenn weitere Maßnahmen schrittweise eingeführt und systematisch integriert werden.(8)
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Ein besonderes Kennzeichen der Fünften Epoche wird die Bereicherung des Andachtslebens der Gemeinde durch den Bau nationaler Häuser der Andacht sein, je nach dem, wie es die Umstände in den nationalen Gemeinden zulassen. Der Zeitplan für diese Projekte wird vom Universalen Haus der Gerechtigkeit unter Berücksichtigung des Fortschritts beim Prozess des Beitritts in Scharen in den einzelnen Ländern festgelegt werden. Diese Entwicklung wird sich in aufeinanderfolgenden Phasen von `Abdu’l-Bahás Göttlichem Plan fortsetzen. Unmittelbar nach der Fertigstellung des Muttertempels des Westens begann der Hüter mit einem Plan zum Bau von Kontinentalen Häusern der Andacht. Die ersten waren damals die Mashriqu’l-Adhkár in Kampala, Sydney und Frankfurt, die in Erfüllung der Ziele des Zehnjahresplanes gebaut wurden. Das Universale Haus der Gerechtigkeit verfolgte mit dem Bau der Tempel in Panama City, Apia und New Delhi dieselbe Linie. Diese kontinentale Phase ist aber noch zu vervollständigen: Ein weiteres Gebäude muss noch errichtet werden. Mit tiefer Dankbarkeit und Freude verkünden wir in diesem verheißungsvollen Augenblick die Entscheidung, dieses letzte Projekt in Angriff zu nehmen. Während des Fünfjahresplans wird mit dem Bau des Muttertempels von Südamerika in Santiago, Chile, begonnen und damit ein von Shoghi Effendi klar ausge sprochener Wunsch erfüllt.(9) Es ist nun an der Zeit, weitere Schritte am Weltzentrum zu unternehmen, um die Funktionen der Institutionen mit Sitz in den neuen Gebäuden am Bogen zu entwickeln. Nach beachtlichen Fortschritten des Internationalen Lehrzentrums wird man jetzt besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden, die Arbeit des Zentrums für das Studium der Texte zu organisieren. Die Übersetzung weiterer Heiliger Texte ins Engli sche wird dabei von besonderer Bedeutung sein. Die Aufgabe dieser Institution ist es, das Universale Haus der Gerechtigkeit dabei zu unterstützen, die Heiligen Schriften zu Rate zu ziehen und Übersetzungen und Kommentare zu den autoritativen Texten des Glaubens zu verfassen. Darüber hinaus wird man sich im Heiligen Land ständig darum bemühen, es zu ermöglichen, dass die Anzahl der Pilger und Besucher am Bahá’í-Weltzentrum weiter ansteigen kann.(10) Vor fünf Jahren kündigten wir in unserer Ridván-Botschaft eine Großveranstaltung am Weltzentrum an, welche aus Anlass der Fertigstellung der Projekte am Berg Karmel und der Eröffnung der Terrassen am Schrein des Báb für die Öffentlichkeit stattfinden wird. Dieser Augenblick ist nun gekommen, und wir freuen uns in der Erwartung, Freunde aus eigentlich allen Ländern bei einem Programm zu begrüßen, das sich über fünf Tage vom 21. bis zum 25. Mai erstrecken wird. Wir sind auch glücklich mitteilen zu können, dass Vorbereitungen getroffen werden, um die Bahá’í-Welt durch Live- Übertragungen im World Wide Web und per Satellit an den Veranstaltungen teilnehmen zu lassen. Informationen darüber folgen noch. Während das Weltzentrum sich hierauf konzentriert, wird auch die Erwartung der Menschen in Haifa immer größer, wo die städtischen Behörden ein Buch mit dem Titel: Bahá’í Shrine and Gardens on Mount Carmel, Haifa, Israel: A Visual Journey veröffentlichen wollen, das gleichzeitig mit den Veranstaltungen erscheinen soll. Ferner betreibt die Postbehörde von Israel den Plan, zur gleichen Zeit eine Gedenkmarke herauszugeben, welche die Terrassen darstellt. Die Bedeutung des Ereignisses liegt im Wesentlichen darin, dass es uns erlaubt innezuhal-
27. April 2001 Arabische Ausgabe des Heiligsten Buches
ten, um die beachtliche Wegstrecke zu überblicken, die der Glaube in seiner Entwicklung im 20. Jahrhundert zurückgelegt hat. Es ist auch an der Zeit, die künftigen Auswirkungen dieser gewaltigen Leistungen zu bedenken, die durch die Errichtung der imposanten Bauwerke auf Gottes heiligem Berge symbolisiert werden – Bauwerke, die die geistigen und administrativen Zentren unseres Glaubens den Blicken der Welt öffnen.(11) Während unsere Gemeinde sich dieser begeisternden Betrachtungen erfreut, möge jedes Mitglied bedenken, dass wir keine Zeit haben, uns auf Lorbeeren auszuruhen. Die Menschheit befindet sich in einer so verzweifelten Lage, dass wir keinen Augenblick zögern dürfen, das Brot des Lebens zu überreichen, das in unserer Zeit vom Himmel kam. Dulden Sie daher keinen Aufschub, den erfolgversprechenden Prozess voranzutreiben, wenn es darum geht, alle jene, die nach der Wahrheit dürsten, zu der Festtafel des Herrn der Heerscharen zu führen.(12) Möge Er, der über das Schicksal Seines göttlichen Systems wacht, jede Bemühung führen, lenken und bestätigen, die Sie unternehmen, um die vor Ihnen liegenden drängenden Aufgaben zu bewältigen.(13) Das Universale Haus der Gerechtigkeit
27. April 2001 Arabische Ausgabe des Heiligsten Buches
Brief an alle Nationalen Geistigen Räte Liebe Bahá’í-Freunde,
das Universale Haus der Gerechtigkeit freut sich bekannt zu geben, dass nunmehr auch die arabische Ausgabe des Heiligsten Buches erworben werden kann. Ein Freiexemplar wird Ihnen auf Wunsch des Hauses der Gerechtigkeit von der Vertriebsstelle übersandt. Diese Ausgabe wurde unter Mitwirkung eines fachkundigen Bahá’í-Kaligraphen hergestellt. Dieser hat den von Bahá’u’lláh offenbarten Text in einer Weise dargeboten, die der Bedeutung eines Buches, das vom Hüter als „die Charta für die zukünftige Weltzivilisation“ beschrieben wurde, angemessenen ist. Entsprechend dem Brauch beim Druck Heiliger Schriften in Arabisch sind die ersten beiden Seiten illuminiert. Der Eingangsvers wurde in der Kufi-Schrift geschrieben. Der Band enthält auch, in Anlehnung an die englische Ausgabe, Ergänzungen in Arabisch, darunter „Fragen und Antworten“, „Inhaltsübersicht und systematische Darstellung“ sowie „Erläuterungen“. Das Buch wurde in Kanada gedruckt und wird vom Bahá’í-Vertriebsdienst in den Vereinigten Staaten zum Einzelhandelspreis von US$ 30 [Anm.d.Übers.: DM 66,-- bzw. Euro 35,--] angeboten. Es wird davon ausgegangen, dass dieses Buch für viele Gläubige von großem Interesse sein wird, nicht nur für jene, die Arabisch lesen können. Das Angebot bietet die Gelegenheit, einen wertvollen Besitz zu erwerben: eine Kopie dieses Werkes in einer Sprache, in der seine heiligen Texte von Bahá’u’lláh offenbart wurden.
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Das Haus der Gerechtigkeit hat daher den Vertriebsdienst beauftragt, Ihnen den genauen Bestellvorgang für diese Ausgabe mitzuteilen. Mit herzlichen Bahá’í-Grüßen, Sekretariatsabteilung
22. Mai 2001 Erklärung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit anlässlich der offiziellen Eröffnung der Terrassen am Schrein des Báb
Vorgetragen von Dr. Albert Lincoln, Generalsekretär der Internationalen Bahá’í-Gemeinde Frohen und dankbaren Herzens begrüßen wir alle, die von nah und fern angereist sind, um zu diesem für die Bahá’í der Welt so freudigen Anlass mit uns zusammenzukommen. Mit großer Wertschätzung begrüßen wir die Anwesenheit so vieler hoher Gäste. Eineinhalb Jahrhunderte sind seit jener unsagbaren Tragödie vergangen, die sich im Nordwesten Persiens zutrug, als der Báb mutig dem Kugelhagel begegnete, der aus den Gewehren von 750 Soldaten auf Ihn abgefeuert wurde. Die Soldaten waren dem Befehl der höchsten Obrigkeiten des Landes gefolgt. Der zerstückelte Körper des Báb wurde dann in einen Straßengraben außerhalb der Stadt geworfen und damit von seinen kaltblütigen Verfolgern einem, wie sie glaubten, schmählichen Schicksal überlassen. Sie hofften, so dem wachsenden Einfl uss ein Ende zu setzen, den Seine Lehren auf unzählige Menschen im ganzen Land ausübten. Angesichts schlimmster Verfolgungen hatten all diese Menschen den Anspruch des Báb, ein Prophet Gottes zu sein, anerkannt. Ihr Leben veränderte sich geistig und moralisch, als Er sie auf den, wie Er es nannte, Anbruch eines neuen Zeitalters vorbereitete, in dem eine Weltzivilisation entstehen und erblühen würde. Die Erwartungen, die bereits unzählige Herzen aufgerührt hatten, wurden in ihrer Erhabenheit noch verstärkt durch die Ankündigung des Báb, dass ein Größerer als Er selbst sich bald erheben werde, Einer, der das einzigartige Wesen der verheißenen Weltzivilisation, die das Mündigwerden der gesamten Menschheit bedeute, offenbaren werde. Wir sind nicht zusammengekommen, um den tragischen Märtyrertod des Báb und die sich anschließenden Verfolgungen zu beklagen; vielmehr sind wir gekommen, um den Höhepunkt eines beispiellosen Projektes zu feiern, das vor über einhundert Jahren seinen Ausgang nahm, und um seine große Bedeutung zu bezeugen. Damals besuchte Bahá’u’lláh, den die osmanischen Behörden nach Akká verbannt hatten, um dort den Rest Seines Lebens in Gefangenschaft zu verbringen, den Berg Karmel und bestimmte den Platz, an dem die sterblichen Überreste Seines Herolds beigesetzt werden sollten. Wir hoffen demütig, dass das wunderbare Ziel, das mit der Fertigstellung der neunzehn Terrassengärten erreicht wurde, aus deren Mitte sich der Schrein des Báb erhebt, eine angemessene Erfüllung der Vision Bahá’u’lláhs ist. Die Leiden, die der Báb erduldete, um die Menschheit wachzurütteln und ihr die Verantwortung ihres nahenden Reifealters bewusst zu machen, waren selbst Anzeichen der Heftigkeit des Ringens unerlässlich, damit die Weltbevölkerung die gemeinsame Reife-
22. Mai 2001 Erklärung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit anlässlich der offiziellen Eröff-
zeit durchläuft. Dies ist, so paradox es auch klingen mag, ein Grund zur Hoffnung. Den Unruhen und Krisen unserer Zeit liegen folgenschwere Veränderungen in den Angelegenheiten der Menschheit zugrunde. Die zeitgleichen Prozesse des Zerfalls und des Aufbaus haben sich seit dem Erscheinen des Báb in Persien auf dem ganzen Planeten eindeutig beschleunigt. Niemand kann ernsthaft leugnen, dass sich unsere Erde zu einer einzigen Nachbarschaft entwickelt hat. Die Welt wird neu gestaltet. Todesqualen weichen Geburtswehen. Die Schmerzen werden vergehen, wenn die Glieder der Menschheit entsprechend der gemeinsamen Erkenntnis ihrer wesensmäßigen Einheit handeln. Am Ende dieses Tunnels des Wandels ist ein Licht, das die Menschheit zu dem Ziel führt, das ihr nach dem Zeugnis aller heiligen Bücher bestimmt ist. Der Schrein des Báb ist ein Symbol für die Wirkkraft dieser uralten Verheißung und ein Zeichen ihrer Dringlichkeit. Er ist auch ein Denkmal des Sieges der Liebe über den Hass. Die Gärten, die dieses Bauwerk umgeben, erinnern mit ihrer Vielfalt an Pfl anzen und Farben daran, dass die Menschheit in all ihrer Verschiedenartigkeit harmonisch zusammen leben kann. Das Licht, das aus dem in der Mitte stehenden Gebäude scheint, ist wie ein Hoffnungsstrahl für die Unzähligen, die sich nach einem Leben sehnen, das den Körper wie auch die Seele zufrieden stellt. Diese unauslöschliche Hoffnung rührt von Worten wie diesen aus der Feder Bahá’u’lláhs her: „Dies ist der Tag, an dem Gottes erhabenste Segnungen den Menschen zugeströmt sind, der Tag, an dem sich Seine größte Gnade über alles Erschaffene ergossen hat.“ Mögen alle, die oft trotz geringer Erfolgsaussichten danach streben, die Prinzipien von Gerechtigkeit und Eintracht aufrechtzuerhalten, durch diese Zusicherungen ermutigt werden. Wenn wir über die Jahre des Bemühens nachsinnen, die in dieses kühne Projekt investiert wurden, verspüren wir den Wunsch, den Men- schen in Haifa die Wärme unserer Herzen entgegenzubringen. Ihre Stadt wird für alle Zeit überall von den Bahá’í als der Ort gepriesen werden, an dem die sterblichen Überreste des jugendlichen Propheten und Herolds ihres Glaubens schließlich ihren Ruheplatz fanden, und dies nach einem halben Jahrhundert, in dem sie in Seinem Geburtsland zum Schutz heimlich von Ort zu Ort gebracht werden mussten. Die Geduld und die Herzlichkeit, die den Bahá’í während der schwierigsten Jahre der Bauarbeiten entgegengebracht wurden, stehen beispielhaft für den wohlwollenden Geist, den große Teile der Welt so dringend benötigen. Durch die Gunst des Schicksals ist Haifa am Berge Karmel gelegen, der für immer mit heiligen Sehern in Verbindung gebracht werden wird, deren Anliegen sich durch die Zeitalter hindurch vor allem auf die Verheißung des Friedens konzentrierte. Möge Haifa nicht nur als ein Ort der Naturschönheiten weithin bekannt werden, sondern vor allem als die Stadt des Friedens. Lasst also von diesem heiligen Ort, von diesem Berg des Herrn, die Botschaft ausgehen, dass die Einheit und der Frieden der Welt nicht nur möglich, sondern unausweichlich sind. Die Zeit dafür ist gekommen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
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24. Mai 2001 An die Gläubigen, die zu den Ereignissen aus Anlass der Vollendung der Projekte am Berg Karmel versammelt sind
Liebe Bahá’í-Freunde,
einhundert und achtundvierzig Jahre sind vergangen seit jenem Augenblick, als in der Finsternis des Síyáh-Chál Bahá’u’lláh den Göttlichen Auftrag erhielt, sich zu erheben und allen auf Erden den Anbruch des Tages Gottes zu verkünden: Wahrlich, Wir werden Dich durch Dich selbst und durch Deine Feder siegreich machen. ... Binnen kurzem wird Gott die Schätze der Erde offenkundig machen – Menschen, die Dir beistehen werden durch Dich selbst und durch Deinen Namen, durch welchen Gott die Herzen derer belebt, die ihn erkannt haben. In historischen Zeiträumen ist es nur eine verschwindend knappe Zeitspanne, die zwischen jenem ersten Moment und diesem großartigen Sieg liegt, den wir diese Woche hier feiern. Sie, die Sie aus jedem Winkel der Erde und aus jedem Stamm der Menschheitsfamilie zusammengekommen sind, repräsentieren einen Querschnitt derer, die Bahá’u’lláh erweckt hat, Ihm beizustehen, und keiner von uns kann angemessen die Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, hier mit versammelt zu sein. Die majestätischen Gebäude, die nun entlang des von Shoghi Effendi geplanten Bogens am Hang des Berges Karmel stehen, sind zusammen mit den prachtvollen Terrassengärten, die den Schrein des Báb umrahmen, ein sichtbarer Ausdruck der ungeheuren Macht, welche die Sache beseelt, der wir dienen. Sie legen zeitlos Zeugnis dafür ab, dass die Anhänger Bahá’u’lláhs erfolgreich die Grundlagen einer weltweiten Gemeinde gelegt haben, die sich über alle Unterschiede erhebt, welche die Menschheit spalten; sie bezeugen, dass sie die Hauptinstitutionen einer einzigartigen und unangreifbaren Gemeindeordnung ins Leben gerufen haben. Mit den Umgestaltungen, die auf dem Berg Karmel stattgefunden haben, tritt die Bahá’í-Sache als eine sichtbare, unwiderstehliche Realität auf der Welt-Bühne hervor, als der Brennpunkt der Kräfte, die zu der von Gott verfügten Zeit den Wiederaufbau der Gesellschaft bewirken werden, und als mystische Quelle geistiger Erneuerung für alle, die sich ihr zuwenden. Die Refl ektion darüber, was die Bahá’í-Gemeinde vollbracht hat, macht uns schlagartig und erschütternd die Leiden und Entbehrungen bewusst, welche die große Mehrheit unserer Mitmenschen heimsuchen. Es ist notwendig, dass dies so geschieht; denn dadurch öffnen sich unser Verstand und unsere Seele für die große Tragweite der Sendung, mit der uns Bahá’u’lláh betraut hat. „Wisse wahrlich,“ so erklärt Er, „diese großen Heimsuchungen, die über die Welt gekommen sind, bereiten sie vor auf das Kommen der Größten Gerechtigkeit.“ „Gott sei gelobt!“, fügt ‘Abdu’l-Bahá hinzu, „Die Sonne der Gerechtigkeit ist über dem Horizont Bahá’u’lláhs emporgestiegen. Denn in Seinen Tablets wurden die Grundlagen für eine solche Gerechtigkeit gelegt, wie sie keine Vernunft von Anbeginn der Schöpfung an ersinnen konnte.“ Letztendlich ist es diese göttliche Zielsetzung, der all unsere Aktivitäten dienen, und wir werden in dieser Zielrichtung in dem Maße vor-
24. Mai 2001 An die Gläubigen, die zu den Ereignissen aus Anlass der Vollendung der Projekte
anschreiten, wie wir begreifen, wie viel von unseren Bemühungen abhängt, den Glauben zu lehren, seine Institutionen zu errichten und zu festigen sowie seinen Einfl uss auf das gesellschaftliche Leben zu verstärken. Der drängenden Notlage der Menschheit wird man nicht begegnen können durch einen Wettkampf rivalisierender Ambitionen oder durch Proteste gegen diese oder jene der zahllosen Ungerechtigkeiten, die ein Zeitalter voller Verzweifl ung befallen haben. Es bedarf vielmehr eines grundsätzlichen Bewusstseinswandels, einer uneingeschränkten Annahme der Lehre Bahá’u’lláhs, dass die Zeit gekommen ist, in der jeder Mensch lernen muss, Verantwortung für das Wohlergehen der gesamten Menschheit zu übernehmen. Die Hingabe an dieses revolutionäre Prinzip wird die Gläubigen und die Bahá’í-Institutionen immer mehr befähigen, in anderen das Wissen um den Tag Gottes und die latenten geistigen und moralischen Fähigkeiten wach zu rufen, die diese Welt verwandeln können. Wir legen diese Hingabe, wie uns Shoghi Effendi sagt, durch unsere moralische Rechtschaffenheit im Verhalten anderen gegenüber an den Tag, durch die Beherrschung unserer niederen Natur und durch unser völliges Freisein von solchen Vorurteilen, wie sie ein geeintes Handeln in der Gesellschaft um uns herum behindern und positive Impulse in Richtung auf Veränderung zunichte machen. Die Maßstäbe, die der Hüter darlegte, gelten für die gesamte Bahá’í- Gemeinde, sowohl in Bezug auf ihr Leben als Gemeinschaft als auch auf das persönliche Leben. Sie sind indes von besonderer Tragweite für die Bahá’í-Jugendlichen, die gesegnet sind mit den beneidenswerten Vorzügen eines großen Maßes an Energie, Flexibilität im Denken und großer Bewegungsfreiheit. In der Welt, die die Bahá’í-Jugend erbt, sind die Ausbildungschancen sowie die wirtschaftlichen und anderen grundlegenden Möglichkeiten äußerst ungerecht verteilt. Die Bahá’í- Jugend darf sich nicht durch solche Barrieren entmutigen lassen. Es ist ihre Herausforderung, den tatsächlichen Zustand der Menschheit zu erfassen und untereinander dauerhafte geistige Bande zu schmieden, die sie nicht nur von rassischen und nationalen Spaltungen, sondern auch von sozialen und materiellen Barrieren befreien und befähigen werden, das weiter zu tragen, was ihr anvertraut ist. Bahá’u’lláh ermutigt uns, von der Jugend Seiner Gemeinde eine viel frühere Entwicklung zur Reife zu erwarten als das für den Rest der Gesellschaft kennzeichnend ist. Zweifellos vermindert dies in keiner Weise die Bedeutung, die der Ausbildung, wirtschaftlichen Notwendigkeiten oder familiären Verpfl ichtungen zukommt. Es bedeutet, dass die Bahá’í-Jugend Verantwortung für die moralische Führung bei der Umgestaltung der Gesellschaft übernehmen kann – und dazu ermutigt werden sollte. Um diese Feststellung zu unterstreichen, rufen wir die Erinnerung an denjenigen ins Gedächtnis, dessen Schrein heute den Berg Gottes im Lichterglanz hat erstrahlen lassen, und die Erinnerung an jene Schar jugendlicher Helden und Heldinnen, die mit geistiger Größe und Selbstaufopferung die Aufgabe, der wir dienen, in Angriff nahmen. Das Ereignis, das wir heute feierlich begehen, rückt zwei paradoxe Gegebenheiten in den Mittelpunkt. Innerhalb des Glaubens selbst kündet das Wachstum der Kräfte der Bahá’í-Gemeinde einen großen Schub nach vorne an, wofür Anzeichen bereits überall sichtbar sind. Wie Shoghi Effendi mehrmals betonte, wird dieser Fortschritt unver-
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meidlich eine sogar noch heftigere Opposition als jene hervorrufen, die der Sache bisher begegnet ist – eine Opposition, die im Gegenzug stärkere Kräfte freisetzen wird, welche für die immer noch größeren Herausforderungen notwendig sind, die vor uns liegen. Die Welt, in der unsere Bemühungen stattfi nden, ist gleichfalls tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Auf der einen Seite bestätigt das dichte Netzwerk von Einrichtungen und Einzelpersonen, die Verständnis und Zusammenarbeit unter den verschiedenen Völkern fördern, immer stärker die wachsende Einsicht darin, dass die „Erde .. nur ein Land [ist], und alle Menschen ... seine Bürger“. Auf der anderen Seite ist gleichermaßen offensichtlich, dass die Welt eine Periode sozialer Lähmung, Tyrannei und Anarchie durchläuft; eine Periode, die geprägt ist durch weitverbreitete Vernachlässigung staatlicher wie persönlicher Verantwortung, deren letztliche Konsequenzen niemand auf der Welt voraussehen kann. Die Folge beider Entwicklungen wird sein, wie Shoghi Effendi aufgezeigt hat, dass in den Herzen unserer Mitmenschen eine Sehnsucht nach Einheit und Gerechtigkeit geweckt wird, die nur durch die Sache Gottes erfüllt werden kann. Ein langer und mühsamer Prozess des Bemühens, des Experimentierens und des Aufbaus hat zu den Siegen geführt, die unsere Herzen zu Beginn eines neuen Jahrhunderts erheben. Durch das sich rasch ausbreitende System der Institute und durch die Energie, die überall in regionale Wachstumsstrategien investiert wird, hat die Bahá’í-Gemeinde schnell gelernt, aus dem Erreichten Nutzen zu ziehen. Wie tief auch die Düsternis sein mag, welche die Welt einhüllt – noch nie sah die Zukunft für den Fortschritt der Sendung Bahá’u’lláhs so vielversprechend aus. Wir, die wir die Ehre haben, diese Woche hier versammelt zu sein, bezeugen mit eigenen Augen, wie sich jene Worte zu erfüllen beginnen, die vom Herrn der Heerscharen vor über einem Jahrhundert auf diesem Berg offenbart wurden, Worte, die jedes Atom der Erde in Schwingung versetzen: „Wahrlich, dies ist der Tag, da Land und Meer frohlocken über diese Verkündigung, der Tag, für den aufbewahrt wurde, was Gott aus einer Großmut, die jenseits der Fassungskraft des sterblichen Verstandes oder Herzens liegt, zu offenbaren bestimmt hat.“ Solch ein Privileg bringt eine ebenso große Verantwortung mit sich; die Verantwortung, das unsrige zu tun – was auch immer das Opfer oder die Schwierigkeit sein mag – um sicherzustellen, dass die brennende Sehnsucht, die Bahá’u’lláh zu jener historischen Gelegenheit äußerte, sich erfülle: „O wie sehne Ich Mich, jedem Ort des Erdkreises die frohe Botschaft dieser Offenbarung zu verkünden und sie in jede seiner Städte zu tragen, einer Offenbarung, zu der das Herz des Sinai hingezogen wurde, und in deren Namen der Brennende Busch ruft: ‚Gottes, des Herrn der Herren, sind die Reiche der Erde und des Himmels!‘“ Mit dankbarer Inbrunst werden wir an der Heiligen Schwelle dafür beten, dass Bahá’u’lláh Ihre Bemühungen auf dem Weg zur Erlösung der Menschheit und der Heilung ihrer Krankheiten segnen und bestätigen möge. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Das Universale Haus der Gerechtigkeit
01. Juni 2001 Erfolg der Feierlichkeiten zur Einweihung der Terrassen am Schrein des Báb
01. Juni 2001 Erfolg der Feierlichkeiten zur Einweihung der Terrassen am Schrein des Báb
An die Bahá’í der Welt
Heute vor einer Woche versammelten sich am Bogen des Berges Karmel mehr als 2.500 Repräsentanten aus 182 Staaten und abhängigen Territorien mit den Freunden, die am Bahá’í-Welt- Zentrum dienen, zu dem letzten der Ereignisse, welche die Vollendung der Projekte auf jenem heiligen Berg kennzeichnen. Unsere Herzen strömen über vor Freude, wir neigen die Häupter in Dankbarkeit gegenüber der Gesegneten Schönheit in Anbetracht des erstaunlichen Erfolgs der Feierlichkeiten zur Einweihung der Terrassen am Schrein des Báb. Die Ehrfurcht auslösenden, weltweiten Auswirkungen spiegeln sich in den zahlreichen Botschaften wider, die hier aus den verschiedenen Teilen des Planeten, wo Fernsehübertragungen des Ereignisses über Satellit gesehen wurden, ankamen. Es ist noch zu früh, um die unmittelbare Wirkung dieser beispiellosen globalen Proklamation des Glaubens einzuschätzen, noch kann ihre Auswirkung für den Fortschritt der Sache unmittelbar erfasst werden. Es kann indes kein Zweifel daran bestehen, dass eine so ungeheure Proklamation dem Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen zugute kommen wird, auf den die Energie der Geliebten Bahá’u’lláhs überall sogar noch intensiver als bisher gerichtet sein muss. Während des Verlaufs dieser Ereignisse veröffentlichten wir zwei Botschaften, die unsere gegenwärtige Sicht zur Bedeutung dessen, was sich im Heiligen Land vollzogen hat, vermitteln. Diese wurden gesondert an die Nationalen Geistigen Räte gesandt, die Vorkehrungen treffen werden, um sie unmittelbar mit den Freunden in ihren Gemeinden zu teilen. Mögen die offenkundigen Wunder des Herrn der Heerscharen die Freunde auf der ganzen Welt in ihren hingebungsvollen Bemühungen, voranzuschreiten auf den Pfaden des Dienstes, die Er so gnadenreich vor ihnen eröffnet hat, beleben und bestärken. Das Universale Haus der Gerechtigkeitt
19. Juni 2001 Grabmal Rúhíyyih Khánums
Brief an alle Nationalen Geistigen Räte, Liebe Bahá’í-Freunde,
das Universale Haus der Gerechtigkeit hat uns gebeten Sie zu informieren, dass einige Tage vor den Eröffnungsfeierlichkeiten der Terrassen am Schrein des Báb ein Gedenkstein auf der Ruhestätte der Hand der Sache Gottes Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum ge-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
genüber dem Haus ‘Abdu’l-Bahás errichtet wurde. In dem umliegenden Garten werden zur Zeit gartenarchitektonische Arbeiten ausgeführt. Der durch das Universale Haus der Gerechtigkeit in Auftrag gegebene und von Herrn Hossein Amanat entworfene Gedenkstein ist auf dem beiliegenden Foto abgebildet. Die Freunde, die ja eine große Zuneigung und Hingabe für die geliebte Rúhíyyih Khánum empfinden, werden gewiss über das Erreichte hoch erfreut sein. Mit herzlichen Bahá’í-Grüßen, Sekretariatsabteilung
29. Juli 2001 Erfolgreiches Finanzierungskonzept wird fortgeführt
Botschaft an den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í in Deutschland Liebe Bahá’í-Freunde,
das Verfahren der Zuweisung von Zielen internationaler finanzieller Zusammenarbeit, das durch das Universale Haus der Gerechtigkeit zu Beginn des Vierjahresplanes gewählt wurde und das während des Zwölfmonatsplanes weiter geführt wurde, hat sich als sehr effektiv erwiesen. 41 ausgewählte Nationale Geistige Räte waren gebeten worden abzuschätzen, welchen Betrag sie während einer Zeitspanne von vier Jahren zum Erwerb und zur Verschönerung von Besitztümern und Einrichtungen anderer nationaler Gemeinden beitragen könnten. Auf der Grundlage ihrer Schätzungen wurden sie vom Universalen Haus der Gerechtigkeit aufgerufen, Gemeinden in verschiedenen Teilen der Welt zu unterstützen, sobald spezieller Bedarf bekannt wurde. Insgesamt wurden den Nationalen Geistigen Räten, die sich bereit erklärt hatten, an dieser Initiative mitzuwirken, als Ziele internationaler finanzieller Zusammenarbeit eine Gesamtsumme von 1.610.331 US$ zugewiesen. Etwa 55 nationale Gemeinden konnten von ihrer Unterstützung profitieren; dabei gingen insgesamt 546.671 US$ an 24 Länder in Afrika, 223.300 US$ an vier Länder in Amerika, 303.705 US$ an 13 Länder in Asien, 197.800 US$ an 4 Länder in Australasien und 338.855 US$ an 10 Länder in Osteuropa. Die Ziele reichten von 650 US$ für den Kauf von Büroausstattung für eine Institutseinrichtung in Afrika bis zu 110.000 US$ für den Erwerb zweier angrenzender Grundstücke am Tempelbesitz in Samoa. Die durch die Initiative der finanziellen Zusammenarbeit ausgegebenen Mittel haben die Kosten unterschiedlicher Projekte getragen. Es wurden drei Nationale Zentren gebaut sowie sechs Gebäude erworben, die als nationale Verwaltungszentren dienen. Weitere zehn Nationale Zentren konnten renoviert, repariert oder auf sonstige Weise verbessert werden. Ebenso wurden sechs Institutseinrichtungen errichtet, vier Gebäude für diesen Zweck erworben und sieben bestehende Einrichtungen erweitert. Ein Nationaler Rat in Afrika erwarb eine Druckerpresse, um sein Programm zur Herstellung von Kern-Literatur zu fördern; zwei Fahrzeuge wurden gekauft, um die Arbeit der nationalen Trainings- Institute in zwei weiteren Ländern Afrikas zu erleichtern. 60.000 US$
05. August 2001 Zur Lage des Internationalen Fonds
wurden in Büroausstattungen investiert, was die Leistungsfähigkeit Nationaler Sekretariate, insbesondere in Afrika, deutlich steigerte, wobei mindestens sieben Computer angeschafft und installiert wurden. Weiterhin profitierten Tempel- Stätten von dieser Initiative, zum Beispiel Ewerb der oben erwähnten Grundstücke, die Verbesserung der Mitarbei ter-Unterkünfte auf dem Tempelgelände in Kampala und den Kauf zweier Rasenmäher für die Pflege der Tempelgrundstücke. In Afrika, Asien und Ost-Europa wurden Grundstücke erworben und regionale und örtliche Bahá’í- Zentren erstanden, jeweils in direktem Zusammenhang mit den beeindruckenden Errungenschaften des Vierjahres- und des Zwölfmonatsplanes. Das Universale Haus der Gerechtigkeit war sehr berührt von der Bereitschaft der beitragenden Nationalen Räte, den Bedürfnissen des Glaubens weltweit zu entsprechen. Aufgrund dieses Erfolges hat es entschieden, diese Vorgehensweise auch während des Fünfjahresplanes anzuwenden. Sie sind einer der 38 ausgewählten Nationalen Räte, von denen es glaubt, dass sie in der Lage sind, andere nationale Gemeinden auf diese Weise zu unterstützen. Wir würden uns freuen, von Ihnen eine Schätzung zu erhalten, welchen Betrag Sie für die finanzielle Zusammenarbeit während des Fünfjahresplanes zur Verfügung stellen können. In diesem Zusammenhang wäre es hilfreich, wenn Sie uns eine Aufstellung darüber geben könnten, wie viel Sie schätzungsweise in den einzelnen Jahren bereit stellen können. Als Hilfestellung bei der Ermittlung des Betrages, den Sie beitragen können, wurden wir gebeten Ihnen mitzuteilen, dass das Haus der Gerechtigkeit davon ausgeht, dass rund 2.500.000 US$ benötigt werden, um die Ziele der finanziellen Zusammenarbeit, die während des Planes zugewiesen werden, zu erreichen. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung
05. August 2001 Zur Lage des Internationalen Fonds
In den beiden nachfolgenden Schreiben erläutert das Universale Haus der Gerechtigkeit die internationale finanzielle Situation. Der Brief vom 5. August 2001 wendet sich an alle Nationalen Geistigen Räte und befasst sich mit der aktuellen Lage des Internationalen Fonds. Kurz zuvor hatte sich das Universale Haus an 38 Nationale Räte, darunter den Nationalen Rat von Deutschland, gewandt und die Ziele der internationalen finanziellen Zusammenarbeit im Rahmen des Fünfjahresplans dargelegt. Als Antwort darauf hat der Nationale Rat beschlossen, im Rahmen des Fünfjahresplans 150.000,00 US$ als Beitrag der deutschen Bahá’í-Gemeinde für die internationale Zusammenarbeit bereitzustellen. Im Rahmen des Vierjahresplans hatte unser Beitrag für diesen Zweck 81.000,00 US$ betragen, der unter anderem für folgende Ziele Verwendung fand: Bahá’í-Zentrum Tallinn, Bahá’í-Zentrum Mongolei, zwei Rasenmäher sowie eine Pumpe für das Tempelgelände in Kampala, Buchmessen in Peking.
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
05. August Gestiegene Anforderungen
Botschaft an alle Nationalen Geistigen Räte, Liebe Bahá’í-Freunde,
das Universale Haus der Gerechtigkeit hat uns gebeten, Ihnen die Ergebnisse einer Schätzung über den gegenwärtigen Stand und Bedarf der internationalen Fonds des Glaubens zu übermitteln, die es nach Abschluss der Projekte am Berg Karmel vorgenommenen hat. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass diese Errungenschaft, gefolgt vom eindrucksvollen Erfolg der Feierlichkeiten, mit denen die Terrassen am Schrein des Báb offiziell für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, der Gemeinde des Größten Namens in der gesamten Welt in einer Zeit, da sie in den Fünfjahresplan eintritt und bemüht ist, den Prozess des Beitritts in Scharen voran zu bringen, frischen Schwung und Zuversicht verliehen hat. Durch die aufopferungsvollen Beiträge der Gläubigen aus allen Teilen der Welt konnten ausreichende Mittel bereit gestellt werden, um den Bedarf dieser historischen Unternehmung zu decken und den Bau der Anlagen ungehindert zum Abschluss zu bringen. Das Haus der Gerechtigkeit hat beschlossen, den Fonds für die Projekt am Bogen nunmehr zu schließen im Vertrauen darauf, dass die hierin verbliebenen Mittel ausreichen werden, die noch ausstehenden Ausgaben für den Bau und Erwerb einiger notwendiger Liegenschaften im Randbereich der Terrassen zu decken. Es ist jetzt deutlich geworden, dass der Bedarf des Internationalen Bahá’í-Fonds infolge einer Reihe neuerlicher Entwicklungen wie der folgenden beträchtlich angewachsen ist:
• Die mit dem Beginn des Fünfjahresplanes einhergehende deutliche Beschleunigung von Bahá’í-Aktivitäten in der ganzen Welt hat einen dringenden Bedarf an Mitteln erzeugt, um den sich jetzt ergebenden neuen Möglichkeiten zur Förderung von Wachstum und zur Einflussnahme in der Gesellschaft begegnen zu können. • Ausreichende Mittel müssen für die Instandhaltung der Terrassen und Gebäude am Bogen, einschließlich der Wahrung des hohen Standards der Gärten und Rasenflächen, der Pflege der Bauten und Ornamente sowie der Gewährleistung angemessener Sicherheitsmaßnahmen bereit gestellt werden. • Für die steigende Zahl von Terrassenbesuchern müssen Betreuer zur Verfügung stehen - zur Zeit werden pro Woche 35.000 Personen geschätzt, einschließlich jener, die tagsüber an sieben Tagen in der Woche in Gruppen zu je 60 Führungen erhalten. • Dem Erhalt der kostbaren Dokumente und Gegenstände, die in Zusammenhang mit den Amtszeiten der Zentralgestalten des Glaubens sowie von Shoghi Effendi stehen, muss ohne Aufschub größere Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit der Zerfall dieser unersetzlichen Gegenstände verhindert werden kann.
19. September 2001 Definition und Rahmen von "Andachtsversammlungen"
Diese gestiegenen Anforderungen ergeben sich zu einer Zeit, da die wirtschaftlichen Bedingungen in der Welt und andere Umstände einen deutlichen Rückgang der Zahlungseingänge des Internationalen Bahá’í-Fonds bewirkt haben. Das Haus der Gerechtigkeit vertraut darauf, dass der Geist der Opferbereitschaft, den die Gläubigen bei der Unterstützung des Fonds für die Projekte am Bogen gezeigt haben, auch ihre Antwort auf die drängenden Anforderungen des Internationalen Bahá’í-Fonds in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren beseelen wird. Wir wurden gebeten, Sie der Gebete des Hauses der Gerechtigkeit an den Heiligen Schreinen zu versichern, damit Ihnen bei Ihren Beratungen darüber, wie der Zufluss der für die internationalen Verpflichtungen der Sache notwendigen Mittel verstärkt werden kann, Führung zuteil werden möge. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung
19. September 2001 Definition und Rahmen von "Andachtsversammlungen"
Memorandum An: Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Datum: 19. September 2001 Von: Forschungsabteilung
Die Forschungsabteilung hat sich eingehend mit den von ... in seiner E-Mail vom 4. Februar 2001 an das Universale Haus der Gerechtigkeit aufgeworfenen Fragen zum Wesen einer Andachtsversammlung beschäftigt. ... erwähnt darin ein vor kurzem vom Geistigen Rat von ... abgehaltenes Treffen, an dem Vertreter verschiedener in ... ansässiger Bahá'í- Institutionen teilnahmen. Er berichtet, dass dabei die Andachtsversammlungen eines der wichtigsten Beratungsthemen waren. In Zusammenhang mit diesem Treffen fragt ... nun nach, ob das Universale Haus der Gerechtigkeit detailliertere Angaben dazu gemacht habe, "wie eine Andachtsversammlung gestaltet sein soll". Er interessiert sich besonders für "Begriffsbestimmung und Rahmenkonzept eines solchen Treffens". Wir legen folgende Antwort vor: Über Art und Charakter von Andachtsversammlungen, auf die in neuerlichen Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit Bezug genommen wird, gab das Universale Haus als Antwort auf eine ähnliche Frage eines Gläubigen in einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief vom 13. März 2001 folgende allgemeine Führung: Ihre am 14. Februar 2001 im Bahá'í-Weltzentrum eingegangene Email betreffend: Fragen zu lokalen Andachtsversammlungen sollten ihrem örtlichen oder Nationalen Geistigen Rat vorgelegt werden. Obwohl die Forschungsabteilung bislang nicht in der Lage war, eine umfassende Definition des Wesens und des Rahmens von Andachtstreffen ausfindig zu machen, haben wir eine kurze Zusammenstellung mit dem Titel "Ausgewählte Hinweise zu Andachtsversammlungen" zur Information und zum Studium erstellt. Diese Zusammenstellung be-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
steht aus Auszügen aus vom Universalen Haus der Gerechtigkeit oder in seinem Auftrag geschriebenen Briefen. Aus der Lektüre dieser Auszüge ergeben sich einige Themenschwerpunkte, wie z.B.: • Vorsicht sollte walten, um das Entstehen starrer Formen und Riten zu vermeiden. (Auszüge 1 und 6) • Die Bahá'í werden ermutigt, die von Bahá'u'lláh, dem Báb und 'Abdu'l-Bahá offenbarten Gebete zu verwenden. Erlaubt ist, auch Gebete und Zitate aus den Heiligen Schriften anderer Religionen zu lesen. (Auszüge 2 und 7) • Die Programmgestaltung sollte sich u.a. an Umfeld, Anlass und Zweck der Veranstaltung ausrichten. (Auszüge 6 und 7) • Das gemeinsame Gebet ist ein wichtiger Bestandteil eines blühenden Gemeindelebens. Es unterstützt und fördert außerdem die geistige Entwicklung des Einzelnen. (Auszüge 3, 4 u. 5)
Aufgrund seines Interesses am Thema Andachtsversammlungen wird ... vermutlich die allgemeine Textzusammenstellung "Prayer, Meditation, and the Devotional Attidtude" , die vor einiger Zeit von der Forschungsabteilung erstellt und von einigen Bahá'í- Verlagen veröffentlicht wurde, hilfreich finden. Diese Zusammenstellung findet sich auch in "Compilation of Compilations" (Maryborough, Victoria: Bahá'í Publishing Trust Australia, 1991) Band II.
Ausgewählte Hinweise bezüglich Andachtsveranstaltungen
Auszüge aus vom Universalen Hauses der Gerechtigkeit oder in seinem Auftrag geschriebenen Briefen: 1. Wenn jemand für sich zurückgezogen betet, so mag er dem folgen, was ihm sein Herz in solchen Situationen eingibt. Wenn jedoch Gebete bei Versammlungen gelesen werden, ist darauf zu achten, dass keine starren Formen und Rituale entstehen. (8. April 1982, im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen) 2. Bahá'í genießen die Gnade, über von den Manifestationen Gottes, dem Báb und Bahá'u'lláh, sowie von 'Abdu'l-Bahá offenbarte Gebete zu verfügen, die uns in unseren Andachten leiten. Es ist jedoch nicht verboten, Gebete oder Auszüge aus den Heiligen Schriften anderer Religionen zu lesen. Der Hüter legte allerdings dar: "Es wäre weiser, wenn die Bahá'í die uns von Bahá'u'lláh geschenkten Meditationen verwendeten und nicht irgend einer Meditationspraxis folgten, die von jemand anderem festgelegt wurde." (14. September 1982, im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen) 3. ... das Aufblühen der Gemeinde [erfordert] vor allem auf örtlicher Ebene eine entscheidende Verbesserung der Verhaltensweisen: jener Verhaltensweisen, durch die der kollektive Ausdruck der Tugenden der einzelnen Mitglieder und die Funktionsweise der Geistigen Räte sich in der Einheit und Freundschaft innerhalb der Gemeinde und in der Dynamik ihrer Aktivitäten und ihres Wachstums zeigen. Das erfordert
19. September 2001 Definition und Rahmen von "Andachtsversammlungen"
die Integration der sie bildenden Elemente - Erwachsene, Jugendliche, Kinder - in geistige, soziale, erzieherische und administrative Aktivitäten und ihre Beteiligung an örtlichen Lehr- und Entwicklungsplänen. Dazu gehören ein kollektiver Wille und die Ausrichtung auf das Ziel, den Geistigen Rat durch jährliche Wahlen fortbestehen zu lassen. Es schließt die Ausübung gemeinsamer Andachten ein. Daher ist es für das geistige Leben der Gemeinde wesentlich, dass die Freunde regelmäßige Andachtsversammlungen abhalten, in örtlichen Bahá'í-Zentren - dort, wo sie zur Verfügung stehen - oder anderswo, die Wohnungen der Freunde inbegriffen. (Ridván 1996, das Universale Haus der Gerechtigkeit an die Bahá'í der Welt) 4. Das durch individuelle Andacht erzeugte geistige Wachstum wird verstärkt durch das liebevolle Zusammensein der Freunde an jedem Ort, durch Andachten in der Gemeinde und durch Dienst am Glauben und für unsere Mitmenschen. Diese gemeinschaftlichen Aspekte des gottgefälligen Lebens beziehen sich auf das Gesetz des Mashriqu'l-Adhkar, das sich im Kitáb-i-Aqdas findet. Obgleich die Zeit für den Bau von örtlichen Mashriqu'l-Adhkar noch nicht gekommen ist, sind das Abhalten von regelmäßigen, allen offen stehenden Andachtsversammlungen und die Beteiligung der Bahá'í-Gemeinden an Projekten humanitären Dienstes Ausdruck dieses Teils des Bahá'í-Lebens und ein weiterer Schritt in der Erfüllung des Gesetzes Gottes. (28. Dezember 1999, das Universale Haus der Gerechtigkeit an die Bahá'í der Welt) 5. Durch die gesteigerte Befähigung der Einzelnen, den Glauben zu lehren, was sich in dem neuen Schwung individueller Initiative zeigt; durch die verbesserte Fähigkeit der Geistigen Räte, Regionaler Räte und Ausschüsse, die Bemühungen der Freunde zu leiten; durch die Einführung neuer Denk- und Handlungsmuster, die das gemeinschaftliche Verhalten der örtlichen Gemeinden beeinflusste - in all diesen Beziehungen bewies das System der Bahá'í-Institute seine Unverzichtbarkeit als ein Motor im Prozess des Beitritts in Scharen. ... Gleichzeitig zu derartigen Entwicklungen richteten die Mitglieder unserer weltweiten Gemeinschaft mehr Aufmerksamkeit darauf, auf die Macht des Gebets zu vertrauen, über das heilige Wort Gottes zu meditieren und die geistigen Wohltaten aus der Teilnahme an Andachten zu beziehen. Durch das Zusammenwirken dieser Elemente einer intensivierten Transformation des Einzelnen und der Gemeinschaft wächst tatsächlich die Größe der Gemeinde. Obgleich die Zuwachsrate neuer Gläubiger bis jetzt nur geringfügig die der vergangenen Jahre übertraf, ist es doch ungemein erfreulich zu sehen, dass diese Zunahme geographisch weit gestreut ist, immer größere Teile der Gemeinde einbezieht und erfolgreich Neuerklärte in das Leben der Sache Gottes integriert. (Ridván 2000, das Universale Haus der Gerechtigkeit an die Bahá'í der Welt) 6. Das Haus der Gerechtigkeit hat keine festen Formen, sei es für Gebet, Meditation oder das Lesen Heiliger Schriften, in einem Heiligen Schrein vorgeschrieben, solange die ausgeübten Praktiken die Andacht anderer im Schrein weilender Personen nicht beeinträchtigen. Es befürwortet nicht das Vortragen von gesungenen Gebeten mit instrumentaler Begleitung in der unmittelbaren Nähe der Schreine. Sicher verstehen Sie gut, dass ein solcher Gesang jene stören könnte, die im Schrein in ihre Gebete vertieft sind.
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Es gibt natürlich im Bahá'í-Weltzentrum besondere Gelegenheiten wie die Gedenkveranstaltungen zu Heiligen Tagen, bei denen Gebete und Andachtstexte bei einer Versammlung, die in der Nähe des Schreins abgehalten wird, gelesen werden und das Tablet der Begegnung gesungen wird. Ein Andachtsprogramm mit Solisten und orchestraler Begleitung ist außerdem für Mai 2001 am Eingang zu den an den Schrein des Báb angrenzenden Terrassen geplant. (6. November 2000, im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen örtlichen Geistigen Rat) 7. Sie haben gefragt, ob es den Freunden erlaubt sei, Gebete zu rezitieren, die nicht von den Zentralgestalten unseres Glaubens offenbart wurden. Dabei stellen Sie Ihrer Anfrage eine Begebenheit voran, bei der in einer öffentlichen Bahá'í-Veranstaltung ein Gebet aus einer anderen Quelle gesungen wurde. In den Bahá'í-Schriften hat sich kein Verbot gefunden, bei öffentlichen Zusammenkünften andere Gebete als die aus den Bahá'í-Schriften zu lesen. Zweifellos wissen Sie, dass in den Bahá'í-Häusern der Andacht auch Schriften anderer Offenbarungsreligionen Teil von Andachtsprogrammen sein können und dass auch Gebete darunter sein können. Sie haben nicht genauer ausgeführt, ob Ihre Bedenken sich auf Gebete aus anderen heiligen Schriften oder auf von Einzelpersonen verfasste, freie Gebete beziehen. Die Bahá'í werden grundsätzlich dazu ermutigt, das Schöpferische Wort zu verwenden, also jene Gebete und Tablets, die von Bahá'u'lláh, dem Báb und 'Abdu'l-Bahá offenbart wurden und als authentisch bestätigt und in unserer Bahá'í-Literatur veröffentlicht worden sind. Ein im Auftrag Shoghi Effendis am 8. August 1942 an einen Nationalen Geistigen Rat geschriebener Brief weist darauf hin, dass, während spontane Gebete erlaubt sind, die offenbarten Verse vorgezogen werden, weil "das offenbarte Wort mit einer besonderen Kraft versehen ist". Deshalb müssen die Freunde es für ihr eigenes demütiges Flehen mit strahlender Freude verwenden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht zusätzlich zu diesen Gebeten im Privaten ihre eigenen Worte sprechen können, wann immer sie den Drang dazu verspüren. (27. Juni 2001, im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen)
12. November 2001Maßnahmen zur Verringerung der Ausgaben
Botschaft an alle Nationalen Geistigen Räte Liebe Bahá’í-Freunde!
In Ergänzung des Briefes vom 5. August 2001, der Ihnen in unserem Auftrag gesandt wurde, halten wir es für notwendig, Sie davon zu unterrichten, dass sich die Situation des Internationalen Bahá’í-Fonds seitdem weiter verschlechtert hat und Anlass zu tiefer Besorgnis geworden ist. Im Bahá’í-Weltzentrum wird daher eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die eine
12. November 2001Gestiegene Anforderungen
deutliche Verringerung der Ausgaben zum Ziel haben. Dazu gehören • das Zurückstellen aller noch so wünschenswerten Projekte, die derzeit nicht von unmittelbar entscheidender Bedeutung sind; • der Aufschub einiger Aufgabenbereiche, auf die zeitweise einigermaßen verzichtet werden kann, ohne dass die Arbeit des Weltzentrums langfristig ernsthaft beeinträchtigt wird; • das Verringern der Zahl der im Weltzentrum dienenden Mitarbeiter; • die Erhöhung der wöchent lichen Dienstzeit der Mitarbeiter des Weltzentrums; • die Aussetzung des Inflationsausgleiches bei den Zuwendungen für die Mitarbeiter.
Es werden auch noch verschiedene andere Maßnahmen in Erwägung gezogen, um während der Dauer dieser Finanzkrise unsere Ausgaben weiter zu senken. Wir fügen einen Brief an alle Mitglieder der Bahá’í-Gemeinde bei, in dem wir sie über den Bedarf des Internationalen Bahá’í-Fonds unterrichten. Bitte sorgen Sie dafür, dass dieses Schreiben unverzüglich unter den Gläubigen in Ihrem Bereich verbreitet wird. Wir bitten Sie dringend, mit Hilfe der Berater und ihrer Hilfsamtsmitglieder in einer erneuten Anstrengung die Freunde zu ermutigen, ihren finanziellen Einsatz zu intensivieren - ungeachtet der jeweiligen materiellen Situation und jeder nach seinen Möglichkeiten -, damit der Grundbedarf des Weltzentrums gedeckt werden kann. Die universelle Teilnahme am aufopferungsvollen Geben materieller Mittel, zu der die Freunde jetzt aufgerufen wer den, wird unermessliche Segnungen auf sie herabkommen lassen und bei der standhaften Durchführung des Fünfjahresplanes eine Quelle neuer Kraft für die Gläubigen sein. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Das Universale Haus der Gerechtigkeit
12. November 2001Gestiegene Anforderungen
Botschaft an die Bahá’í der Welt Liebe Bahá’í-Freunde!
Der Größere Plan Gottes ist weltweit am Werk und beschleunigt die Auflösung der alten Ordnung, wobei sich gleichzeitig die neue Ordnung entfaltet. Während er gesellschaftliche Veränderungen von nie zuvor gesehenem Ausmaß vorantreibt, beherrschen Angst und Ungewissheit das Denken der meisten Völker der Welt, die der Absicht Gottes an diesem Tag noch immer nicht gewahr sind. Ein zunehmendes Gespür für tiefgreifende, weitreichende Veränderungen dämpfen die Beschäftigung mit den Freuden und Annehmlichkeiten des materiellen Lebens. Inmitten dieses Aufruhrs wird Gottes Wille für die Menschheit erfüllt. Der Fortschritt, den die Gemeinde des Größten Namens aufweist, ist Anlass zu höchster Zufriedenheit. Inmitten der sie umgebenden Verwirrung und Not bemühen sich ihre
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Mitglieder unverzagt, die Menschen, denen sie begegnen, zu beruhigen und ihnen Einsicht zu vermitteln, um sicherzustellen, dass die ihrer Arbeit zugrunde liegende zuversichtliche Vision nicht von der begrenzten Sichtweise der breiten Masse der Menschheit getrübt wird. Den Bahá’í bieten die derzeitigen Geschehnisse in der Welt die Gelegenheit, das vom Göttlichen Arzt dargebotene Heilmittel praktisch vorzuführen. Zu diesem kritischen Zeitpunkt sehen wir uns genötigt, uns an Sie, unsere Mitarbeiter, zu wenden und ihnen mitzuteilen, dass der Internationale Bahá’í-Fonds ganz dringend eines merklich höheren Zustroms an Spenden bedarf. Ein großer Teil der Mittel dieses Fonds wird für den Fortschritt der Sache Gottes außerhalb des Heiligen Landes ausgegeben. Diese Aufwendungen sind derzeit besonders wichtig, weil der Fünfjahresplan deutlich erkennen lässt, dass in den vor uns liegenden Jahren der Prozess des Beitritts in Scharen beachtlich vorankommen wird. Dieser gleiche Fonds muss das Funktionieren des Weltzentrums, das Instandhalten des als heilig geachteten Besitzes im Heiligen Land, das Pilgerprogramm sowie die Verteidigung und Verkündigung des Glaubens finanzieren. Wir appellieren an alle Anhänger Bahá’u’lláhs, auf diesen Bedarf zu antworten. Unser Aufruf wendet sich an alle ohne Ausnahme: an die mit bescheidenen Mitteln wie auch an jene, die über ein beträchtliches Vermögen verfügen. Es ist dringend notwendig, dass Sie unverzüglich und nachhaltig handeln, denn die Erfüllung Ihrer geistigen Pflicht, zum Fortschritt der Sache beizusteuern, kann keinen Aufschub mehr dulden. Der Segen, der Ihrem aufopferungsvollen Handeln entspringt, ist gewiss. Die gegenwärtige Krise des Internationalen Bahá’í-Fonds ist in beträchtlichem Maße die Folge der starken Verknappung verfügbarer Mittel aufgrund des wirtschaftlichen Rückgangs, von dem große Teile der Welt betroffen sind. Zum Teil entstand sie auch, weil die Arbeit für den Glauben in immer mehr von Krieg, interner Uneinigkeit und gebietsbedingter Armut verwüsteten Ländern Hilfe und Unterstützung aus dem Internationalen Bahá’í-Fonds braucht. Die Hauptursache für unsere gegenwärtige tiefe Besorgnis ist jedoch die zwingende Notwendigkeit, die Gebäude und Gärten im Weltzentrum in einem Zustand zu erhalten, der ihnen geziemt. Ein Faktor des Kostenanstiegs ist dabei, dass sich die Fläche der Gärten inzwischen mehr als verdoppelt hat. Der Internationale Bahá’í-Fonds darf nicht versäumen, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Als Hilfsmaßnahme haben wir beschlossen, einen Weltzentrum-Stiftungsfonds zu gründen, der für den Erhalt, die Instandhaltung und die Sicherheit der Gebäude und des Geländes um das geistige und administrative Zentrum des Glaubens da sein soll, für Arbeiten also, die derzeit einen so großen Teil der Verpflichtungen des Internationalen Bahá’í- Fonds ausmachen. Mit dieser Entscheidung wird dem Beispiel Shoghi Effendis gefolgt, der während seiner Amtszeit die Erträge des Landbesitzes in der Nähe des Jordantales der Instandhaltung der Heiligen Schreine widmete. Dieser Stiftungsfonds, für den wir Sie zusätzlich zu Ihrer Unterstützung des Internationalen Bahá’í-Fonds dringend um Spenden bitten, wird anfangs zur Deckung der oben genannten Ausgaben in Höhe von derzeit schätzungsweise sieben Millionen Dollar jährlich eingesetzt. Jedweder Restbetrag, der am Ende jeden Jahres als nicht ausgegeben stehen bleibt, wird als zweckgebundenes Kapital umgebucht, und in dem Maße, wie dieses in den kommenden Jahren anwächst, wird es eine ständige Quelle von Kapital erträgen
12. November 2001Gestiegene Anforderungen
zugunsten der Instandhaltung der prachtvollen Umgebung dieser Heiligen Stätten sein. Diese Gelände wurden während des letzten Jahrhunderts schrittweise gestaltet mit Hilfe der Gabenströme der opferbereiten Gläubigen als Antwort auf die Vision Bahá’u’lláhs und als Unterstützung für den mühevollen Einsatz des Meisters und des Hüters. Wichtig ist, dass diese einer solch heiligen Stätte geziemende, erlesene Schönheit in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleibt. Wir beten inbrünstig in den Heiligen Schreinen, dass in jedem Land das hingebungsvolle Streben derer, die die Gesegnete Schönheit lieben, gestärkt werden möge, während sie den Bedürfnissen der ständig voranschreitenden Sache Gottes nachkommen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Botschaften und Briefe des Jahres 2002
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
01. Januar 2002 Aufruf zum Pionieren nach Zypern
An den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í in Deutschland
Liebe Bahá’í-Freunde,
das Universale Haus der Gerechtigkeit ist gerade dabei, einen allgemeinen Pionieraufruf vorzubereiten. Die Situation in Zypern ist jedoch so dringend, dass wir gebeten wurden, die Unterstützung Ihres Nationalen Geistigen Rates zu suchen, um dem dringenden Pionierbedarf dort zu begegnen. Diese wichtige europäische Bahá’í- Gemeinde, die mit großen Anstrengungen und Opfern begründet und erhalten wurde, befindet sich in einem kritischen Stadium, in dem eine bedeutsame Zunahme der zur Verfügung stehenden menschlichen Ressourcen benötigt wird, um die Lehrarbeit zu intensivieren und die bestehenden Geistigen Räte zu stärken. Offensichtlich könnten Pioniere griechischer oder zypriotischer Herkunft oder solche, die mit der griechischen Kultur vertraut sind, einen besonderen Beitrag leisten, aber das ist keineswegs eine Voraussetzung. Das Haus der Gerechtigkeit bittet Ihren Nationalen Rat, sorgfältig Namen von Gläubigen in Deutschland in Betracht zu ziehen, die in der Lage sein könnten, ein kurz- oder längerfristiges Pionierprojekt auf dieser Insel durchzuführen. Da der Nationale Geistige Rat von Zypern hofft, im neuen Jahr sein Institutsprogramm beginnen zu können und mit der Regionalisierung der Lehrarbeit fortzufahren, wie sie jetzt in der gesamten Bahá’í-Welt betrieben wird, wären Pioniere mit Erfahrung in diesen Aktivitäten besonders willkommen. Als Hilfestellung für Ihre Beratungen in dieser Angelegenheit fügen wir in Kopie ein Dokument bei, das der Nationale Rat von Zypern vorbereitet hat und das detaillierte Informationen über Themen enthält, die für Gläubige, die dort einen Dienst in Betracht ziehen, von besonderem Interesse sein werden. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen, Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
10. Januar 2002 Die Bedeutung und Notwendigkeit des Pionierens
An die Bahá’í der Welt
Liebe Bahá’í-Freunde,
in den Monaten seit Beginn des Fünfjahresplans haben die nationalen Gemeinden Maßnahmen ergriffen, die ihren Aktivitäten dynamische Schubkraft und mehr Klarheit verlei-
10. Januar 2002 Die Bedeutung und Notwendigkeit des Pionierens
hen. Inzwischen werden in den meisten Ländern die Nationalen Geistigen Räte oder deren Regionale Räte die innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs liegenden Gebiete sorgfältig begutachtet und dann, in Übereinstimmung mit den Kriterien, die wir in unserem Schreiben vom 9. Januar 2001 benannt haben, in kleine geographische Einheiten aufgeteilt haben. Diese Regionalbereiche werden nun ihrem augenblicklichen Entwicklungsstand entsprechend kategorisiert, und es werden Aktionspläne entwickelt, die ihr Wachstum und ihren Übergang in die nächsthöhere Kategorie fördern sollen. Unsere Freude darüber, wie allerorten die Institutionen begeistert auf die Erfordernisse des Fünfjahresplanes ansprechen, könnte nicht größer sein. Die nun vorliegenden, klar umrissenen Pläne vervielfachen das Angebot an Lehrmöglichkeiten für diejenigen, die dem Glauben auf internationaler Ebene als Kurz- oder Langzeitpioniere dienen möchten. Der Hauptbedarf der Regionalbereiche eines Landes sollte im Laufe des Planes zunehmend von Inlandpionieren abgedeckt werden. Aber angesichts der großen Zahl geographischer Gebiete, die systematische Aufmerksamkeit erfordern, um Fortschritte zu machen, werden auch internationale Pioniere eine bedeutende Rolle zu erfüllen haben. Ihre Mitwirkung an den Wachstumsprogrammen, die sich jetzt überall auf der Welt ausbreiten, wird dann besonders effektiv sein, wenn sie die Fähigkeit entwickelt haben, den Institutsprozess zu fördern. Darüber hinaus können internationale Pioniere und Reiselehrer in beträchtlichem Maße zu der Arbeit für den Glauben in Tätigkeitsbereichen wie Gemeinde ver waltung, Proklamation sowie soziale und wirtschaftliche Entwicklung beitragen. Das Internationale Lehrzentrum hat eine Dokumentation ausgearbeitet, die den Zustand nationaler Bahá’í-Gemeinden sowie die Projekte kurz beschreibt, die durch Unterstützung von außen Nutzen ziehen könnten. Dieses Dokument wird Ihnen in Kürze über die Nationalen Geistigen Räte, die Berater und deren Hilfskräfte zur Verfügung gestellt werden. Dass Pioniere und Reiselehrer von Ort zu Ort ziehen, ist ein unverzichtbares Merkmal der Bahá’í-Gemeinde. Allein während des Zwölfmonatsplans machten sich mehr als 1.800 Gläubige aus fast 90 Ländern auf, um dem Glauben auf internationaler Ebene zu dienen. Abgesehen von dem Dienst, den diese standhaften Seelen der Sache Gottes erweisen können, ist die damit einhergehende Vermischung der Völker der Welt unerlässlich für die Art des Zusammenlebens, die die Anhänger Bahá’u’lláhs zu etablieren bestrebt sind und die dazu bestimmt ist, dem Rest der Menschheit als nachahmenswertes Beispiel angeboten zu werden. In dem Maße, wie die Bahá’í-Gemeinde ihre Fähigkeiten ausbaut, sollte sie sich zunehmend darum bemühen, die verschiedenen Glieder der Menschheitsfamilie in immer engerer Verbundenheit zu sammenzuführen. Zu diesem wichtigen Zeitpunkt in der Entwicklung des Glaubens, in dem die Systematisierung der Lehrarbeit in allen Teilen der Welt in Schwung kommt und vereinigende Kräfte die Gesellschaft auf den Plan Bahá’u’lláhs hinsteuern, muss jeder treue Diener der Sache von der Vision der vor uns liegenden glorreichen Errungenschaften beflügelt sein. Wir rufen Sie auf, über Ihre Lebensumstände nachzudenken, die Bedingungen in verschiedenen Ländern zu prüfen, festzustellen, wo Sie den Bedürfnissen des Glaubens am besten dienen können, und dann entschlossen zu handeln. Mögen diejenigen, die sich danach sehnen, von der Freude zu kosten, die solch ein lobenswerter Dienst erbringt, sich
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
aufmachen mit der Gewissheit, dass unsere Gebete sie begleiten werden und in sicherer Erwartung göttlicher Bestätigungen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
05. Februar 2002 Pionierziele für den Fünfjahresplan
Brief an den Nationalen Geistigen Rat in Deutschland Liebe Bahá’í-Freunde,
Sie haben sicherlich das Schreiben des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 10. Januar 2002 mit dem Pionieraufruf für den Fünfjahresplan erhalten. Dieser Brief betont die Bedeutung des Pionierens, im Inland wie international, für den Erfolg der Pläne, die in der gesamten Bahá’í-Welt aufgestellt werden. Sie denken gewiss über Möglichkeiten nach, wie bei den Freunden die Begeisterung für das Inlandpionieren geweckt werden kann, um im Rahmen von Programmen das Wachstum in den verschiedenen Regionalbereichen in Deutschland zu fördern. Angesichts der Stärke Ihrer nationalen Gemeinde ist das Haus der Gerechtigkeit zu der Überzeugung gelangt, dass Sie auf internationaler Ebene in der Lage sein müssten, innerhalb des Fünfjahresplans mindestens 60 Freunde als Kurz- oder Langzeitpioniere ins Ausland zu entsenden, sowie mindestens 400 Reiselehrer. Sie werden gebeten, diese Ziele in den Plan für Ihre Gemeinde aufzunehmen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit wird an den Heiligen Schreinen für all jene beten, die ihr Heim verlassen und sich mit der Liebe zu Bahá’u’lláh in ihrem Herzen aufmachen, Seine Sache voranzutragen. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
10. Februar 2002 Was ist das Symbol der Bahá’í-Religion?
Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen Rat der Schweiz Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat Ihr Schreiben ... bezüglich Fragen im Zusammenhang mit Symbolen, die benutzt werden, um den Glauben zu repräsentieren, erhalten. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass dieses Thema im Zusammenhang des interreligiösen Dialogs ... aufgeworfen wurde ... Mit Bezug auf den Vorschlag der Wahl eines einzigen Symbols durch die Bahá’í- Gemeinden weltweit zum Gebrauch bei Bahá’í-Aktivitäten, um den Glauben zu repräsentie-
14. Februar 2002 Spendengelder angesichts der leidenden Menschheit
ren, ist das Haus der Gerechtigkeit der Ansicht, dass es zur jetzigen Zeit verfrüht wäre, diese Idee zu fördern. Der Name „Bahá’í“ selbst ist etwas, an das sich Menschen erinnern und das sie mit den Prinzipien des Glaubens in Verbindung bringen. In einem Schreiben vom 28. Oktober 1949, in seinem Auftrag an einen einzelnen Gläubigen geschrieben, hat der Hüter ausgeführt: „Streng genommen ist der fünfeckige Stern das Symbol unseres Glaubens, so wie er vom Báb gebraucht und von Ihm erklärt wurde“. Jedoch wurde der Gebrauch des neuneckigen Sterns als Symbol des Glaubens von Shoghi Effendi erlaubt, und er wird bei einer Reihe von Bahá’í-Projekten benutzt und in vielen Ländern mit dem Glauben identifiziert. Weiterhin ist zu beachten, dass es nicht zulässig ist, den Größten Namen, ob in seiner kalligraphischen Form oder in der des Ringzeichens, zu diesem Zweck als Symbol zu verwenden.
14. Februar 2002 Spendengelder angesichts der leidenden Menschheit
Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen einzelnen Gläubigen Das Haus der Gerechtigkeit ist sich sehr wohl dessen bewusst, dass die Leiden der Armen für alle Bahá’í, ja für jeden denkenden Menschen, ein Grund tiefer Besorgnis sind. Dieses Problem plagt die Menschheit seit Anbeginn der Geschichte. Die große Frage ist, wie dieses Problem gelöst werden kann. Allein durch das Geben von Geld kann es nicht behoben werden. Es bedarf eines groß angelegten Umbaus der Gesellschaft – geistig, moralisch und wirtschaftlich –, und es ist die Vollbringung dieses Umbaus, zu der Bahá’u’lláh die Menschheit aufgerufen hat. Für welche Aktivitäten also sollen das Universale Haus der Gerechtigkeit und die Geistigen Räte die Gelder verwenden, die von den Bahá’í weltweit gespendet werden? Würde der gesamte Betrag an die Armen gegeben, so wäre er, ohne anhaltende Wirkung, an einem Tag dahin – denn die Bahá’í kümmern sich nicht nur um die Armen in ihrer eigenen Gemeinde, sondern um alle leidenden Menschen auf dieser Erde. Die finanziellen Mittel dieser Gemeinde sind nicht mehr als ein Tropfen verglichen mit dem, was den Regierungen der Welt zur Verfügung steht. Es ist die Botschaft Bahá’u’lláhs, derer die Menschheit für ihre Neugestaltung bedarf. Deshalb besteht die Hauptaufgabe der Bahá’í darin, diese Botschaft unter allen Menschen zu verbreiten und sie an der großen Aufgabe zu beteiligen, eine Gemeinschaft zu errichten, die lernt, sich in Einklang mit deren Gesetzen und Prinzipien zu verhalten. Diese Gemeinde sowie ihre einzelnen Mitglieder arbeiten auch daran, die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen der Gesellschaft um sie herum zu verbessern und dabei die Armen und Benachteiligten in den Stand zu versetzen, aus eigener Kraft höhere Stufen des Wohlstands und des Wohlergehens zu erklimmen. Sie bemühen sich auch, in konstruktiven Aktivitäten mit allen Völkern zusammen zu kommen. Für diese Zwecke er-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
richten die Bahá’í ihre eigenen Gemeinden und ihre Institutionen, was auch den Erwerb von Gemeindezentren und den Bau von Häusern der Andacht sowie anderer wesentlicher Gebäude einschließt. Im Heiligen Land muss das Universale Haus der Gerechtigkeit zusätzlich zur Koordinierung und Unterstützung der weltweiten Aktivitäten die Heiligen Stätten schützen und jene Einrichtungen aufbauen, die Bahá’u’lláh Selbst vorgesehen hat. Diese Einrichtungen, mit ihren Gebäuden und Gärten, erfüllen nicht nur praktische Zwecke, sondern sie dienen auch als stille Lehrer des Glaubens, die die Aufmerksamkeit auf jene Botschaft lenken, der sie ihre Existenz verdanken.
27. Februar 2002 Märtyrertod zweier Bahá’í in Tadschikistan
Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an Nationale Geistige Räte Liebe Bahá’í-Freunde,
erfüllt mit tiefer Trauer hat uns das Universale Haus der Gerechtigkeit gebeten, den Märtyrertod von Rashid Gulov und Mosadegh Afshin Shokoufeh, zwei ergebenen Gläubigen aus Tadschikistan, die Attentaten zum Opfer gefallen sind, bekannt zu geben. Sie wurden von Fanatikern dieses Landes umgebracht, die den Anhängern Bahá’u’lláhs Schaden zufügen wollten. Am Abend des 23. Oktober letzten Jahres wurde Rashid Gulov, ein Mitglied des örtlichen Geistigen Rates von Dushanbe, erschossen, als er von der Arbeit zurückkam. Am Morgen des 3. Dezember wurde Mosadegh Afshin Shokoufeh vor seinem Haus erschossen und starb auf dem Weg zum Krankenhaus. Er war ein Mitglied des örtlichen Geistigen Rates von Dushanbe und hatte zuvor im Nationalen Geistigen Rat von Tadschikistan gedient. Die Ermittlungen der tadschikischen Behörden zu den Morden ergaben, dass die beiden Bahá’í aufgrund ihres Glaubens umgebracht wurden. Sicher erinnern Sie sich an die Ermordung von Abdullah Mogharrabi vor nur zwei Jahren im selben Land. Beide Freunde waren, gemeinsam mit ihren Frauen und Familien, aktiv daran beteiligt, das Banner Bahá’u’lláhs in Tadschikistan zu erheben und der Sache zu dienen. Eine Gemeinde, solchermaßen ausgezeichnet durch die Opfer von Märtyrern, ist dazu bestimmt, überreiche himmlische Bestätigungen für ihre Bemühungen anzuziehen. Mögen sich ihre Mitglieder dadurch veranlasst fühlen, ihre liebevolle Einheit zu vertiefen und sich noch stärker an ihre Landsleute zu wenden mit der einzigen Botschaft, die ihnen wahren Wohlstand und Frieden bringen kann. Das Haus der Gerechtigkeit fleht an der Heiligen Schwelle für den Fortschritt der Seelen von Rashid Gulov und Mosadegh Afshin Shokoufeh in den Welten Gottes und spricht ihren Familien und Freunden sein herzlichstes Mitgefühl aus. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen, Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
01. April 2002 An Die Religiösen Führer Der Welt
01. April 2002 An Die Religiösen Führer Der Welt
Übersetzung Das zwanzigste Jahrhundert hinterließ ein bleibendes Vermächtnis. Es rang den Völkern der Welt ab, sich zunehmend als Glieder einer unteilbaren Menschheit und die Erde als ihre gemeinsame Heimat zu empfinden. Unaufhörlich verdunkeln Gewalt und Auseinandersetzungen den Horizont; gleichwohl schwinden allenthalben Vorurteile, die ehedem dem Wesen des Menschen wie angeboren schienen. Mit ihnen fallen auch Schranken, die die Menschheitsfamilie seit langem spalten — in ein Babel unvereinbarer Identitäten, entzweit durch kulturelle, ethnische oder nationale Herkunft. Dass eine so tiefgreifende Wandlung sich in so kurzer Zeit — aus historischer Sicht praktisch über Nacht — vollziehen konnte, lässt das Ausmaß künftiger Möglichkeiten erahnen. Institutionalisierte Religion, deren einzige Daseinsberechtigung im Dienst an der Sache der Brüderlichkeit und des Friedens liegt, ist tragischerweise allzu oft die größte Hürde auf diesem Weg. Um eine besonders schmerzliche Tatsache anzuführen: Schon lange leidet die Glaubwürdigkeit der Religion unter dem religiösen Fanatismus. Wir fühlen uns in der Verantwortung; als oberstes Gremium einer der Weltreligionen fordern wir dazu auf, aufrichtig darüber nachzudenken, welche Herausforderung religiöser Führung hieraus erwächst. Das Problem wie die daraus erwachsenen Konsequenzen erfordern ein offenes Wort. Wir vertrauen darauf, dass der gemeinsame Dienst am Transzendenten dafür bürgt, dass unser im Geiste des guten Willens geäußertes Zeugnis in gleicher Weise entgegengenommen wird. Besonders deutlich wird das Problem, wenn man bedenkt, was auf anderen Gebieten erreicht wurde. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, galt die Frau in der Vergangenheit als minderwertig. Abergläubische Vorstellungen rankten sich um ihr Wesen. Dazu degradiert, den Bedürfnissen des Mannes zu dienen, wurde ihr jede Chance zur Entfaltung ihrer geistigen Möglichkeiten genommen. Noch immer gibt es Gesellschaften, in denen derartige Strukturen herrschen, ja fanatisch verfochten werden. Im globalen Diskurs jedoch hat die Idee der Gleichberechtigung der Geschlechter praktisch bereits den Status eines universal anerkannten Prinzips erlangt, ähnlich wie für die große Mehrheit in Medien und Wissenschaft. Die Wortführer männlichen Vorrangs finden angesichts dieser grundlegenden Kehrtwende kaum noch Unterstützung bei verantwortungsvollen Meinungsbildnern. Ähnlich ergeht es den in die Defensive gedrängten Verfechtern des Nationalismus. Mit jeder internationalen Krise fällt es den Bürgern nämlich leichter, zwischen einem gesunden Patriotismus und aufwieglerischen Hetztiraden, die nur Hass und Angst vor dem Fremden schüren sollen, zu unterscheiden. Selbst dort, wo man an gängigen nationalen Ritualen teilzunehmen hat, scheiden sich die Geister: Gegenüber den altbekannten Bekundungen patriotischer Überzeugungen und Gefühle zeigt sich die Öffentlichkeit heutzutage oft betreten und peinlich berührt. Der unentwegt fortschreitende Umbau der internationalen Ordnung verstärkt diesen Effekt. Bei allen Mängeln im gegenwärtigen System der Vereinten Nationen, bei aller Einschränkung ihrer Fähigkeit, gemeinsam mi-
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litärisch gegen Aggressoren vorzugehen — niemand kann leugnen, dass der Fetisch absoluter nationaler Souveränität dahinschwindet. Nicht besser erging es rassischen und ethnischen Vorurteilen: Für derartige Anmaßungen kennt die öffentliche Meinung heute keine Nachsicht mehr. Hier grenzte man sich besonders entschlossen von der Vergangenheit ab. Rassismus ist heute durch seine Verknüpfung mit den Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts derart negativ belegt, dass er gewissermaßen den Charakter einer Geisteskrankheit angenommen hat. Zwar haben rassische Vorurteile in vielen Teilen der Welt in Form sozialer Gesinnung überlebt — und vergällen so einem erheblichen Teil der Menschheit das Leben — doch werden sie heute grundsätzlich so allseitig verurteilt, dass keine Gruppe sich mehr unbesorgt erlauben kann, damit identifiziert zu werden. Doch keineswegs ist die dunkle Vergangenheit bereits ausgelöscht und plötzlich eine neue Welt des Lichts geboren. Unzählige Menschen leiden noch immer an den Folgen tief verwurzelter Vorurteile wegen der Volkszugehörigkeit, des Geschlechts, der Nation, Kaste oder Klasse. Alles deutet darauf hin, dass sich dieses Unrecht noch lange behaupten wird; nur langsam gewinnen Einrichtungen und Regeln an Wirkung, von der Menschheit erdacht, um eine neue Ordnung ihrer Beziehungen aufzubauen und das Leid der Unterdrückten zu lindern. Aber eine Schwelle ist überschritten, von der es keinen glaubwürdigen Weg zurück mehr gibt. Grundlegende Prinzipien wurden mit breiter öffentlicher Aufmerksamkeit diskutiert und formuliert; sie halten schrittweise Einzug in Institutionen, die sie gesellschaftlich durchsetzen können. So langwierig und schmerzvoll das Ringen auch ist, es gibt keinen Zweifel daran, dass in der Folge die Beziehungen zwischen allen Völkern an der Basis revolutioniert werden. * Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts sah es so aus, als seien es vor allem religiöse Vorurteile, die den Kräften des Wandels erliegen würden. Der wissenschaftliche Fortschritt im Westen ging mit den tragenden Pfeilern religiöser Ausschließlichkeitsansprüche bereits hart ins Gericht. Angesichts einer veränderten Selbstwahrnehmung der Menschheit wurde der interreligiöse Dialog als vielversprechendste neue religiöse Entwicklung wahrgenommen. Selbst die ambitionierten Organisatoren der Weltausstellung 1893 in Chicago waren überrascht, als hier das berühmte „Parlament der Religionen“ ins Leben gerufen wurde — jene Vision geistigen und moralischen Einvernehmens, die die Fantasie der Menschen auf allen Kontinenten einnahm und der es sogar gelang, die auf der Ausstellung gefeierten wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Wunder in den Schatten zu stellen. Kurz, es schien, als seien uralte Mauern gefallen. Nach Meinung gewichtiger Religionsphilosophen war diese Versammlung einzigartig, „ohnegleichen in der Weltgeschichte“. Das Parlament, so sagte dessen Organisator, hatte „die Welt von der Bigotterie befreit“. Eine kreative Führerschaft, so wurde voll Zuversicht vorausgesagt, würde diese Gelegenheit ergreifen und in den schon lange entzweiten religiösen Gemeinden der Welt einen Geist der Brüderlichkeit erwecken, um die für die neue Welt des Wohlstands und Fortschritts notwendigen moralischen Grundwerte bereitzustellen. Dadurch ermutigt, wuchsen und gediehen die unterschiedlichsten interreligiösen Bewegungen. In vielen
01. April 2002 An Die Religiösen Führer Der Welt
Sprachen machte umfangreiche Literatur eine immer breitere Öffentlichkeit, Gläubige wie Nicht–Gläubige, mit den Lehren aller großen Religionen vertraut und schuf ein Interesse, das später auch durch Rundfunk, Film, Fernsehen und schließlich das Internet aufgegriffen wurde. Hochschulen führten Studiengänge in Vergleichender Religionswissenschaft ein. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden interreligiöse Andachten, noch ein paar Jahrzehnte zuvor undenkbar, zu etwas Alltäglichem. Leider fehlt es diesen Initiativen eindeutig an intellektueller Kohärenz wie an geistiger Verbindlichkeit. Im Gegensatz zu den Einigungsprozessen, die alle sonstigen gesellschaftlichen Bereiche umwälzen, erfährt die Idee, dass alle großen Religionen der Welt ihrem Wesen und Ursprung nach gleichwertig sind, hartnäckigen Widerstand durch unbewegliches sektiererisches Denken. Der Fortschritt in der Rassenintegration beruht weder auf bloßem Gefühlsüberschwang noch auf kühlem Kalkül, vielmehr erwächst er aus der Erkenntnis, dass die Völker der Welt eine einzige Art bilden. Dabei bieten die je konkreten Rassenmerkmale für sich genommen weder Vor- noch Nachteile. Ganz analog veranlasste die Emanzipation der Frau, Institutionen und die öffentliche Meinung anzuerkennen, dass es nicht mehr akzeptabel ist — weder aus biologischen, sozialen oder moralischen Gründen —, der Frau die volle Gleichberechtigung mit dem Mann und Mädchen dieselben Bildungsmöglichkeiten wie Jungen vorzuenthalten. Und schließlich: bei aller Wertschätzung der Beiträge, die einige Nationen zur Formung einer sich herausbildenden Weltkultur leisten — der klassische Trugschluss, wonach andere Nationen nur wenig oder gar nichts zu diesen Bemühungen beizutragen haben, ist nicht mehr zu halten. Eine so grundsätzliche Neuorientierung scheinen die religiösen Häupter in aller Regel nicht vornehmen zu können. Andere Segmente der Gesellschaft nehmen die Folgerungen der Einheit der Menschheit als unausweichlichen nächsten Schritt für den Fortschritt unserer Zivilisation bereitwillig auf. Sie sehen darin auch die Summe und Erfüllung jeglicher Art partikularer Identitäten, die das Menschengeschlecht in diesem entscheidenden Augenblick in die gemeinsame Geschichte einbringt. Religiöse Institutionen jedoch stehen größtenteils wie gelähmt an der Schwelle zur Zukunft, gefangen in eben dem Dogmatismus und den Ausschließlichkeitsansprüchen, die schon früher die Ursache verheerender Auseinandersetzungen waren und die Völker entzweiten. Die Folgen für das Gemeinwohl sind verheerend. Wir brauchen sicher nicht im Detail auf die Schrecken einzugehen, mit denen noch heute viele unglückliche Völker heimgesucht werden; sie sind Folge fanatischer Übergriffe, die dem Namen jeder Religion Schande machen. Es handelt sich im Übrigen auch keineswegs um ein modernes Phänomen. Die europäischen Religionskriege seit dem 16. Jahrhundert, um nur ein Beispiel zu nennen, kosteten diesen Kontinent etwa dreißig Prozent seiner gesamten Bevölkerung. Man muss sich fragen, welche Früchte der blinde religiöse Dogmatismus, die Ursache dieser Konflikte, langfristig im Bewusstsein der Menschen hervorbrachte. Zu diesem Komplex gehört auch ein weiterer Verrat an unserem Geistesleben. Die Religion beraubte sich hierdurch, mehr als durch alles andere, ihrer ureigensten Fähigkeit, bei der Gestaltung der Welt eine entscheidende Rolle zu spielen. Durch sinnlose Beschäftigungen blockiert, hielten religiöse Institutionen uns nämlich allzu oft von dem ab, worin wir uns doch eigentlich auszeichnen: die Wirklichkeit zu enträtseln und von unse-
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rem Verstand Gebrauch zu machen. Es hilft wenig bei der Bewältigung der gegenwärtigen moralischen Krise, wenn religiöse Institutionen mit schönen Worten den Materialismus oder Terrorismus verurteilen, wenn sie nicht gleichzeitig offen eingestehen, dass sie ihrer Verantwortung nicht nachgekommen sind und die gläubigen Massen derartigen Einflüssen schutzlos ausgesetzt haben. Solche Überlegungen sind schmerzlich. Sie sind weniger als Anklage zu verstehen; vielmehr sollen sie die außergewöhnliche Kraft der Religion in Erinnerung rufen. Religion reicht in den Urgrund all unseres Wollens. Wo sie dem Geist und dem Vorbild jener transzendenten Gestalten treu war, die der Welt ihre großen Glaubenssysteme brachten, erweckte sie in ganzen Völkern die Befähigung zu lieben, zu vergeben, Neues zu schaffen, Großartiges zu wagen, Vorurteile zu überwinden, für das Gemeinwohl Opfer zu bringen und die Impulse niederer Instinkte zu zügeln. Ohne Frage ist die prägende Kraft der Zivilisierung des Menschlichen seit je im Einfluss einer bis zu den Anfängen der Geschichtsschreibung zurückreichenden Kette von Manifestationen des Göttlichen zu sehen. Die gleiche Prägekraft, die in der Vergangenheit eine so große Wirkung hatte, bleibt auch heute eine unwandelbare Eigenheit menschlichen Bewusstseins. Sie gibt — entgegen allen Erwartungen und unter ungünstigen Voraussetzungen — noch immer Millionen von Menschen Kraft im täglichen Überlebenskampf; auf der ganzen Erde bringt sie Helden und Heilige hervor, die glaubwürdig und überzeugend jene Prinzipien vorleben, die in den Schriften ihres jeweiligen Glaubens niedergelegt sind. Wie die Kulturgeschichte zeigt, kann die Religion überdies das Gefüge sozialer Beziehungen wesentlich beeinflussen. Jedenfalls kann man sich wohl kaum einen entscheidenden zivilisatorischen Aufstieg vorstellen, der seine moralische Triebkraft nicht aus dieser urewigen Quelle gewonnen hätte. Ist es somit überhaupt denkbar, dass das Meisterstück eines Jahrtausende währenden Prozesses der Gestaltung des Planeten in einem geistigen Vakuum erreicht werden kann? Wenn die abnormen Ideologien, die im gerade zu Ende gegangenen Jahrhundert unsere Welt heimsuchten, auch sonst nichts Gutes bewirkten, so haben sie doch eins gezeigt: die Probleme sind offensichtlich nicht allein durch die Kraft der menschlichen Erkenntnis zu lösen. * Die Konsequenzen dieser folgenreichen Einsicht für die heutige Zeit wurde von Bahá’u’lláh bereits vor über einem Jahrhundert in folgenden, inzwischen wohlbekannten Worten zusammengefasst: Die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, verdanken ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle. Sie sind einem einzigen Gott untertan. Unterschiede der Regeln und Riten, denen sie folgen, müssen den wechselnden Erfordernissen und Bedürfnissen der Zeitalter zugeschrieben werden, in denen sie offenbart wurden. Alle bis auf wenige, die aus menschlichen Launen entstanden, wurden von Gott verfügt und sind eine Widerspiegelung Seines Willens und Zieles. Erhebt euch und zerschlagt, bewaffnet mit der Kraft des Glaubens, die Götzen eures leeren Wahns, die Zwietracht unter euch säen. Haltet euch an das, was euch zusammenführt und eint.1 Ein solcher Mahnruf nötigt nicht dazu, den Glauben an die grundlegenden Wahrheiten irgendeines der großen Glaubenssysteme der Welt aufzugeben. Ganz im Gegenteil. Glau-
01. April 2002 An Die Religiösen Führer Der Welt
be befiehlt sich selbst und rechtfertigt sich selbst. Was andere glauben oder nicht glauben, darf auf ein persönliches Gewissen, das diesen Namen verdient, keinen Einfluss haben. Obige Worte drängen jedoch unmissverständlich zur Aufgabe aller Superioritäts-, Ausschließlichkeits- und Endgültigkeitsansprüche, die mit ihrem erdrückenden Ungeist mehr als alles andere jeden Einigungsimpuls zunichte machen und Hass und Gewalt schüren. Auf genau diese historische Herausforderung, so glauben wir, müssen die Häupter der Religionen jetzt antworten, wenn religiöse Leitung in der aus den umwälzenden Erfahrungen des zwanzigsten Jahrhunderts hervorgehenden globalen Gesellschaft noch Bedeutung haben soll. Ganz offensichtlich erkennt eine wachsende Zahl von Menschen mittlerweile, dass die allen Religionen zugrunde liegende Wahrheit dem Wesen nach eine ist. Diese Einsicht entsteht nicht als Ergebnis theologischer Dispute, sondern als intuitive Erkenntnis aus den immer ausgedehnteren Erfahrungen mit anderen und der allmählich dämmernden Anerkennung der Einheit der Menschheitsfamilie. Aus vergangenen Zeiten ist eine Unzahl religiöser Lehrsätze, Rituale und Gesetze überliefert; aus ihnen erwächst heute eine Ahnung davon, dass geistiges Leben — wie die Einheit, die sich in verschiedenen Nationalitäten, Rassen und Kulturen manifestiert — eine grenzenlose, für jedermann gleichermaßen zugängliche Wirklichkeit ist. Damit diese diffuse und noch vorläufige Einsicht sich vertiefen und wirksam zum Aufbau einer friedlichen Welt beitragen kann, ist sie von jenen, bei denen die Massen der Welt selbst zu so später Stunde noch Führung suchen, aus vollem Herzen zu bestätigen. Hinsichtlich sozialer Vorschriften und Gebetsformen gibt es sicherlich erhebliche Unterschiede zwischen den großen religiösen Traditionen der Welt. Es könnte wohl auch kaum anders sein, angesichts tausender von Jahren, in denen jeweils aufeinander folgende Religionen den wechselnden Erfordernissen einer sich ständig weiter entwickelnden Zivilisation entsprachen. Tatsächlich scheint den Schriften der meisten großen Religionen ein evolutionäres Verständnis von Religion zugrunde zu liegen. Allerdings wurde kulturelles Erbe, ursprünglich für die Bereicherung der geistigen Erfahrung gedacht, zur Erzeugung von Vorurteilen und Unfrieden missbraucht; dies ist moralisch nicht zu rechtfertigen. Es bleibt die wichtigste Aufgabe einer jeden Seele, die Wirklichkeit zu erforschen und in Übereinstimmung mit den Wahrheiten zu leben, von denen sie sich überzeugt hat, sowie den Bemühungen anderer, die sich um dasselbe bemühen, vollen Respekt zu zollen. Man könnte einwenden, der Gedanke, alle großen Religionen seien in ihrem Ursprung gleichermaßen als göttlich anzuerkennen, führe zum Übertritt zahlreicher Menschen von einem Glauben zum anderen, oder würde dies zumindest erleichtern. Ob das nun stimmt oder nicht, mit Sicherheit ist dies nur von geringer Bedeutung angesichts der Möglichkeiten, die die Geschichte nunmehr für die eröffnet, die sich einer über das Irdische hinausgehenden Welt bewusst sind — und angesichts der Verantwortung, die ein solches Bewusstsein auferlegt. Die Bildung einer moralischen Persönlichkeit, eines guten Charakters, zu fördern — davon legt jede der großen Religionen eindrucksvoll ein glaubwürdiges Zeugnis ab. Ebenso kann niemand ernsthaft behaupten, dass ein bestimmtes Glaubenssystem durch seine Lehrsätze mehr Bigotterie und Aberglauben verursacht habe als ein anderes. In einer zusammenwachsenden Welt ist es dann nur
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natürlich, dass Interessen und Zusammenschlüsse einem ständigen Wandel unterworfen sind. Es ist die Aufgabe von Institutionen — gleich welcher Art — mit diesen Prozessen so umzugehen, dass sie letztlich zur Einheit beitragen. Die Garantie dafür, dass am Ende ein tragfähiges Ergebnis erreicht wird — geistig, moralisch und sozial —, liegt im unerschütterlichen Glauben der ungehörten Massen der Erdenbewohner, dass das Universum nicht von menschlichen Launen regiert wird, sondern von einer liebenden, unfehlbaren Vorsehung. Mit dem Zusammenbruch der die Völker trennenden Barrieren erlebt unsere Zeit auch den Fall der einst unüberwindlichen Mauer, die, wie man früher annahm, für immer Himmel und Erde scheiden würde. Die Heiligen Schriften aller Religionen lehren den Gläubigen seit jeher, den Dienst am Nächsten nicht nur als moralische Pflicht zu sehen, sondern als einen Pfad, auf dem die Seele Gott nahen kann. Der fortschreitende Umbau der Gesellschaft verleiht dieser altbekannten Lehre heute eine neue Bedeutung. So wie das uralte Versprechen einer von Gerechtigkeit beseelten Welt langsam den Charakter eines realistischen Zieles annimmt, so erkennt man zunehmend, dass die Bedürfnisse der individuellen Seele und die der Gesellschaft zwei sich gegenseitig ergänzende Aspekte eines erfüllten Lebens sind. Wenn religiöse Leitung sich der Herausforderung aus dieser Einsicht stellen will, so muss sie damit beginnen, Religion und Wissenschaft als die beiden unersetzbaren Erkenntnissysteme anzuerkennen, durch die sich das Bewusstsein entfaltet. Sie widersprechen sich nicht, im Gegenteil: als grundlegende Methoden, durch die der Geist die Wirklichkeit erforscht, sind beide aufeinander angewiesen. In den seltenen, aber glücklichen Epochen der Geschichte, in denen ihr komplementäres Wesen erkannt wurde und sie Hand in Hand arbeiten konnten, waren beide höchst produktiv. Die durch wissenschaftlichen Fortschritt bedingten Einsichten und Fähigkeiten sollten, um richtig angewandt zu werden, stets durch geistige und moralische Bindungen geführt werden; religiöse Überzeugungen wiederum, wie sehr auch das Herz an ihnen hängen mag, müssen sich bereitwillig und dankbar einer unvoreingenommenen Überprüfung durch wissenschaftliche Methoden stellen. Wir kommen schließlich zu einem Punkt, den wir mit einem gewissen Zögern ansprechen, betrifft er doch unmittelbar eine Gewissensfrage. Die Welt hält viele Prüfungen bereit. Es überrascht daher nicht, wenn religiöse Funktionsträger besonders oft in Versuchung geraten, in Glaubensfragen Macht auszuüben. Niemand, der lange Jahre dem tiefen, ernsthaften Studium der Schriften einer der großen Religionen gewidmet hat, muss an die Lebensregel erinnert werden, dass Macht korrumpieren kann, und um so mehr, je stärker sie wächst. Die ungerühmten inneren Siege, die durch alle Zeitalter hindurch von zahllosen Geistlichen auf diesem Felde gewonnen wurden, gehören zu den hervorragendsten Kennzeichen der Religion und sind zweifellos eine der wichtigsten Quellen für ihre schöpferische Kraft. Doch gleichermaßen erliegen andere religiöse Führer den Verlockungen weltlicher Macht und Vorteilsnahme — ein fruchtbarer Nährboden für Zynismus, Verfall und Hoffnungslosigkeit bei denen, die dies wahrnehmen. Was dies heute für die gesellschaftliche Verantwortung und Führungskompetenz der Religionen bedeutet, bedarf keiner näheren Ausführung.
01. April 2002 An Die Religiösen Führer Der Welt
* Weil sie sich mit der Veredelung des Charakters und der Harmonisierung von Beziehungen befasst, diente die Religion schon immer als höchste Autorität, wenn es darum ging, dem Leben Sinn zu geben. Immer hat sie Gutes gefördert und Schlechtes getadelt; allen, die gewillt waren, ihre Augen dafür zu öffnen, erschloss sich eine Schau bis dahin unausgeschöpfter Möglichkeiten. Durch ihre Unterweisung wurde die vernunftbegabte Seele ermutigt, die von der Welt gesetzten Grenzen zu überwinden und zu ihrem wahren Selbst zu finden. Zugleich war die Religion, wie der Name schon sagt, die mächtigste Kraft, um unterschiedlichste Völker in immer größere und komplexere Gesellschaften zu fügen, die neue Freiräume für die Umsetzung persönlicher Fähigkeiten schufen. Die gesamte Menschheit hat derzeit einen großen Vorteil. Es ist der Blickwinkel, der es ihr ermöglicht, diesen Zivilisationsprozess als ein einzigartiges Phänomen zu erkennen: die immer wiederkehrende Begegnung unserer Welt mit der Welt Gottes. Hiervon inspiriert, hat sich die Bahá’í–Gemeinde von Anfang an entschieden für interreligiöse Aktivitäten eingesetzt. Neben wertvollen Begegnungen, die durch solche Aktivitäten entstehen, sehen die Bahá’í im Bemühen verschiedener Religionen, einander näher zu kommen, eine Entsprechung des göttlichen Willens für die in gemeinschaftliche Mündigkeit eintretende Menschheit. Die Mitglieder unserer Gemeinde werden weiterhin in jeder möglichen Weise helfen. Unseren Partnern bei diesen gemeinsamen Bemühungen sind wir es jedoch schuldig, klar unsere Überzeugung darzulegen, dass der interreligiöse Dialog, wenn er einen echten Beitrag zur Heilung der Leiden, die eine verzweifelte Menschheit quälen, leisten will, sich nun ehrlich und ohne weiter auszuweichen der praktischen Bedeutung jener umfassenden Wahrheit zuwenden muss, die diese Bewegung erst entstehen ließ: dass es nur einen Gott gibt, und dass, jenseits aller Unterschiede in kultureller Ausprägung und menschlicher Interpretation, auch die Religion nur eine ist. Mit jedem neuen Tag wächst die Gefahr, dass die auflodernden Feuer religiöser Vorurteile einen Weltbrand entfachen, dessen Folgen sich niemand ausmalen kann. Eine solche Gefahr können die Regierungen nicht ohne Hilfe überwinden. Auch sollten wir uns nichts vormachen: bloße Aufrufe zu gegenseitiger Toleranz können keinen Hass tilgen, der für sich beansprucht, Gottes Segen zu besitzen. Diese Krise erfordert von den Amtsträgern der Religionen einen ebenso entschiedenen Bruch mit der Vergangenheit, wie er bei der Überwindung der gleichermaßen zerstörerischen Vorurteile der Rasse, des Geschlechts oder der Nation in der Gesellschaft vollzogen wurde. Wenn Einflussnahme auf Gewissensfragen überhaupt gerechtfertigt ist, dann nur, um dem Wohlergehen der Menschheit zu dienen. An diesem größten Wendepunkt in der Geschichte der zivilisierten Menschheit könnte nicht klarer sein, was solcher Dienst verlangt. „Die Wohlfahrt der Menschheit”, mahnt Bahá’u’lláh, „ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist”2. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Fußnoten 1 Ährenlese, 4. Auflage, Hofheim 1999, 132:1 2 Ährenlese 131:2
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
21. April 2002 Eindrucksvolle Höhepunkte in der Entfaltung des Planes
Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Ridván 2002 An die Bahá‘í der Welt Innig geliebte Freunde,
der Ansturm der Ereignisse innerhalb wie außerhalb des Glaubens zu Beginn der Fünften Epoche des Gestaltenden Zeitalters bietet ein Ehrfurcht einflößendes Schauspiel. Innerhalb der Sache hinterließ die historische Bedeutung der Ereignisse im Mai vergangenen Jahres, mit denen die Vollendung der Gebäude auf dem Berg Karmel vollzogen wurde, einen tiefen Eindruck, wurde doch deren Wirkung durch Satellitenübertragungen und durch die bisher umfassendste Medienberichterstattung, die je einem Bahá‘í-Ereignis zuteil wurde, unmittelbar auf der ganzen Erde verbreitet. Indem die jüngsten Zeugnisse der sichtbaren Entfaltung der Tafel vom Karmel in atemberaubendem Glanz vor den Augen der Welt enthüllt wurden, erstieg die Sache Bahá’u’lláhs in ihrem fortgesetzten Hervortreten aus der Verborgenheit neue Höhen. Ein unauslöschlicher Eindruck wurde so in den Annalen dieser Sendung hinterlassen. Dieser sichtbare Beweis für die Lebenskraft, die unseren unaufhaltsamen Glauben beseelt, fand ihr Gegenstück in der Schubkraft der inneren Entwicklungen, die seit Beginn des Fünfjahresplanes zu Ridván des vergangenen Jahres am Werk sind. Wir laden daher die bei den Nationaltagungen versammelten Abgeordneten und alle anderen Anhänger Bahá’u’lláhs in der ganzen Welt von Herzen ein, gemeinsam mit uns über einige wenige besonders eindrucksvolle Höhepunkte in der Entfaltung des Planes während seines ersten Jahres nachzudenken — Höhepunkte, die zwangsläufig die Herzen erfreuen und Vertrauen einflößen in die unabsehbaren Möglichkeiten, welche die eingeschlagene Richtung des Planes in sich birgt.
Wachstum in Regionalbereichen
In ihrem Eifer, den Erfordernissen des Planes Rechnung zu tragen, trafen sich vor und kurz nach Ridván die Nationalen Geistigen Räte mit den Kontinentalen Beratern zu einer Reihe von Planungssitzungen. Diese Sitzungen bestimmten das Tempo für einen energischen Start des Planes, gekennzeichnet durch Schritte zur Entfaltung eines neuen Merkmals im Prozess des Beitritts in Scharen. In jeder nationalen Gemeinde begannen die Bahá‘í-Institutionen damit, sich der Aufgabe einer systematischen geographischen Aufteilung ihres Landes anzunehmen mit dem Ziel, es in Regionalbereiche einzuteilen, wobei Größe und Zusammensetzung jedes Regionalbereichs die Durchführung von Aktivitäten zum Zwecke des Wachstums und der Entwicklung zulassen. Eine solche Aufteilung, wie sie bereits aus etwa 150 Ländern berichtet wird, ermöglicht es, ein gut durchdachtes Schema der Ausbreitung und Festigung in die Tat umzusetzen. Dies schafft auch eine Perspektive oder Vision systematischen Wachstums, die von Regionalbereich zu Regionalbereich über das ganze Land hin aufrechterhalten werden kann. Gemäß dieser
21. April 2002 Eindrucksvolle Höhepunkte in der Entfaltung des Planes
Perspektive werden noch unerschlossene Regionalbereiche, so wie die unerschlossenen Gebiete früherer Kampagnen, zu Zielen für Inlandspioniere, während sich bereits erschlossene Regionalbereiche auf ihre interne Entwicklung konzentrieren, die durch die drei sich gegenseitig stärkenden Beteiligten des Planes in Gang gesetzt wird: den Einzelnen, die Institutionen und die Gemeinde. Es ist äußerst ermutigend zu beobachten, dass der Fortschritt dieser Arbeit durch den Institutsprozess, der im vergangenen Jahr in vielen Ländern durch Kampagnen zur Erhöhung der Anzahl ausgebildeter Tutoren beträchtlich gestärkt wurde, mit Tatkraft erfüllt wird. Wo ein Trainingsinstitut gut etabliert und durchgängig tätig ist, haben sich die drei Kernaktivitäten - Studienkreise, Andachtsversammlungen und Kinderklassen - relativ mühelos vervielfacht. Tatsächlich ist diesen Aktivitäten dadurch eine neue Dimension verliehen worden, dass sie auf Einladung von Bahá’í verstärkt von Interessenten besucht wurden, was im Ergebnis zu neuen Erklärungen geführt hat. Hier zeigt sich zweifellos eine vielversprechende Richtung für die Lehrarbeit. Diese Kernaktivitäten, die zu Beginn hauptsächlich zum Nutzen der Gläubigen selbst entwickelt wurden, werden auf natürliche Weise zu Pforten für den Beitritt in Scharen. Indem Studienkreise, Andachtsversammlungen und Kinderklassen in Regionalbereichen miteinander kombiniert wurden, ist ein Modell aufeinander abgestimmter Tätigkeitsstränge geschaffen worden, das bereits willkommene Ergebnisse zeitigt. Eine weltweite Anwendung dieses Modells, dessen sind wir sicher, birgt in sich unermessliche Möglichkeiten für den Fortschritt der Sache in den kommenden Jahren. Diese mitreißenden Aussichten wurden zu erheblichem Teil durch die gewaltige Energie ermöglicht, die das Internationale Lehrzentrum darauf verwandte, in der Weltgemeinde das Verständnis für systematisches Wachstum zu stärken. Das Lehrzentrum machte sich die kürzlich begonnene neue Amtszeit der Hilfsamtsmitglieder zunutze, indem es zu sechzehn regionalen Orientierungskonferenzen aufrief, die in den letzten Monaten des Jahres abgehalten wurden. Zu jeder Konferenz entsandte es jeweils zwei seiner Mitglieder. Diese Konferenzen, an denen bis auf ganz wenige alle Hilfsamtsmitglieder der Welt teilnahmen, konzentrierten sich auf das Thema „Trainings-Institute und systematisches Wachstum“ und vermittelten den Teilnehmern eine Fülle von Informationen, die durch ihre unermüdliche Arbeit das gesamte Gefüge der Gemeinde durchdringen werden.
Göttlich inspirierter Plan
Eine so reich ausgestattete, so erfahrene und auf einen göttlich inspirierten Plan zum Handeln ausgerichtete Gemeinde schaut nach außen auf eine Welt, deren Bewohner seit den Ereignissen im Heiligen Land im Mai 2001 noch tiefer in einen Sumpf vielfacher Verirrungen gesunken sind. Und dennoch, gerade unter diesen anscheinend unwirtlichen Bedingungen ist die Sache dazu ausersehen voranzuschreiten und zu gedeihen. „The Summons of the Lord of Hosts” (Vorläufige Übersetzung: „Der Ruf des Herrn der Heerscharen” ), der kürzlich veröffentlichte Band mit der englischen Übersetzung des vollständigen Textes der Sendschreiben Bahá’u’lláhs an die Könige und Herrscher der Welt, kommt als eine passende Erinnerung an die tragischen Folgen der Missachtung Seiner War-
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
nungen vor Ungerechtigkeit, Tyrannei und Korruption. Die gewaltsamen Erschütterungen, die das Bewusstsein der Menschen überall belasten, unterstreichen die Dringlichkeit des Heilmittels, das Er verschrieben hat. Wir, die verstreuten Scharen Seiner treuen Diener, sind somit erneut an einem Zeitpunkt unwiderstehlicher Gelegenheiten angekommen — Gelegenheiten, Seine Sache zu lehren, Sein wundersames System zu errichten und in aufopferungsvoller Weise die dringend benötigten materiellen Mittel bereitzustellen, von denen der Fortschritt und die Ausführung geistiger Tätigkeiten zwangsläufig abhängig sind. Unsere unausweichliche Aufgabe besteht darin, die gegenwärtige Verwirrung ohne Angst und Zögern zu nutzen, um die verwandelnde Kraft der einen Botschaft zu verbreiten und zu demonstrieren, die alleine den Frieden der Welt sichern kann. Hat uns die Gesegnete Schönheit nicht mit machtvollen Worten befähigt und ermutigt? „Lasst nicht die Geschehnisse der Welt euch betrüben”, rät Er uns auf liebevolle Weise. „Ich schwöre bei Gott”, fährt Er fort. „Das Meer der Freude sehnt sich danach, in eure Gegenwart zu gelangen, denn alles Gute wurde für euch erschaffen und wird euch den Notwendigkeiten der Zeiten entsprechend offenbart werden.” Daher eilt, unbeeinträchtigt von jedweden Zweifeln und ungehindert von jeglichen Hindernissen, voran – mit dem Plan in der Hand. Das Universale Haus der Gerechtigkeit
11. Juni 2002 Erläuterungen zur Botschaft an die religiösen Führer der Welt
Das nachfolgende Schreiben des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 11. Juni 2002 enthält wichtige Erläuterungen zur Botschaft des Hauses an die religiösen Führer der Welt. Die Botschaft selbst wurde in der Juni-Ausgabe der Bahá’í-Nachrichten veröffentlicht. Das nun vorliegende Schreiben berücksichtigt auch Fragen, die im Zusammenhang mit der Botschaft an das Universale Haus gerichtet wurden. Auch aus diesem Grund bietet dieser Text, der u.a. den Hintergrund, die Zweckbestimmung und die angemessene Art der Kommunikation der Botschaft erläutert, eine wichtige Grundlage für ein intensives Studium der Botschaft, zu der der Nationale Rat allen Freunden sehr raten möchte. Für Vertiefungsveranstaltungen zum Thema der Botschaft stehen die Mitglieder des Hilfsamts auf Wunsch gerne zur Verfügung.
An Nationale Geistige RäteLiebe Bahá’í-Freunde,
Berichte aus der Bahá’í-Welt zeigen, dass die erste Etappe der Verbreitung der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die religiösen Führer der Welt von Seiten der Nationalen Geistigen Räte mit eindrucksvoller Effizienz vonstatten ging. Das Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Internationalen Bahá’í-Gemeinde ist dabei, eine Zusammenfassung der anfänglichen Entwicklung zusammenzustellen, die in Kürze herausgegeben wird. Das Büro wird diese Gelegenheit außerdem nutzen, um auch praktische Vorschläge
11. Juni 2002 Erläuterungen zur Botschaft an die religiösen Führer der Welt
zu machen, wie Rückfragen der Medien über verschiedene Aspekte der Botschaft beantwortet werden können. Das Haus der Gerechtigkeit hat uns beauftragt, Ihnen als Antwort auf Anfragen von einigen Räten und Freunden die folgende ergänzende Führung zu unserem Brief vom 25. März 2002 zu übermitteln. Wie bereits aus dem Text klar hervorgeht, ist die Botschaft nicht als eine Verkündigung der Sendung Bahá’u’lláhs zu sehen, sondern vielmehr als eine Antwort des Hauses der Gerechtigkeit auf die ihm in der Schrift auferlegte Pflicht, die Sache des Friedens unter den Völkern und Nationen der Welt zu fördern. Weil religiöser Hass zu einem todbringenden Konfliktherd geworden ist, hielt das Haus der Gerechtigkeit die Zeit für gekommen, zu der es an die Führung institutionalisierter Religion den Appell richten musste, diese Frage nachdrücklich und entschlossen zur Sprache zu bringen.
Beitrag für die interreligiöse Arbeit
Als ein Hauptforum für solche Gespräche bietet sich zweifellos die interreligiöse Arbeit an, die heute zu einer festen Einrichtung für das öffentliche Gespräch auf örtlicher, nationaler und internationaler Ebene geworden ist. Bei diesem Austausch ist es wichtig, dass die Bahá’í-Teilnehmer stets daran denken, dass die gegenwärtige Situation zu analysieren und Maßnahmen zu beschließen, die den Gefahren entgegenwirken können, welche durch die zunehmenden Kräfte religiösen Vorurteils hervorgerufen werden, in der Verantwortung der Gesellschaft als ganzes, insbesondere aller gläubigen Menschen, liegt. Die Bahá’í sind gerne bereit, auf jede ihnen mögliche Weise zu solchen Gesprächen beizutragen, aber sie werden nicht versuchen, religiösen Gruppen, die historisch bedingte soziale und geistige Probleme zu bewältigen haben, Lösungen vorzuschreiben. Ebenso ist wichtig, dass Gemeindemitglieder behutsam Wesen und Ziel solcher organisierter Diskussionen respektieren. Diese in eine Gelegenheit zum Lehren des Bahá’í- Glaubens umzufunktionieren, wäre ein Missbrauch des guten Willens der anderen Teilnehmer. Sicherlich kann es sich ergeben, dass die Beratung über das Thema der Botschaft zu Bitten um weitere Informationen über den Bahá’í-Glauben seitens anderer Teilnehmer führt. Die Bahá’í-Vertreter werden natürlich bereit sein, solche Informationen zu geben, aber sie werden ihre Ausführungen im Rahmen der gestellten Fragen halten.
Erreichen einer möglichst großen Öffentlichkeit
Die nationalen und örtlichen Geistigen Räte sollten jedoch sorgfältig Schritte überlegen, um sicherzustellen, dass die vom Haus der Gerechtigkeit ergriffene Initiative und die Inhalte der Botschaft möglichst große Teile der Öffentlichkeit erreichen, besonders über die verschiedenen Medien. Das Ergebnis wird sein, dass die Diskussion eines Themas, das für das Wohl der Menschheit von äußerster Wichtigkeit ist, verstärkt wird und die ihm zugrunde liegenden Kernfragen zunehmend geklärt werden. Bahá’í-Vertreter können dieses Streben am besten dadurch unterstützen, dass sie die Aufmerksamkeit auf die vorrangigen sozialen und geistigen Herausforderungen lenken, mit denen unsere Welt konfrontiert ist, und dabei vermeiden, in Streit über theologische Fragen hineingezogen zu werden.
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Natürlich werden die einzelnen Bahá’í bei ihrer persönlichen Lehrarbeit Gedanken und Perspektiven in der Botschaft vorfinden, die ihnen sehr dabei helfen, Freunden und Interessenten den Glauben an sich vorzustellen, und sie sollten nicht zögern, solche Gelegenheiten zu ergreifen. Immer mehr Menschen werden durch die entsetzlichen Folgen sektiererischen Hasses zutiefst beunruhigt und zugleich der theologischen Rechtfertigungen überdrüssig, die so lange vorgegeben wurden, um solch zerstörerisches Tun und Denken zu untermauern. Die Prinzipien der Einheit Gottes und der Einheit der Religion, die in der Botschaft dargelegt werden, vermitteln ernsthaften Suchern hilfreiche Brücken zum Studium der Offenbarung Bahá’u’lláhs. Die jetzt eingeleitete Initiative fordert die Mitglieder der Bahá’í- Gemeinde dazu heraus, in ihrer persönlichen Lebensführung die den Glauben beseelenden Ideale aufzuzeigen. Jede Gelegenheit, bei der man mit Anhängern anderer Religionen zusammentrifft, bietet die Chance, diesen aufrichtigen Geist der Kameradschaft zu zeigen, der der Erkenntnis entströmt, dass alle großen Religionen aus der gleichen Quelle stammen und dass Meinungsvielfalt kein Grund zum Streit zu sein braucht. Die Ermutigung, die ein solches Miteinander hervorbringt, ist an sich ein Dienst an der Allgemeinheit, der Frieden und Wohlwollen fördert und indirekt auch den Fortschritt des Glaubens.
Gleichgewicht zwischen zwei parallelen Aufgaben
Die Bahá’í-Gemeinde ist beim Ausführen des Auftrags, den Bahá’u’lláh ihr gegeben hat, stets dazu aufgerufen, ein Gleichgewicht zu wahren zwischen den beiden damit verbundenen parallelen Aufgaben: zum einen den Fortschritt der Sache durch das Lehren ihrer Botschaft unter allen Menschen zu fördern, und zum andern durch das Verteidigen der Ideale der Einheit, Toleranz und Zusammenarbeit zum Wohl der Menschheit beizutragen. Wenn diese angemessen ausgeführt werden, verstärken sich die beiden Mandate trotz ihrer prinzipiellen Verschiedenheit gegenseitig. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
22. August 2002 Fehlen einer deutlichen Zunahme der Anzahl der Bahá‘í
Sekretariatsabteilung Mit E-Mail übermittelt:Lieber Bahá‘í-Freund,
das Universale Haus der Gerechtigkeit hat uns gebeten, in seinem Auftrag auf Ihre E- Mail vom 9. August 2002 zu antworten. Ihre Ausführungen bezüglich des Fehlens einer deutlichen Zunahme der Anzahl der Bahá‘í in den Gemeinden der westlichen Länder sind weitgehend zutreffend, für einige Länder mehr als für andere, und die sich daraus ergebende Besorgnis ist völlig berechtigt. Zu sehen, wie es bedeutenden Bahá‘í-Gemeinden
22. August 2002 Fehlen einer deutlichen Zunahme der Anzahl der Bahá‘í
merklich daran mangelt, die den Menschen innewohnenden Fähigkeiten zu entwickeln, die erforderlich sind, um die Bevölkerung zu erreichen, die verzweifelt nach Lösungen für die Krisen sucht, in die die Gesellschaft immer mehr versinkt, ist für Gläubige, die sich der Macht der Sendung Bahá’u’lláhs bewusst sind, in der Tat schmerzlich. Diese Überlegung war ein wesentlicher Faktor beim Entwurf der betreffenden Passagen der Schrift „Das Jahrhundert des Lichtes“, worauf Sie sich beziehen. Diese Abschnitte des Dokumentes versuchen, die Gläubigen überall mit der grundlegenden Wandlung in der Bahá‘í-Kultur vertraut zu machen, welche die vergangenen Jahrzehnte der Anstrengung, der Erfolge und der Enttäuschungen möglich machten, und die mit Hilfe des Vierjahresplanes vorteilhaft nutzbar gemacht wurde. Die Kultur, die sich jetzt entwickelt, ist eine, in der die Anhänger Bahá’u’lláhs in Gruppen gemeinsam die Wahrheiten in Seinen Lehren erforschen, bereitwillig ihre Studienkreise, Andachtsversammlungen und Kinderklassen für ihre Freunde und Nachbarn öffnen und ihre Bemühungen zuversichtlich auf Aktionspläne richten, die auf einen Regionalbereich zugeschnitten sind, wo Wachstum zu einem überschaubaren Ziel wird. Die Begeisterung, mit der Bahá‘í-Gemeinden im größten Teil der Welt auf diese Herausforderung antworten, und die Ergebnisse, die ihre Bemühungen allmählich zeigen, sind stets ein Anlass zu großer Freude für das Haus der Gerechtigkeit. Leider erreicht die Resonanz nicht überall dieses Niveau. Wo Bahá‘í-Gemeinden nicht imstande sind, sich von der Ausrichtung nach einer Bahá‘í-Lebensweise freizumachen, die sich längst überlebt hat, welchen Wert sie auch einst besessen haben mag, wird es der Lehrarbeit sowohl an der notwendigen systematischen Vorgehensweise, als auch an dem Geist, der jeden erfolgreichen Dienst für die Sache belebt, mangeln. Der Glaube wird an den Rand gedrängt und die Gemeinde der geistigen Lebendigkeit, die ihr eigen ist, beraubt, wenn das Bahá‘í-Gemeindeleben fälschlicherweise mit der Art religiöser Aktivität gleichgesetzt wird, welche die Gesellschaft im allgemeinen kennzeichnet - in der der Gläubige Mitglied einer Gemeinde ist, wo Führung von einer oder mehreren Personen ausgeht, von denen angenommen wird, sie seien dafür befähigt, und wo persönliche Mitwirkung in ein von ganz anderen Interessen beherrschtes Schema eingezwängt ist. Wie es Ihnen sicher bewusst ist, sind der Vierjahresplan, der Zwölfmonateplan und der gegenwärtige Fünfjahresplan darauf ausgerichtet, als stufenweise Schritte diesen Wandel in der Bahá‘í-Kultur herbeizuführen. Seitens der Kontinentalen Beraterämter auf der ganzen Welt hat man intensiv daran gearbeitet, die Nationalen und örtlichen Geistigen Räte, die Regionalen Räte und andere administrative Körperschaften zu unterstützen, die damit verbundenen Zielsetzungen zu verstehen und Vorgehensweisen zu ihrer Erreichung zu entwickeln. Groß angelegte Beratungstreffen, die die Mitglieder aller dieser entscheidenden Institutionen zusammenbrachten, waren bei der Erreichung dieses Zieles meist sehr erfolgreich. Wo die Resonanz auf sich warten ließ, hat sich das Haus der Gerechtigkeit häufig durch Klärung von Fragen eingeschaltet, um die Bemühungen der Berater zu stärken. Letztlich muss die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ihre Gemeinde sich der Herausforderung stellt, bei den gewählten Vertretern der Gläubigen auf der lokalen und nationalen Ebene bleiben. Der Fortschritt der Sache ist ein Entwicklungsprozess, der durch Versuch und Irrtum
Botschaften und Briefe des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
geformt wird, durch Rückblick auf Erfahrung sowie durch Verpflichtung aus ganzem Herzen gegenüber den vom Haus der Gerechtigkeit entwickelten Lehrpläne und Vorgehensweisen. Gläubige wie Sie, die die so bereitgestellten Möglichkeiten zu schätzen wissen, können sehr viel dazu beitragen, ihre jeweiligen Länder und Räte zu ermutigen, sich gleichfalls in den Prozess einzubringen. Das Haus der Gerechtigkeit war tief berührt von dem Geist, der Sie zu schreiben bewegt hat, und versichert Sie seiner Gebete in den Heiligen Schreinen, dass Bahá’u’lláh Ihre Bemühungen, Seiner Sache zu dienen, segnen und bestätigen möge. Mit liebevollen Bahá‘í-Grüßen, Sekretariatsabteilung
11. November 2002 Rücktritt geliebter Mitglieder
An alle Nationalen Geistigen Räte Geliebte Freunde,
eingedenk der zunehmenden Bürde eines fortgeschrittenen Alters und ihrer Auswirkung auf den Dienst, den sie erbringen können, haben Herr Hushmand Fatheazam und Herr ‘Alí Nakhjavání, nachdem sie die Erfordernisse der Sache Gottes im Geiste des Gebets bedacht haben, um Erlaubnis gebeten, ihre Mitgliedschaft im Universalen Haus der Gerechtigkeit in Übereinstimmung mit Artikel V.2.(c) seiner Verfassung niederzulegen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat mit Bedauern den Rücktritt dieser geliebten Mitglieder, die im Heiligen Land hochgeschätzte Dienste geleistet haben – im Falle von Herrn Nakhjavání seit 1961 und im Falle von Herrn Fatheazam seit 1963 –, angenommen. Sie werden so, befreit vom unerbittlichen Druck der Arbeit am Weltzentrum, ihre Dienste für die Sache Gottes fortsetzen können. In Anbetracht der nahe bevorstehenden nächsten internationalen Wahlen haben wir sie jedoch gebeten, noch bis dahin im Amt zu bleiben; dem haben sie bereitwillig zugestimmt. Mit liebevollen Bahá‘í-Grüßen Das Universale Haus der Gerechtigkeit